| In dieser Rubrik finden Sie sämtliche Portraits von Business Angel-Netzwerken, die im VentureCapital Magazin veröffentlicht wurden. |
| Abschluss der Serie Business Angel-Netzwerke (Ausgabe 12/2006) - Öffentlich agierende Netzwerke sind nur die Spitze des Eisbergs
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In den letzten anderthalb Jahren hat das VentureCapital Magazin die Mehrzahl der Business Angels-Netzwerke vorgestellt, die Mitglied im bundesweiten Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND) sind. Von knapp 40 Netzwerken, die derzeit in Deutschland bekannt sind, haben sich 29 im BAND organisiert. Damit sind aber nur die Business Angels bekannt, die ihre Aktivitäten über die Netzwerke auch öffentlich machen. Konkrete Daten über den tatsächlichen volkswirtschaftlichen Umfang der Tätigkeit von Privatinvestoren in Deutschland gibt es bisher nicht.
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Belastbare Daten liegen nicht vor
Anfang 2006 hat BAND folgende Näherungswerte, die auf Umfragen bei den
Netzwerken und den bei BAND gelisteten Business Angels basieren, genannt: „Es
gibt in Deutschland etwa 1.000 in Netzwerken organisierte Business Angels,
diese halten ein Beteiligungsportfolio von 4,4 Beteiligungen mit einer
Durchschnittsinvestition von 100.000 Euro pro Deal. Geht man von
durchschnittlich einer Beteiligung pro Jahr aus, so ergibt das eine
Jahresinvestitionssumme von 100 Mio. Euro.“ Das wäre, verglichen mit den
Volumina für Seed-Finanzierungen durch VC-Gesellschaften, die der BVK in seinen
Jahresstatistiken für 2004 und 2005 ausgewiesen hat – 22 und 6,6 Mio. Euro –
eine gewaltige Summe. Dennoch macht BAND-Vorstand Dr. Ute Günther kein Hehl daraus,
dass auch ihr keine konkreten Daten darüber vorliegen, wie viele Business
Angels in Deutschland aktiv sind und wie hoch die investierten Summen sind:
„Die in den bekannten Netzwerken gelisteten Business Angels stellen nur die
Spitze des Eisberges dar. Wir haben gelernt, dass Business Angels ganz
unterschiedlich agieren: Es gibt den Typus, der zwar in keinem Netzwerk
organisiert ist, aber doch gelegentliche informelle Kontakte schätzt, vor allem
um durch Syndizierungen sein Risiko zu minimieren. Ein weiterer Typus nutzt
ausschließlich sein privates Netzwerk, um seiner Investitionstätigkeit
nachzugehen. Der letzte Typus schließlich arbeitet komplett unter Ausschluss
der Öffentlichkeit.“ Um Licht in dieses Dunkel zu bringen, strebt BAND für das
kommende Jahr die Durchführung einer wissenschaftlichen Untersuchung des Themas
an, an deren Finanzierung derzeit gearbeitet wird.
Trendbarometer zeigt Aufwärtstrend
Mit dem Business Angels Panel, das seit 2002 auf Initiative von BAND, den „VDI
nachrichten“, der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und der
Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung Vallendar vierteljährlich
durchgeführt wird, verfügt die Branche aber zumindest über ein Trendbarometer –
auch wenn dessen Aussagen nicht als repräsentativ im Sinne statistischer
Erhebungen gelten können. Die Daten werden durch Befragung eines Kreises von
mehr als 40 erfahrenen Business Angels erhoben, bei deren Auswahl auf regionale
Ausgewogenheit geachtet wird. Die jüngste Erhebung zum dritten Quartal 2006
spiegelt eine sehr positive Grundstimmung der Business Angels in Deutschland
wider: Die Geschäftslage wird so gut wie noch nie in der Geschichte des Panels
eingestuft. Auch die Einschätzung der Geschäftsaussichten bewegt sich im
Bereich der besten bisher genannten Bewertungen (siehe unten stehende Grafik).
Der Vergleich der Exit-Bilanzen von 2005 und der ersten drei Quartale in diesem
Jahr zeigt ebenfalls eine steigende Tendenz: Während im Gesamtjahr 2005 den 18
erfolgreichen Verkäufen noch zehn Abschreibungen gegenüberstanden, kam es in
diesem Jahr bereits zu 28 erfolgreichen Veräußerungen bei lediglich drei
Abschreibungen (siehe oben stehende Grafik). Als besonders positiv hebt Ute
Günther nicht nur die sechs Börsengänge hervor, an denen die Teilnehmer des
Panels in diesem Jahr beteiligt waren, sondern auch die drei Verkäufe an
Finanzinvestoren: „Das ist ein ermutigendes Signal, denn bisher gab es kaum
Verkäufe an Venture Capital-Gesellschaften, da diese die
Unternehmensbewertungen der Business Angels für zu hoch hielten. Hier scheint
sich eine Änderung anzubahnen.“
Der Deutsche Business Angels Tag 2006
Am 13. November war es wieder so weit: Die deutsche Business Angels-Szene traf
sich zum Business Angels Tag, der in diesem Jahr in Wolfsburg stattfand. Rund
400 Teilnehmer und 80 Aussteller bevölkerten den MobileLifeCampus, eine Bilanz,
die sich sehen lassen kann: Als die Veranstaltung 2001 das erste Mal
durchgeführt wurde, zählte das ausrichtende Business Angels Netzwerk
Deutschland e.V. (BAND) gerade einmal 100 Teilnehmer und 20 Aussteller. Diese
positive Entwicklung wird auch dadurch unterstrichen, dass sich erstmals mehr
als 100 junge Unternehmen für einen der zwölf Präsentationsplätze auf der
netzwerkübergreifenden Matching-Veranstaltung im Rahmen des Business Angels
Tages beworben hatten. Zur guten Stimmung trugen auch die gerade
veröffentlichten Ergebnisse des Business Angels Panels zum dritten Quartal 2006
bei, die eine stark verbesserte Exitbilanz und eine sehr positive Bewertung der
Geschäftslage ergeben hatten. Dennoch war nicht alles eitel Sonnenschein: So
trübe, wie das Wetter am 13. November war, sind die Aussichten, die die von der
Bundesregierung geplante Unternehmensteuerreform für Business Angels mit sich
bringt. Darauf wies BAND-Vorstand Dr. Roland Kirchhof hin: Während
Privatinvestoren bisher bei einer Veräußerung ihrer Unternehmensanteile nach
dem Halbeinkünfteverfahren besteuert wurden (Hälfte des Einkommenssteuersatzes
von maximal 42% plus Solidaritätszuschlag), müssen sie zukünftig mit einer
Abgeltungssteuer in Höhe von 25% des Verkaufserlöses plus Solidaritätszuschlag
rechnen. Anders als in vergleichbaren europäischen Ländern, in denen
Veräußerungsgewinne ganz oder teilweise steuerfrei sind, werde die
volkswirtschaftliche Bedeutung des Engagements von Business Angels in
Deutschland nicht ausreichend gewürdigt, so Kirchhof weiter. Die
Wesentlichkeitsgrenze für Veräußerungsgewinne sei von 25% auf 10% und 2001
schließlich auf 1% des Unternehmenswertes gesunken – hier hätte man sich nach
dem Wortlaut der Koalitionsvereinbarung vor einem Jahr zumindest eine Rückkehr
zur 10%-Marke bei der Steuerfreigrenze erhofft. Von diesen trüben Aussichten
ließ sich aber zumindest ein Business Angel an diesem Tag die gute Laune nicht
verderben: Eckard Wohlgehagen, Mitglied im „Business Angel Netzwerk Süd Ost
Niedersachsen“ (BANSON e.V.), wurde auf Vorschlag von sechs Unternehmen, an
denen er sich mit Kapital und Know-how beteiligt hat, als „Business Angel des
Jahres“ mit der „Goldenen Nase 2006“ ausgezeichnet. Der nächste Deutsche
Business Angels Tag wird am 8. Oktober 2007 in Halle im Bundesland
Sachsen-Anhalt stattfinden.
Bernd Luxa
redaktion(at)vc-magazin.de
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