| Editorial |
18.12.2009, 16:56 |
| Neue Wege - von Andreas Uhde
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Liebe Leserinnen und Leser,
am Jahresende blicken wir zurück – und sehen 2009 Höhen und Tiefen: Rasant
bergab ging es im 1. Quartal. Anfangs war die allgemeine Stimmung am Boden, die
Finanzmärkte rauschten in den Keller, und die Private Equity-Industrie verfiel
in eine Schockstarre.
Mit gewaltigen Konjunkturprogrammen und in dieser Dimension nie für möglich
gehaltenen Rettungsmaßnahmen für den Bankensektor stemmten sich Politik und
Notenbanken erfolgreich gegen den drohenden Kollaps des Finanzsystems. Sie drückten
die Zinsen und überfluteten die Marktteilnehmer mit Liquidität. So entstand
Anlagedruck, der sich zunächst in einem Rückgang der zuvor exorbitant
gestiegenen Risikoprämien für Anleihen zweitklassiger Bonität niederschlug. Im
2. Quartal 2009 setzten die Aktienmärkte zu einer Rallye an, die – zumindest in
ihrer Anfangsphase – in krassem Gegensatz zur enttäuschenden Entwicklung der
Realwirtschaft stand.
Zwar ist es so, dass Börsenkurse einen bevorstehenden Aufschwung häufig
vorwegnehmen. Dass jedoch nicht nur Aktien, sondern in dieser konjunkturellen
Schwächephase auch Rohstoffpreise drastisch an Wert gewannen, lässt sich nur
durch Spekulation begründen. Schließlich nahm die Nachfrage der Industrie nach
Metallen, Öl & Co. auch in dieser Wirtschaftsflaute ab. Deutlicher als alle
anderen Signale belegt dabei der fortwährende Anstieg des Goldpreises eine
beginnende Flucht in Sachwerte, die nicht duplizierbar sind. Der (einzig)
logische Grund, um ein relativ knappes, aber unverzinstes und für kaum etwas verwendbares
Gut wie Gold als Anlageobjekt zu kaufen, ist Angst vor Inflation.
Ist diese gerechtfertigt? Bis heute verharren die Inflationsraten in den
meisten entwickelten Ländern auf niedrigem Niveau. Die jährliche Rendite
deutscher Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt aktuell bei etwa 3,5%.
Beides nicht gerade Indizien dafür, dass Geldentwertung unmittelbar bevorsteht.
Die Finanzmärkte spiegeln damit etwas wider, was sich vielleicht als kumulative
Ahnungslosigkeit bezeichnen lässt. Ein Teil der Akteure erwartet aufgrund der
Politik des billigen Geldes ein baldiges, deutliches Anziehen der Inflation,
selbst Begriffe wie Hyperinflation und Währungsschnitt werden genannt. Andere
Experten verweisen auf die schwache Auslastung der Industrie und eine hohe
Arbeitslosigkeit – ein Umfeld, in dem Preissteigerungen unwahrscheinlich sind.
Eines dürfte jedoch sicher sein: Die drastischen Maßnahmen zur Rettung des
Finanzsystems haben uns auf einen Weg geführt, dessen Verlauf und Ziel wir
nicht kennen. Wer auf „Business as usual“ hofft, dürfte schon bald eines
Besseren belehrt werden.
Was die Private Equity-Branche für 2010 erwartet, lesen Sie in unserer
Titelstory auf den S. 14–19.
Frohe Weihnachten wünscht Ihnen
andreas.uhde@vc-magazin.de
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