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"Beim Exit gibt es Potenzial für Konflikte" (Ausgabe 7-8/10) - Interview mit Dr. Paul-Josef Patt, eCapital Entrepreneurial Partners, und Dirk Nachtigal, BASF Venture Capital

Während private Venture Capital-Gesellschaften rein renditeorientierte Ziele verfolgen, haben Corporate Venture Capital-Gesellschaften oft auch einen strategischen Hintergrund. Ob es Vorbehalte gibt, wie mögliche Synergien aussehen können und in welcher Form unterschiedliche Zielsetzungen ein mögliches Konfliktpotenzial darstellen, erklären Dr. Paul-Josef Patt, Managing Partner bei eCapital Entrepreneurial Partners, und Dirk Nachtigal, Geschäftsführer von BASF Venture Capital, im Interview mit Torsten Paßmann.

VC Magazin: Im vergangenen Jahr sind hiesige Venture Capital-Investitionen massiv geschrumpft. Hat die Zurückhaltung im Markt auch Ihr Investitionsverhalten beeinflusst?

Nachtigal: Wir haben unser eigenes Tempo gehalten und keinen Einfluss auf den Dealflow gesehen. Allerdings haben wir nur ein Investment gemacht. Gute Deals werden aber immer finanziert, auch wenn sie teuer sind. In einem solchen Fall schließen sich die Investoren zu einem Konsortium zusammen – so wie 2009 bei Heliatek, die 18 Mio. EUR auftreiben konnten.

Patt: Auch unser Investitionsverhalten wurde nicht beeinflusst. Im Gegenteil – wir haben unternehmerisch investiert, also antizyklisch. Mit sieben neuen Investments waren wir damit im vergangenen Jahr unter den Top Ten in Deutschland.


VC Magazin: Wie sieht es mit den Bewertungsvorstellungen von Gründern aus – steigen die Ansprüche, wenn CVCs mit finanzstarken Konzernen im Rücken dabei sind?

Patt: Ich glaube nicht, dass Gründer so denken. Aber es gibt schon eine statistische Korrelation, dass mit einer steigenden Anzahl von CVCs in einem Konsortium auch die Bewertung steigt. Damit bleibt die Frage nach der Ursache noch offen. Wird einfach mehr Geld ausgegeben oder sind es bessere Deals? Meiner Meinung nach sind es die besseren Deals.

Nachtigal: Wir investieren zwar aus der Liquidität der BASF-Gruppe heraus, aber kein Corporate VC hat unbegrenzt Geld zur Verfügung. Auch kommt es auf die Ausrichtung an: eher strategisch oder finanziell? Wir bei BASF Venture Capital werten beides gleichwertig. Daher investieren wir immer mit und genau wie eine Venture Capital-Gesellschaft. Wir haben daher auch schon einmal einen Deal verloren, weil ein anderer Corporate VC mit einer rein strategischen Ausrichtung eine höhere Bewertung akzeptiert hat.


VC Magazin: Vertrauen entsteht erst durch Zusammenarbeit. Was sind die typischen Vorbehalte, die Venture Capital- und Corporate Venture Capital-Gesellschaften gegenüber der anderen Seite haben?

Patt: Eine generelle Schwäche, das haben uns die vergangenen 20 Jahre gelehrt, ist, dass mancher Corporate VC unerwartet seine Strategie geändert hat. So etwas liegt nicht am Managementteam, sondern oft am Strategiewechsel oder an einem neuen Vorstand eines Konzerns, der die Projekte seines Vorgängers streicht. Davon leben viele Secondary Fonds, die diese Portfolios günstig einkaufen können. Ein unabhängiger Venture Capitalist muss sich dann Gedanken machen, ob ein möglicher Partner sechs bis acht Jahre dabei bleibt. Ein CVC, der trotz der Krisen in den vergangenen Jahren heute immer noch Teil eines Konzerns sein darf, hat da natürlich einen Vertrauensvorschuss. BASF Venture Capital kennen wir seit zehn Jahren, daher fiel uns das gemeinsame Investment in Heliatek leicht.

Nachtigal: Wir haben keine grundsätzlichen Vorbehalte. Man sieht aber schon bestimmte Phänomene. So gib es einige VCs, die sich sehr bürokratisch verhalten und auch in den Boards unangenehm agieren. Natürlich achten wir immer darauf, dass unsere Co-Investoren auch in weiteren Finanzierungsrunden mitgehen können.


VC Magazin: Wie stellen Sie vor einem ersten gemeinsamen Investment fest, ob der Investor bürokratisch ist?

Nachtigal: Wir holen uns Referenzen ein – von den CEOs der finanzierten Unternehmen sowie den Aufsichts- und Beiratsmitgliedern. Es gibt einige VCs, mit denen wir auf keinen Fall gemeinsame Sache machen wollen. Das sind aber nicht viele, noch nicht einmal eine Handvoll. Bislang haben wir nur eine schlechte Erfahrung gemacht, weil ein Lead-Investor nicht mehr weiterfinanzieren wollte. Er hat den Finanzierungsplan der anderen Investoren abgelehnt und damit die Firma in den Konkurs getrieben.


VC Magazin: Was bringen Sie mit, was die andere Seite jeweils nicht liefern kann?

Patt: Wir selbst sind als unabhängige Gesellschaft noch in einer überschaubaren Größe, so dass wir eher schnell als träge sind. Wenn wir einen guten Deal sehen, können wir aufgrund unserer Erfahrung und Ressourcen trotz intensiver Prüfung schon mal nach vier Wochen beim Notar sitzen. Das schaffen nur wenige.

Nachtigal: Meiner Meinung nach haben private Investoren vor allem in der Due Diligence Interesse an dem Know-how und der IP-Expertise eines Corporate VC. Beispielsweise haben wir bei BASF bei über 90.000 Mitarbeitern ein unglaubliches Spektrum an Experten. Allein unser hausinternes Team von IP-Anwälten ist größer als mancher Investor. Dazu kommt, dass wir weltweit Zugang zu vielen großen Kunden haben und Start-ups die Türen aufhalten können.


VC Magazin: Wie sieht die Kooperation konkret bei dem gemeinsamen Investment Heliatek aus?

Patt: Wir haben schon Novaled finanziert, das Unternehmen, das ebenfalls vom Heliatek-Mitgründer Prof. Leo an den Start gebracht wurde, und können aus dieser Ecke von unserer Erfahrung profitieren. Dazu kann mein Partner Michael Lübbehusen, der bei uns Heliatek betreut, aufgrund seiner beruflichen Erfahrung sehr viel zum Aufbau des Produktionsprozesses beisteuern.

Nachtigal: Wir steuern unsere Kompetenz aus dem Bereich Materialentwicklung bei. Mit RWE und Bosch, die auch ihren Beitrag leisten, ist das aus meiner Sicht auch eine Erfolgsgeschichte für den High-Tech Gründerfonds. Die Bonner haben das Unternehmen anfinanziert, dessen Investoren schauen sich die Technologie an und steigen dann in der nächsten Runde ein.


VC Magazin: Während ein Venture Capitalist monetäre Ziele verfolgt, kann ein Corporate VC auch strategische Konzerninteressen haben. Wie wirken sich diese unterschiedlichen Zielsetzungen in Strategie- sowie Exit-Diskussionen aus?

Nachtigal: Wir haben bislang 22 Direktinvestments mit anderen Venture Capital-Häusern gemacht und ich habe da bislang nie Konfliktpotenzial gesehen, auch nicht bei einem Verkauf an BASF. Wir sind genauso exit- und renditeorientiert. Wenn BASF Interesse an einem Portfoliounternehmen hat, muss die jeweilige operative Einheit wie jeder andere Bieter auch ein Angebot vorlegen. Sollte es dann einen Interessenkonflikt geben, nehmen wir als BASF Venture Capital nicht an den entsprechenden Aufsichtsratssitzungen teil.

Patt: Auch wenn es sonst harmonisch läuft, schauen Venture Capital-Gesellschaften vor einer möglichen Beteiligung ganz genau in die Verträge. Unter Umständen sind die Exit-Optionen eingeschränkt, wenn man einen CVC an Bord hat. Auch könnte es sein, dass andere strategische Käufer grundsätzlich auf Angebote verzichten, weil sie sich keine Chance gegen die Mutter des Corporate VC ausrechnen. Hier gibt es Potenzial für Konflikte, weshalb man vertragliche Regeln braucht, um jede Einschränkung beim Exit auszuschließen.

Nachtigal: Wir selbst verlangen aber nie Sonderrechte, sondern verzichten bewusst auf Vorkaufsrechte – das sollen die anderen Investoren aber auch. Der Vorteil für BASF besteht darin, dass wir eine bessere Basis für die Preisfindung haben, da wir die Gesellschaft bereits drei oder vier Jahre kennen. In einer kurzen Due Diligence kann so etwas nicht aufgeholt werden.


VC Magazin: Herzlichen Dank für das Gespräch!

torsten.passmann (at) vc-magazin.de


Zu den Gesprächspartnern

Dr. Paul-Josef Patt ist Geschäftsführer von eCapital Entrepreneurial Partners, einer unabhängigen, unternehmergeführten Venture Capital-Gesellschaft, die seit 1999 innovative Unternehmer aktiv begleitet. Der studierte Volkswirt Dirk Nachtigal gehört der BASF-Gruppe seit 22 Jahren in verschiedenen Funktionen an. Seit 2001 ist er Geschäftsführer der BASF Venture Capital GmbH.




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