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Investor im Portrait Artikelübersicht   
Grazia Equity GmbH (Ausgabe 10/2005) - Unabhängigkeit macht stark

Auch Venture Capital-Gesellschaften investieren in der Regel das Geld anderer Leute. Normalerweise beteiligt sich das Fonds-Management nur in verhältnismäßig geringem Umfang an den Investitionen. Bei Grazia Equity kommt dagegen der Großteil des investierten Kapitals von den Investment-Managern. Deren Investitionsstrategie hat sich bisher als sehr erfolgreich erwiesen; die höchste Rendite wurde mit der in diesem Frühjahr an die Börse gebrachten Conergy AG erzielt. Für neue Beteiligungen sucht Grazia Equity Unternehmen mit großem Entwicklungspotential; eine Beschränkung auf bestimmte Branchen oder Investitionsphasen gibt es nicht.

Unternehmer werden zu Investoren
Unternehmerische Erfahrungen hatte Alec Rauschenbusch, Gründer und Geschäftsführer von Grazia Equity, schon gesammelt, bevor er ins Berufsleben eintrat. Während des Studiums hatte er ein eigenes Franchise-Unternehmen geführt. Berufserfahrungen in Konzernen und mittelständischen Unternehmen kamen hinzu, bevor er seit Mitte der neunziger Jahre begann, als Business Angel Gründern beim Aufbau neuer Unternehmen zu helfen. Mit Grazia Equity schuf er dann ein Vehikel, um sich systematisch als VC-Investor zu betätigen. Das Kapital stammt größtenteils aus dem Vermögen des Managementteams; daneben sind lediglich einige private Investoren beteiligt.

Vorteil Unabhängigkeit
„Unsere Unabhängigkeit halte ich für einen ganz entscheidenden Wettbewerbsvorteil“, sagt Rauschenbusch, „sie gibt uns die Flexibilität, in allen Phasen und Branchen investieren zu können und auch mal mehrere Mio. Euro in einem besonders vielversprechenden Unternehmen zu konzentrieren.“ Die Verträge mit den externen Investoren geben Grazia Equity große Freiheiten bezüglich der Investitionsstrategie. Da das Kapital nicht wie bei einem Fonds nach einer festgelegten Zeit an die Investoren zurückfließen soll, kann sich die Haltedauer der Investments allein an den Renditen bzw. den unternehmerischen Erfordernissen der Beteiligung ausrichten. Langfristige Engagements sind genauso möglich wie ein Verkauf nach nur kurzer Zeit. „Bei der Conergy AG, an der wir uns 1999 beteiligt haben, sind wir auch nach dem Börsengang noch beteiligt geblieben; andererseits haben wir auch schon einmal eine Firma verkauft, in die wir nur zwei Jahre zuvor investiert hatten“, erläutert Rauschenbusch.

Unternehmer helfen Unternehmern
Im Vordergrund steht die Entwicklung des jungen Unternehmens. „Wir gehen in das Unternehmen rein und wollen es über mehrere Lebensphasen auf- und ausbauen“, so Rauschenbusch, „und sehen uns mindestens so sehr als Unternehmer wie als Finanzspezialisten.“ Jeder einzelne der drei Partner von Grazia Equity verfügt über eigene Erfahrungen als Unternehmer, und alle haben auch in Konzernstrukturen gearbeitet. Sie können sich daher schnell in die Herausforderungen eines Wachstumsunternehmens hineindenken. Da sich Grazia Equity auf relativ wenige potentialträchtige Beteiligungen konzentriert, können die Partner den Unternehmen jederzeit unterstützend zur Seite stehen. Oft wird aktive Hilfe vor allem bei der Strategieplanung, bei Personalfragen und dem Aufbau von Kundenbeziehungen geleistet. Die Beschränkung auf ausgewählte vertraute Investitionsbranchen erlaubt dabei die Nutzung des vorhandenen umfangreichen industriespezifischen Know-hows und weitreichender Kontakte. „Die Finanzen sind dann das Resultat dessen, was das Managementteam mit unserer Unterstützung erreicht hat“, fügt Rauschenbusch hinzu.

Hohe Anforderungen an neue Beteiligungen
Als mögliche Beteiligungen kommen Unternehmen in Frage, die sich auf einen potentiellen Markt mit einem Volumen von mindestens 500 Mio. Euro richten; die Marktführerschaft sollte angestrebt werden und durch vorhandene nachhaltige Wettbewerbsvorteile (z.B. Patente, exklusive Liefer- bzw. Kundenbeziehungen, etc.) auch erreichbar sein. Das Geschäftsmodell sollte skalierbar sein und das Erreichen der Gewinnschwelle nur wenige Jahre in der Zukunft liegen. Die Managementqualität ist für Grazia Equity darüber hinaus ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium. Erwartet werden Führungserfahrungen sowie herausragende Branchenkenntnisse und funktionales Know-how. Das benötigte Investitionsvolumen sollte mehr als 500.000 Euro betragen. Häufig tritt Grazia Equity als führender Investor in kleineren Syndikaten auf; große Konsortien werden dagegen gemieden. Aufgrund der breitgefächerten Erfahrungen der Partner wird in eine Vielzahl von Themen und Branchen investiert. Bei der Biotechnologie schließt man sich allerdings ausschließlich kompetenten Investoren an.

Sehr gute Rendite in der Vergangenheit
Das sehr selektive Vorgehen bei der Auswahl der Investitionen hat Grazia Equity eine herausragende Performance gebracht. Der 1999 aufgelegte Fonds erbrachte bislang das Achtfache der damals eingesetzten Mittel. Insbesondere unter Berücksichtigung des Investitionszeitpunktes kurz vor dem Ende des Booms dürfte dieser Track Record seinesgleichen suchen. Getragen wurde die Wertentwicklung vor allem von zwei Beteiligungen, von denen eine knapp das Zehnfache des Einsatzes erbrachte; bei der seit dem Frühjahr börsennotierten Conergy AG lag der erzielte Multiplikator noch weit darüber. „Wir sind, glaube ich, der einzige VC-Investor, der in Deutschland ein Unternehmen in der Größenordnung von Conergy quasi von Null an mit aufgebaut hat. Als wir uns zum Investitionszeitpunkt mit dem Thema beschäftigten, galt die Branche der erneuerbaren Energien als uninteressant – vor allem im Vergleich zu IT-Unternehmen“, erinnert sich Rauschenbusch.

Das Team wird verstärkt
Im Oktober wird Dr. Torsten Kreindl Grazia Equity verstärken; Anfang 2006 wird noch ein weiterer hochkarätiger Partner hinzukommen. Weitere Fremdinvestoren sollen zur Zeit nicht aufgenommen werden. Grazia Equity ist in der beneidenswerten Situation, daß das Kapital bis auf weiteres kein Engpaßfaktor ist.

Ralf Thielemann

Investitionskriterien Grazia Equity
– Benötigtes Investitionsvolumen mehr als 0,5 Mio. Euro
– Potentielle Marktgrösse mindestens 500 Mio. Euro
– Herausragendes und erfahrenes Managementteam
– Skalierbares Geschäftsmodell
– Langfristig haltbare Wettbewerbsvorteile
– Marktführerschaft angestrebt
– Nachhaltige Profitabilität innerhalb weniger Jahre

 

 


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