Unternehmer
werden zu Investoren
Unternehmerische Erfahrungen hatte Alec Rauschenbusch,
Gründer und Geschäftsführer von Grazia Equity, schon gesammelt, bevor er ins
Berufsleben eintrat. Während des Studiums hatte er ein eigenes
Franchise-Unternehmen geführt. Berufserfahrungen in Konzernen und
mittelständischen Unternehmen kamen hinzu, bevor er seit Mitte der neunziger
Jahre begann, als Business Angel Gründern beim Aufbau neuer Unternehmen zu
helfen. Mit Grazia Equity schuf er dann ein Vehikel, um sich systematisch als
VC-Investor zu betätigen. Das Kapital stammt größtenteils aus dem Vermögen des
Managementteams; daneben sind lediglich einige private Investoren beteiligt.
Vorteil Unabhängigkeit
„Unsere Unabhängigkeit halte ich für einen ganz entscheidenden Wettbewerbsvorteil“,
sagt Rauschenbusch, „sie gibt uns die Flexibilität, in allen Phasen und
Branchen investieren zu können und auch mal mehrere Mio. Euro in einem
besonders vielversprechenden Unternehmen zu konzentrieren.“ Die Verträge mit
den externen Investoren geben Grazia Equity große Freiheiten bezüglich der
Investitionsstrategie. Da das Kapital nicht wie bei einem Fonds nach einer
festgelegten Zeit an die Investoren zurückfließen soll, kann sich die
Haltedauer der Investments allein an den Renditen bzw. den unternehmerischen
Erfordernissen der Beteiligung ausrichten. Langfristige Engagements sind
genauso möglich wie ein Verkauf nach nur kurzer Zeit. „Bei der Conergy AG, an
der wir uns 1999 beteiligt haben, sind wir auch nach dem Börsengang noch beteiligt
geblieben; andererseits haben wir auch schon einmal eine Firma verkauft, in die
wir nur zwei Jahre zuvor investiert hatten“, erläutert Rauschenbusch.
Unternehmer helfen Unternehmern
Im Vordergrund steht die Entwicklung des jungen Unternehmens. „Wir gehen in
das Unternehmen rein und wollen es über mehrere Lebensphasen auf- und
ausbauen“, so Rauschenbusch, „und sehen uns mindestens so sehr als Unternehmer
wie als Finanzspezialisten.“ Jeder einzelne der drei Partner von Grazia Equity
verfügt über eigene Erfahrungen als Unternehmer, und alle haben auch in
Konzernstrukturen gearbeitet. Sie können sich daher schnell in die
Herausforderungen eines Wachstumsunternehmens hineindenken. Da sich Grazia
Equity auf relativ wenige potentialträchtige Beteiligungen konzentriert, können
die Partner den Unternehmen jederzeit unterstützend zur Seite stehen. Oft wird
aktive Hilfe vor allem bei der Strategieplanung, bei Personalfragen und dem
Aufbau von Kundenbeziehungen geleistet. Die Beschränkung auf ausgewählte
vertraute Investitionsbranchen erlaubt dabei die Nutzung des vorhandenen
umfangreichen industriespezifischen Know-hows und weitreichender Kontakte. „Die
Finanzen sind dann das Resultat dessen, was das Managementteam mit unserer
Unterstützung erreicht hat“, fügt Rauschenbusch hinzu.
Hohe Anforderungen an neue Beteiligungen
Als mögliche Beteiligungen kommen Unternehmen in Frage, die sich auf einen
potentiellen Markt mit einem Volumen von mindestens 500 Mio. Euro richten; die
Marktführerschaft sollte angestrebt werden und durch vorhandene nachhaltige
Wettbewerbsvorteile (z.B. Patente, exklusive Liefer- bzw. Kundenbeziehungen,
etc.) auch erreichbar sein. Das Geschäftsmodell sollte skalierbar sein und das
Erreichen der Gewinnschwelle nur wenige Jahre in der Zukunft liegen. Die
Managementqualität ist für Grazia Equity darüber hinaus ein ganz wichtiges
Entscheidungskriterium. Erwartet werden Führungserfahrungen sowie herausragende
Branchenkenntnisse und funktionales Know-how. Das benötigte Investitionsvolumen
sollte mehr als 500.000 Euro betragen. Häufig tritt Grazia Equity als führender
Investor in kleineren Syndikaten auf; große Konsortien werden dagegen gemieden.
Aufgrund der breitgefächerten Erfahrungen der Partner wird in eine Vielzahl von
Themen und Branchen investiert. Bei der Biotechnologie schließt man sich
allerdings ausschließlich kompetenten Investoren an.
Sehr gute Rendite in der Vergangenheit
Das sehr selektive Vorgehen bei der Auswahl der Investitionen hat Grazia
Equity eine herausragende Performance gebracht. Der 1999 aufgelegte Fonds
erbrachte bislang das Achtfache der damals eingesetzten Mittel. Insbesondere
unter Berücksichtigung des Investitionszeitpunktes kurz vor dem Ende des Booms
dürfte dieser Track Record seinesgleichen suchen. Getragen wurde die Wertentwicklung
vor allem von zwei Beteiligungen, von denen eine knapp das Zehnfache des
Einsatzes erbrachte; bei der seit dem Frühjahr börsennotierten Conergy AG lag
der erzielte Multiplikator noch weit darüber. „Wir sind, glaube ich, der
einzige VC-Investor, der in Deutschland ein Unternehmen in der Größenordnung
von Conergy quasi von Null an mit aufgebaut hat. Als wir uns zum
Investitionszeitpunkt mit dem Thema beschäftigten, galt die Branche der
erneuerbaren Energien als uninteressant – vor allem im Vergleich zu
IT-Unternehmen“, erinnert sich Rauschenbusch.
Das Team wird verstärkt
Im Oktober wird Dr. Torsten Kreindl Grazia Equity verstärken; Anfang 2006
wird noch ein weiterer hochkarätiger Partner hinzukommen. Weitere
Fremdinvestoren sollen zur Zeit nicht aufgenommen werden. Grazia Equity ist in
der beneidenswerten Situation, daß das Kapital bis auf weiteres kein
Engpaßfaktor ist.
Ralf Thielemann
Investitionskriterien Grazia Equity
– Benötigtes Investitionsvolumen mehr als 0,5 Mio. Euro
– Potentielle Marktgrösse mindestens 500 Mio. Euro
– Herausragendes und erfahrenes Managementteam
– Skalierbares Geschäftsmodell
– Langfristig haltbare Wettbewerbsvorteile
– Marktführerschaft angestrebt
– Nachhaltige Profitabilität innerhalb weniger Jahre