Die Anfänge
Die Idee, einen sozial
orientierten Venture Capital-Fonds in Deutschland zu gründen, kam von Dr. Horst
Goß („Soziale Verantwortung ist geprägt durch das Zeil, der Gesellschaft etwas
von dem zurückzugeben, was man durch sie erreicht hat“). Ermutigt durch
erfolgreiche Vorbilder in den USA, ergriff er mit einer kleinen Gruppe von
Unternehmerfamilien die Initiative – mit operativer Unterstützung von Dr. Erwin
Stahl und der Kanzlei Pöllath+Partner folgte Ende 2002 die Umsetzung. Im
Februar 2003 entstand mit der BonVenture gemeinnützige GmbH (BVg GmbH) das
erste Fondsvehikel, im Mai des gleichen Jahres folgte die Gründung der
BonVenture Management GmbH (BVM GmbH) und im Oktober 2003 wurde der Fonds
BonVenture I GmbH & CO KG (BV I) ins Leben gerufen. Während anfangs nur ein
Gesamtfondsvolumen von 2,2 Mio. Euro zur Verfügung stand, kann seit Dezember
2005 auf insgesamt 5,5 Mio. Euro zurückgegriffen werden. Für nächstes Jahr ist
die Vergrößerung des Fondsvolumen in Richtung 10 Mio. Euro geplant, erste Zusagen
sind bereits vorhanden, neue Investoren gerne willkommen. „Dabei denken wir
nicht nur an unsere bestehenden Fonds,
sondern auch an Sidefonds und Managed Accounts für spezielle Themen und
Bereiche“, so Stahl. Auch das Team ist gewachsen. Seit Mitte 2006 unterstützen
Wolfgang Hafenmayer als Investment Manager und Seval Aktuerk im Sekretariat den
Geschäftsführer Erwin Stahl. Hafenmayer war bis 2004 als Consultant bei
Bain&Company in der Schweiz. 2005 befragte er für die Studie „MyImpact“ 250
Social Entrepreneurs in über 26 Ländern der Erde und war von der Thematik
begeistert.
Die
Fondsvehikel
„Unser Ziel ist es, die bewährte Strategie von Venture Capital-Programmen auch
im sozialen Bereich zu etablieren“, formuliert Erwin Stahl. Der
circa 5,1 Mio. Euro umfassende
BV I investiert vorwiegend in Unternehmen in Form von Kapitalgesellschaften;
darüber hinaus sind auch Engagements auf Darlehensbasis in Vereine,
gemeinnützige Körperschaften oder andere Organisationsformen für soziale und
ökologische Projekte möglich. Die BV gGmbH verwendet ihre Mittel (ca. 400.000
Euro) ausschließlich für ihre satzungsmäßigen gemeinnützigen Zwecke in Form von
Zuwendungen oder Darlehen an gemeinnützige, steuerbegünstigte Körperschaften.
Außerdem kann die BV gGmbH auch selbst tätig werden, z.B. durch Vergabe von
konkreten Forschungsaufträgen, Auslobung von Förderpreisen oder durch
Veranstalten von Seminaren, Workshops und Wettbewerben.
Investitionskriterien
Hauptkriterien für ein Investment des BV I sind das Vorhandensein motivierter
und engagierter Gründer, die eine Innovation mit überzeugendem Geschäftsmodell
umsetzen wollen. Das Projekt muss mit einem unmittelbarem sozialen oder
ökologisch wertvollen Geschäftszweck einhergehen und die Chance besitzen, sich
langfristig selbst tragen zu können. Eine durchdachte Finanzplanung, ein
finanzielles Reporting, die Darstellbarkeit des Social Impact, eine finanzielle
Renditeerwartung von mindestens 6-10% p.a. sowie die Multiplizierbarkeit des
Geschäftsmodells stellen weitere Kriterien dar. „Wir zielen nicht auf den kleinen gemeinnützigen Verein ab, der
professionelle Ansatz ist uns schon sehr wichtig“, macht Stahl auf ein
Knockout-Kriterium aufmerksam.
Regionen und Phasen
BonVenture investiert ausschliesslich in Projekte im deutschsprachigen Raum,
sowohl als Lead- als auch als Co-Investor. Dabei sind Investitionen in der
Gründungs-, in der Aufbau- und auch in der Expansionsphase möglich. Die
Beteiligung kann in Form von Eigenkapital, Mezzanine oder besicherten und
unbesicherten Darlehen erfolgen. Je nach Entwicklungsphase soll die
Kapitalbindung zwischen 3 (bei Expansionsfinanzierungen) und 8 Jahren (bei
Gründungsfinanzierungen) liegen. Investiert werden Beträge von 100.000 bis
500.000 Euro je Beteiligung, bevorzugt zusammen mit Co-Investoren wie weiteren
Beteiligungsfonds, Privatinvestoren, Stiftungen oder Spendern – stets gekoppelt
an konkrete Milestone-Vereinbarungen und ein zuverlässiges Reporting. „Ich sehe
keinen großen Unterschied zum Job des normalen VCs. Auch bei uns dreht sich
alles um LOIs und um Due Diligence, nur haben wir keinen Carry“, erklärt Stahl.
Das Portfolio
Aktuell hält der BV I Beteiligungen an drei Unternehmen. Das erste Unternehmen
im Portfolio war der Deutsche Vermittlungscoach Verband, der durch ein
intensives Coaching Langzeitarbeitslose auf dem Weg zurück ins Berufsleben
begleitet. Mit Erfolg – Ende 2005 arbeiteten bereits 20 private Bildungsträger
mit der Vermittlungscoach-Methode von Unternehmensgründer Thomas Heinle.
Auch an Job TV 24, einem Fernsehsender, der sich rund um die Uhr dem Thema Job,
Karriere und Gründerberatung widmet, ist BonVenture beteiligt – neben Aurelia
Private Equity und mehreren Business Angels. Neuestes Unternehmen im Portfolio
ist die DialogMuseum GmbH. Es schafft eine Plattform zur vorurteilsfreien
Begegnung, eröffnet behinderten und benachteiligten Menschen neue Optionen.
Sehende erleben im Museum völlige Dunkelheit – geführt von blinden
Mitarbeitern.
Exitstrategie
Bislang konnten Stahl und Kollegen noch keinen Exit vollziehen, doch ein erster
Ausstieg aus einer Beteiligung ist in Sicht. Neben den üblichen Exitstrategien
für profitorientierte Projekte existieren für non-profit-Projekte noch weitere
Wege der Desinvestition:
-
das Finden neuer Investoren oder dauerhafter Spender als Ersatz für
bisherige Geldgeber,
-
die Umsetzung von Strategien, um zusätzliche Umsätze und Erträge zu
bilden und damit langfristig unabhängig zu sein,
-
die Sicherung von der Finanzierung durch Fremdkapital, der
Zusammenschluss mit profitorientierten Unternehmen oder anderen Projekten,
-
der Transfer des Projekts in ein anderes Projekt
Ohnehin ist die
Gewinnerzielung nicht oberste Priorität bei BonVenture. Die Investoren in die
BonVenture-Fonds streben keinen persönlichen Gewinn an. Oberstes Ziel ist die
Kapitalerhaltung. Erzielte Gewinne verbleiben in den Fonds oder werden
gespendet. „Es will keiner was verdienen, aber es will auch keiner was
draufzahlen“, sagt Stahl, der sich in seinem Tun bei BonVenture bestätigt
sieht. Auch die anfängliche Frage, ob es genügend Projekte gibt, die den
definierten Zielen und Kriterien entsprechen, hat er längst positiv
beantwortet. Bis 2005 wurden 571 Projektangebote an BonVenture herangetragen,
Tendenz steigend. „Wir bräuchten 10 Bonventures in Deutschland – es gibt zu
viele Probleme hierzulande“.
Steckbrief BonVenture Management
Standort: München
Gründung: 2003
Anzahl der Investment Professionals: 2
Verwaltetes Kapital: 5,5 Mio. Euro
Investmentvoraussetzungen: Social Impact / ökologische Technologien
Website: www.bonventure.de
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