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BonVenture Management GmbH (Ausgabe 1/2007) - Erster sozial orientierter VC-Fonds in Deutschland

Schlägt man das Directory der European Venture Philanthropy (EVPA) auf, so findet man darin einige Akteure aus Großbritannien, Italien oder Frankreich – aber nur eine deutsche Adresse: die BonVenture Management GmbH aus München. Eine Marktlücke will Geschäftsführer Dr. Erwin Stahl für sein Unternehmen jedoch nicht beanspruchen. Ganz im Gegenteil. Der ehemalige Wellington-Manager und Managing Partner von Upside-Ventures wünscht sich Nachahmer, um im Bereich der Finanzierung sozialer Projekte zukünftig Syndizierungspartner zu haben.

Die Anfänge
Die Idee, einen sozial orientierten Venture Capital-Fonds in Deutschland zu gründen, kam von Dr. Horst Goß („Soziale Verantwortung ist geprägt durch das Zeil, der Gesellschaft etwas von dem zurückzugeben, was man durch sie erreicht hat“). Ermutigt durch erfolgreiche Vorbilder in den USA, ergriff er mit einer kleinen Gruppe von Unternehmerfamilien die Initiative – mit operativer Unterstützung von Dr. Erwin Stahl und der Kanzlei Pöllath+Partner folgte Ende 2002 die Umsetzung. Im Februar 2003 entstand mit der BonVenture gemeinnützige GmbH (BVg GmbH) das erste Fondsvehikel, im Mai des gleichen Jahres folgte die Gründung der BonVenture Management GmbH (BVM GmbH) und im Oktober 2003 wurde der Fonds BonVenture I GmbH & CO KG (BV I) ins Leben gerufen. Während anfangs nur ein Gesamtfondsvolumen von 2,2 Mio. Euro zur Verfügung stand, kann seit Dezember 2005 auf insgesamt 5,5 Mio. Euro zurückgegriffen werden. Für nächstes Jahr ist die Vergrößerung des Fondsvolumen in Richtung 10 Mio. Euro geplant, erste Zusagen sind bereits vorhanden, neue Investoren gerne willkommen. „Dabei denken wir nicht nur an unsere bestehenden Fonds,  sondern auch an Sidefonds und Managed Accounts für spezielle Themen und Bereiche“, so Stahl. Auch das Team ist gewachsen. Seit Mitte 2006 unterstützen Wolfgang Hafenmayer als Investment Manager und Seval Aktuerk im Sekretariat den Geschäftsführer Erwin Stahl. Hafenmayer war bis 2004 als Consultant bei Bain&Company in der Schweiz. 2005 befragte er für die Studie „MyImpact“ 250 Social Entrepreneurs in über 26 Ländern der Erde und war von der Thematik begeistert.

Die Fondsvehikel
„Unser Ziel ist es, die bewährte Strategie von Venture Capital-Programmen auch im sozialen Bereich zu etablieren“, formuliert Erwin Stahl.
Der circa 5,1 Mio. Euro umfassende BV I investiert vorwiegend in Unternehmen in Form von Kapitalgesellschaften; darüber hinaus sind auch Engagements auf Darlehensbasis in Vereine, gemeinnützige Körperschaften oder andere Organisationsformen für soziale und ökologische Projekte möglich. Die BV gGmbH verwendet ihre Mittel (ca. 400.000 Euro) ausschließlich für ihre satzungsmäßigen gemeinnützigen Zwecke in Form von Zuwendungen oder Darlehen an gemeinnützige, steuerbegünstigte Körperschaften. Außerdem kann die BV gGmbH auch selbst tätig werden, z.B. durch Vergabe von konkreten Forschungsaufträgen, Auslobung von Förderpreisen oder durch Veranstalten von Seminaren, Workshops und Wettbewerben.

Investitionskriterien
Hauptkriterien für ein Investment des BV I sind das Vorhandensein motivierter und engagierter Gründer, die eine Innovation mit überzeugendem Geschäftsmodell umsetzen wollen. Das Projekt muss mit einem unmittelbarem sozialen oder ökologisch wertvollen Geschäftszweck einhergehen und die Chance besitzen, sich langfristig selbst tragen zu können. Eine durchdachte Finanzplanung, ein finanzielles Reporting, die Darstellbarkeit des Social Impact, eine finanzielle Renditeerwartung von mindestens 6-10% p.a. sowie die Multiplizierbarkeit des Geschäftsmodells stellen weitere Kriterien dar. „Wir zielen nicht auf den kleinen gemeinnützigen Verein ab, der professionelle Ansatz ist uns schon sehr wichtig“, macht Stahl auf ein Knockout-Kriterium aufmerksam.


Regionen und Phasen
BonVenture investiert ausschliesslich in Projekte im deutschsprachigen Raum, sowohl als Lead- als auch als Co-Investor. Dabei sind Investitionen in der Gründungs-, in der Aufbau- und auch in der Expansionsphase möglich. Die Beteiligung kann in Form von Eigenkapital, Mezzanine oder besicherten und unbesicherten Darlehen erfolgen. Je nach Entwicklungsphase soll die Kapitalbindung zwischen 3 (bei Expansionsfinanzierungen) und 8 Jahren (bei Gründungsfinanzierungen) liegen. Investiert werden Beträge von 100.000 bis 500.000 Euro je Beteiligung, bevorzugt zusammen mit Co-Investoren wie weiteren Beteiligungsfonds, Privatinvestoren, Stiftungen oder Spendern – stets gekoppelt an konkrete Milestone-Vereinbarungen und ein zuverlässiges Reporting. „Ich sehe keinen großen Unterschied zum Job des normalen VCs. Auch bei uns dreht sich alles um LOIs und um Due Diligence, nur haben wir keinen Carry“, erklärt Stahl.

Das Portfolio
Aktuell hält der BV I Beteiligungen an drei Unternehmen. Das erste Unternehmen im Portfolio war der Deutsche Vermittlungscoach Verband, der durch ein intensives Coaching Langzeitarbeitslose auf dem Weg zurück ins Berufsleben begleitet. Mit Erfolg – Ende 2005 arbeiteten bereits 20 private Bildungsträger mit der Vermittlungscoach-Methode von Unternehmensgründer Thomas Heinle.

Auch an Job TV 24, einem Fernsehsender, der sich rund um die Uhr dem Thema Job, Karriere und Gründerberatung widmet, ist BonVenture beteiligt – neben Aurelia Private Equity und mehreren Business Angels. Neuestes Unternehmen im Portfolio ist die DialogMuseum GmbH. Es schafft eine Plattform zur vorurteilsfreien Begegnung, eröffnet behinderten und benachteiligten Menschen neue Optionen. Sehende erleben im Museum völlige Dunkelheit – geführt von blinden Mitarbeitern.

Exitstrategie
Bislang konnten Stahl und Kollegen noch keinen Exit vollziehen, doch ein erster Ausstieg aus einer Beteiligung ist in Sicht. Neben den üblichen Exitstrategien für profitorientierte Projekte existieren für non-profit-Projekte noch weitere Wege der Desinvestition:
-
          das Finden neuer Investoren oder dauerhafter Spender als Ersatz für bisherige Geldgeber,
-
          die Umsetzung von Strategien, um zusätzliche Umsätze und Erträge zu bilden und damit langfristig unabhängig zu sein,
-
          die Sicherung von der Finanzierung durch Fremdkapital, der Zusammenschluss mit profitorientierten Unternehmen oder anderen Projekten,
-
          der Transfer des Projekts in ein anderes Projekt

Ohnehin ist die Gewinnerzielung nicht oberste Priorität bei BonVenture. Die Investoren in die BonVenture-Fonds streben keinen persönlichen Gewinn an. Oberstes Ziel ist die Kapitalerhaltung. Erzielte Gewinne verbleiben in den Fonds oder werden gespendet. „Es will keiner was verdienen, aber es will auch keiner was draufzahlen“, sagt Stahl, der sich in seinem Tun bei BonVenture bestätigt sieht. Auch die anfängliche Frage, ob es genügend Projekte gibt, die den definierten Zielen und Kriterien entsprechen, hat er längst positiv beantwortet. Bis 2005 wurden 571 Projektangebote an BonVenture herangetragen, Tendenz steigend. „Wir bräuchten 10 Bonventures in Deutschland – es gibt zu viele Probleme hierzulande“.

Steckbrief BonVenture Management
Standort: München
Gründung: 2003
Anzahl der Investment Professionals: 2
Verwaltetes Kapital: 5,5 Mio. Euro
Investmentvoraussetzungen: Social Impact / ökologische Technologien
Website:
www.bonventure.de

mathias.renz(at)vc-magazin.de

 

 


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