Ausschreibung gewonnen
Die Fraunhofer-Gesellschaft sucht einen Venture
Capital-Partner. Dr. Walter Grassl, Dr. Sönke Mehrgardt, Dr. Rolf Nagel und
Michael Sailer als CFO bewerben sich. Die vier Experten, die sich über
unterschiedliche Funktionen u. a. bei Siemens und der israelischen Star
Ventures kennen, brillieren gegen zahlreiche Wettbewerber und gewinnen die
Ausschreibung. Zunächst wird eine unverbindliche Absichtserklärung zum Aufbau
eines neuen Finanzinvestors geschlossen, Mitte 2005 segnet der Fraunhofer-Senat
das Vorhaben ab. Dann geht es ganz schnell: Innerhalb von sechs Monaten legt
Munich Venture Partners seinen ersten Fonds mit einem Volumen von 57,4 Mio.
Euro auf.
Komplementär aufgestellt und gut vernetzt
„Wir hatten eine sehr spannende Zeit in den letzten zehn
Quartalen“, blickt Dr. Rolf Nagel zurück. Nagel, der zuvor als Partner und
Investmentmanager bei Star Ventures Portfoliounternehmen betreute, schätzt die
interdisziplinären Qualifikationen in seinem Team. Walter Grassl steuert einen
Ph. D. in Informatik und einen Master in Management of Technology von der MIT
Sloan School of Management bei, Sönke Mehrgardt promovierte in Physik an der
Universität Göttingen. Beide verfügen über jahrzehntelange operative Erfahrung
bis hin zum Spitzenmanagement bei Infineon und im Siemenskonzern. Nagel schrieb
seine Dissertation an der Universität Köln im Fachgebiet
Wirtschaftswissenschaften und bringt mehr als zehn Jahre Erfahrung aus dem
internationalen Venture Capital-Geschäft in die Gesellschaft ein. „Wir verfügen
über sehr starke Beziehungen zu international führenden Wagniskapitalgebern,
mit denen wir Syndizierungen durchziehen können“, erläutert Nagel – und
ergänzt: „Hinzu kommt unser Industrie- und Finanznetzwerk, wodurch wir unsere
Start-ups bei Entscheidungsträgern großer Kunden einführen können.“
Starker Partner im Nacken
Auch die Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen
Fraunhofer-Gesellschaft gestaltet sich als fruchtbar. Drei der bisher acht
Investments von Munich Venture Partners sind Spin-offs des
Kooperationspartners. Mit rund 13.000 Mitarbeitern an 40 Standorten und einem
jährlichen Forschungsvolumen von 1,3 Mrd. Euro ist Fraunhofer die größte
Organisation für angewandte Forschung in Europa – und Limited Partner im Fonds
der Münchner. Über den Dealflow aus der Fraunhofer-Gesellschaft werden die
Frühphaseninvestoren regelmäßig informiert. Aus diesem Umfeld erhalten sie
jährlich mehrere Dutzend Businesspläne.
Insgesamt erreicht Munich Venture Partners pro Jahr eine
„große dreistellige Zahl“ an Geschäftsideen. Erste Umsätze müssen nicht
vorgewiesen werden – nicht einmal ein vollständiger Businessplan wird erwartet.
„Wir lassen uns von einem Team und der Idee beeindrucken“, erklärt Nagel den
Entscheidungsprozess. Mit dem klaren Bekenntnis, bereits beim Gründungsprozess
einzusteigen, hebt sich Munich Venture Partners von der Vielzahl der
Beteiligungsgesellschaften ab, die sich auf Expansionsfinanzierungen in
späteren Unternehmensphasen konzentrieren. Der Anspruch an die Gründer ist
dafür umso höher. Nagel: „Es müssen ganz ausgezeichnete Leute sein, die sich
auch am Weltmarkt durchsetzen können.“
Fraunhofer: Angebot, aber keine Verpflichtung
Trotz der engen Vernetzung mit der Fraunhofer-Gesellschaft
ist die Partnerschaft nicht exklusiv. Jeder Gründer, dessen Geschäftsidee
überzeugt, kann von Munich Venture Partners grundsätzlich finanziert werden.
Doch selbst wer nicht aus dem Fraunhofer-Umfeld kommt, findet dort regelmäßig
Anschluss. „Das sieht beispielsweise so aus, dass eine Firma Fraunhofer einen
Auftrag gibt und auf dieser Basis ein Joint Venture gegründet wird“, zeigt
Nagel auf. Zum Kompetenzgerangel mit der institutszugehörigen
Fraunhofer-Venture-Gruppe kommt es dabei nicht, weil diese als Teil der
gemeinnützigen Gesellschaft nur sehr begrenzt selbst investieren kann.
Insgesamt befanden sich zum Jahreswechsel acht Unternehmen
im Portfolio, darunter der Softwareentwickler Vis-à-pix mit Sitz in Leipzig
oder Proximetry, ein Anbieter drahtloser Lösungen für das Performancemanagement
mit Hauptsitz in San Diego. Auch den ersten Exit hat es bereits gegeben: Im
Juni 2006 ging der Entwickler von Computerspielen 10tacle Studios an die Börse.
Weitere Unternehmensverkäufe sind in den nächsten zwei Jahren geplant.
Angelsächsisch geprägtes Portfolio
Eine besonders enge Verzahnung pflegen die Münchner mit
Risikokapitalgebern jenseits des Atlantiks. Auch die finanzierten Unternehmen
werden frühzeitig auf die Erschließung der USA getrimmt. Was manchem Gründer
anfangs den Schweiß auf die Stirn treibt, ist für Nagel eine
Selbstverständlichkeit: „Wir haben immer den Weltmarkt im Auge – und die USA
sind nun mal die größte homogene Volkswirtschaft der Welt.“ Die umfangreichen
transatlantischen Erfahrungen der Venture-Partner helfen bei der Eroberung
Amerikas. Der Ritterschlag für ein deutsches Start-up ist der Einstieg einer
erstklassigen Venture Capital-Gesellschaft aus dem Silicon Valley. Schon
mehrere solcher Syndizierungen konnte Munich Venture Partners auf die Beine
stellen. Zuletzt beteiligte sich ein amerikanischer VC-Investor an der
Finanzierungsrunde eines Spin-offs der TU München.
Eine der großen Stärken der USA sieht Nagel darin, dass sich
das Land immer wieder neu erfindet. Venture Capital sei dort einfach ein
gängiges Instrumentarium. Zwar ist die Forschungsinfrastruktur in Deutschland
aus seiner Sicht exzellent, sie müsse aber besser kommerzialisiert werden. Auch
die Anreizstrukturen für Unternehmer seien hierzulande verbesserungswürdig: „Wenn
Unternehmer einen großen Kuchen backen, ist es wichtig, dass dieser beim
Verteilen nicht zerbröselt.“ Manche Unternehmertypen kommen aber gar nicht erst
ins Land. Nagel: „Warum geht denn ein Inder ins Silicon Valley und nicht zu uns
nach München? Weil er in Deutschland nur eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt,
wenn er 84.000 Euro als Jahreseinkommen angibt. Das sind sehr unschöne
bürokratische Auflagen, die das Unternehmertum ersticken.“
andreas.uhde [at] vc-magazin.de
Steckbrief
MVP Munich Venture Partners Managementgesellschaft GmbH
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Standort: München
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Gründungsjahr: 2005
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Gesellschafter: Dr. Walter Grassl, Dr. Sönke Mehrgardt, Dr.
Rolf Nagel, Michael Sailer
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Anzahl der aktuellen Beteiligungen: 8 (31.12.07)
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Derzeit verwaltetes Kapital: 57,4 Mio. Euro
Investitionsschwerpunkte
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Phase: Early Stage
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Branchen: Informations- und Kommunikationstechnologie,
Halbleiter, Energie, neue Materialien
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Region: Europa/USA