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Investor im Portrait Artikelübersicht   
mic AG (Ausgabe 4/10) - Geld in homöopathischen Dosen

Die deutsche Gründerlandschaft um die Jahrtausendwende verdankt dem Neuen Markt viel: Ohne dieses Segment hätten Zukunftsbranchen wie Biotechnologie oder Life Science kaum die Basis für ihren heutigen Erfolg legen können. In Gestalt der mic AG finanziert der Neue Markt aber auch heutige Jungunternehmer noch – denn dank des erfolgreichsten IPO im Jahr 1999 mit der Adva Optical AG konnte der Entrepreneur Claus Müller eine zweite Karriere als Investor begründen.

Mitten in Schwabing

Der Winter hat die Stadt Anfang März noch fest im Griff und der Wind weht kalt. Trotzdem tobt in Schwabing, dem Viertel rund um die renommierte Ludwig-Maximilians-Universität, das bunte Leben. Viele junge Menschen, meist Studenten, aber auch ältere Semester, schlendern wahlweise entspannt die Münchner Türkenstraße entlang oder steuern unbeirrt ihr Ziel an. Gemütliche Cafés, kleine Läden von der Secondhand-Buchhandlung bis zum Modegeschäft, Wohnhäuser, Szenekneipen und Restaurants wechseln sich hier ab. Zwischendurch weisen Fahnen, Wappen oder Zirkel auch auf das eine oder andere Haus einer Studentenverbindung hin. Vergleichsweise unauffällig logiert in diesem Umfeld ein begehrter Vertreter der deutschen Beteiligungsbranche: Nur ein kleines Klingelschild deutet auf die mic AG hin, einen Seed- und Early Stage-Investor, der trotz allgemeiner Mittelknappheit investieren will.


Fokus auf Hightech

Ihren Ursprung hat die mic AG je nach Sichtweise in Frankfurt oder vor den Türen Münchens. „Unser CEO Claus-Georg Müller hat mit der Adva AG aus Martinsried 1999 das erfolgreichsten IPO des Jahres auf dem Neuen Markt hingelegt“, stellt Finanzvorstand Manuel Reitmeier den Zusammenhang her. Auf das Altenteil wollte sich der diplomierte Elektrotechniker Müller damals allerdings noch nicht zurückziehen, und an einer erneuten Unternehmung hatte er wenig Interesse. Also gründete er 2001 mit seinen Erlösen aus dem Börsengang die mic GmbH, den Vorläufer der heutigen mic AG. Im gleichen Jahr stieg auch Reitmeier ein, der zuvor sieben Jahre lang bei der Deutschen Bank die Finessen des Finanzierungsgeschäfts kennenlernte. „Er hat sehr viel Ahnung von Technik, ich von Geld. So ergänzen wir uns ideal und können Geschäftsideen ganzheitlich beurteilen“, meint Reitmeier. Wichtig ist dabei, dass diese Ideen aus den Branchen Life Science, Software, Mikrosystemtechnik, Sensorik und Cleantech stammen. Im Fokus stehen junge Unternehmen in der Gründungs-, Seed- und Early Stage-Phase.


Verzicht auf Fundraising

Das Kapital, welches zur Verfügung gestellt wird, erreicht am oberen Ende mit bis zu 2 Mio. EUR branchentypische Werte. Am unteren Ende der Skala stellen die Münchner aber auch schon einmal 50.000 EUR zur Verfügung. „Wir decken damit die Spanne zwischen Business Angels und Private Equity ab. Das macht hierzulande kaum jemand“, sagt Reitmeier. Mittel seien derzeit ausreichend vorhanden. Im Jahr 2006 erfolgte erst die Umwandlung der GmbH in eine AG und dann im Oktober die Notierung im Entry Standard, was den Kapitalstock deutlich erhöhte. „Wir wollten außerdem unsere Visibilität erhöhen“, nennt Reitmeier einen weiteren Aspekt. Dazu erfolgte 2008 eine Kapitalerhöhung, deren Mittel bis heute ausgereicht haben. Somit kann mic aus einem weiteren Grund auf Fundraising im derzeit widrigen Umfeld verzichten, denn auch Exit-Erlöse werden reinvestiert statt ausgeschüttet. Zwei Beteiligungen wurden 2007 vollständig verkauft, im vergangenen Jahr wurde bei fünf Portfolio-Unternehmen ein Teil-Exit vollzogen.


Erste Tranche nach vier bis sechs Wochen

Aktuell würden „mindestens vier Businesspläne pro Woche“ eingehen, berichtet Reitmeier. Grundsätzlich sei eine erste Empfehlung aus dem eigenen Netzwerk vorteilhaft, aber auch einer Anfrage per E-Mail oder einem Cold Call steht er positiv gegenüber. Lediglich Anfragen von Beratern rufen bei ihm ein Stirnrunzeln hervor, denn die Kapitaldecke eines Start-ups sei meist nicht auf solche Kosten ausgelegt. Auf eine Sache legt er Wert: „Ein Fact Sheet oder eine Kurzpräsentation reicht für den ersten Kontakt völlig aus, denn in der frühen Phase haben detaillierte Businesspläne mit der Realität meist wenig zu tun.“ Finden die Köpfe hinter mic eine Idee spannend, vereinbaren sie schnell einen Gesprächstermin. Gibt es schon eine kleine Firma, kommt es zum Vor-Ort-Besuch, ansonsten spricht man „einfach so“ mit den Gründern über das Konzept. „Es kommt darauf an, die Leute zu verstehen und die Technik hinter der Idee“, erläutert Reitmeier. Sind er und sein CEO weiterhin überzeugt, analysieren sie den Bedarf des Unternehmens an Kapital und Beratung und erstellen ein Gesamtpaket. „Im Best Case fließt dann innerhalb von vier bis sechs Wochen nach Erstkontakt die erste Tranche“, sagt Reitmeier mit sichtlichem Stolz. Werden Co-Investoren eingebunden, verlängere sich die Entscheidung um deren Abstimmungsprozess.


Was gibt es?

Das Kapital wird, abhängig von erreichten Meilensteinen, in Tranchen ausgezahlt. „Wir geben das Geld in homöopathischen Dosen, denn Techniker kaufen gerne den Ferrari unter den Werkzeugen“, erklärt er mit einem Augenzwinkern. Ein weiterer Grund sei allerdings auch erlerntes Verhalten, welches vor allem Gründer aus dem Hochschulumfeld zeigen: Budgets müssen dort ausgegeben werden, sonst fließt im nächsten Jahr weniger. Darüber hinaus können Gründer auch ein Dienstleistungspaket in Anspruch nehmen. Dazu gehören u.a. Marketing, Buchhaltung, ein Sales Manager im Silicon Valley und die Kontakte aus dem Netzwerk der mic-Manager. Außerdem haben die Münchner noch einen Inkubator in der thüringischen Kleinstadt Meiningen in der Hinterhand. „Die allgemeinen Kosten sind hier deutlich günstiger, außerdem kommt aus der Hochschule bestens qualifiziertes Personal“, weist Reitmeier auf zwei Vorteile hin.


Kein Verkaufsdruck

Auch wenn Reitmeier und Müller sich in wesentlichen Punkten ideal ergänzen, teilten sie doch auch unterschiedliche Ansichten. So sehe Claus-Georg Müller das IPO, das er 1999 als Unternehmer selbst bereits erfolgreich durchexerziert hat, als Königsweg an, meint Reitmeier. Er selbst habe keine Präferenz. Einen Verkaufsdruck gibt es nicht, denn die mic AG ist quasi als Evergreen-Fonds aufgestellt und verzichtet auf limitierende Haltefristen. „Wir streben etwa fünf Jahre als Beteiligungsdauer an, allerdings sind auch sieben Jahre möglich“, erläutert Reitmeier. Mit der Fibotec GmbH aus Meiningen befindet sich aber noch das allererste Investment aus dem Jahre 2001 im Portfolio. „Wir können hier zahlreiche Synergieeffekte mit den jüngeren Beteiligungen erzielen“, begründet Reitmeier die Haltedauer.


Ausblick:

Für die kommenden Monate schaut Reitmeier positiv in die Zukunft. Grundsätzlich stehen der Gesellschaft noch ausreichend Mittel aus der letzten Kapitalerhöhung zur Verfügung. Dazu sollen der mic AG im Laufe des Jahres aus zwei Quellen neue Mittel zufließen. Zwei Verkäufe von Portfoliounternehmen sind geplant, was zu großen Einmaleinnahmen führen würde. Für einen kontinuierlichen Strom kleinerer Summen sollen die Managementgebühren eines neuen Geschäftsfelds sorgen. Exklusiv für Family Offices legen Reitmeier und Müller einen kleinen Fonds auf, der in junge Technologiefirmen investiert. Für hiesige Start-ups sind das gute Nachrichten, denn Seed- bzw. Early Stage-Investoren, die auch über Kapital verfügen, sind selten geworden.



torsten.passmann[ at ]vc-magazin.de

Kurzprofil mic AG
Typ: Venture Capital-Gesellschaft
Hauptsitz: München
Gründung: 2001
Verwaltetes Volumen: keine Angabe
Investment-Professionals: 6
www.mic-ag.eu
                       


Portfolio (Auswahl)
3-Edge: Innovative Test-, Mess- und Inspektionssysteme
µ-GPS: 3D-Vermessungen mit höchster Genauigkeit
Fisec: Online-Überwachung von Glasfaserleitungen
neuroConn: Verstärkung von Biosignalen
Proton Motor: PEM-Brennstoffzellen-Technologie


Investitionsschwerpunkte

Phase: Gründung, Seed, Early Stage
Branchenschwerpunkte: Cleantech, Life Science, Software, Mikrosystemtechnik, Sensorik
Region: Deutschland


 


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