Mitten
in Schwabing
Der Winter hat die Stadt Anfang März noch fest im Griff und der Wind weht kalt.
Trotzdem tobt in Schwabing, dem Viertel rund um die renommierte
Ludwig-Maximilians-Universität, das bunte Leben. Viele junge Menschen, meist
Studenten, aber auch ältere Semester, schlendern wahlweise entspannt die
Münchner Türkenstraße entlang oder steuern unbeirrt ihr Ziel an. Gemütliche
Cafés, kleine Läden von der Secondhand-Buchhandlung bis zum Modegeschäft,
Wohnhäuser, Szenekneipen und Restaurants wechseln sich hier ab. Zwischendurch
weisen Fahnen, Wappen oder Zirkel auch auf das eine oder andere Haus einer
Studentenverbindung hin. Vergleichsweise unauffällig logiert in diesem Umfeld
ein begehrter Vertreter der deutschen Beteiligungsbranche: Nur ein kleines
Klingelschild deutet auf die mic AG hin, einen Seed- und Early Stage-Investor,
der trotz allgemeiner Mittelknappheit investieren will.
Fokus auf Hightech
Ihren Ursprung hat die mic AG je nach Sichtweise in Frankfurt oder vor den
Türen Münchens. „Unser CEO Claus-Georg Müller hat mit der Adva AG aus
Martinsried 1999 das erfolgreichsten IPO des Jahres auf dem Neuen Markt
hingelegt“, stellt Finanzvorstand Manuel Reitmeier den Zusammenhang her. Auf
das Altenteil wollte sich der diplomierte Elektrotechniker Müller damals
allerdings noch nicht zurückziehen, und an einer erneuten Unternehmung hatte er
wenig Interesse. Also gründete er 2001 mit seinen Erlösen aus dem Börsengang
die mic GmbH, den Vorläufer der heutigen mic AG. Im gleichen Jahr stieg auch
Reitmeier ein, der zuvor sieben Jahre lang bei der Deutschen Bank die Finessen
des Finanzierungsgeschäfts kennenlernte. „Er hat sehr viel Ahnung von Technik,
ich von Geld. So ergänzen wir uns ideal und können Geschäftsideen ganzheitlich
beurteilen“, meint Reitmeier. Wichtig ist dabei, dass diese Ideen aus den
Branchen Life Science, Software, Mikrosystemtechnik, Sensorik und Cleantech
stammen. Im Fokus stehen junge Unternehmen in der Gründungs-, Seed- und Early
Stage-Phase.
Verzicht auf Fundraising
Das Kapital, welches zur Verfügung gestellt wird, erreicht am oberen Ende
mit bis zu 2 Mio. EUR branchentypische Werte. Am unteren Ende der Skala stellen
die Münchner aber auch schon einmal 50.000 EUR zur Verfügung. „Wir decken damit
die Spanne zwischen Business Angels und Private Equity ab. Das macht
hierzulande kaum jemand“, sagt Reitmeier. Mittel seien derzeit ausreichend
vorhanden. Im Jahr 2006 erfolgte erst die Umwandlung der GmbH in eine AG und
dann im Oktober die Notierung im Entry Standard, was den Kapitalstock deutlich
erhöhte. „Wir wollten außerdem unsere Visibilität erhöhen“, nennt Reitmeier
einen weiteren Aspekt. Dazu erfolgte 2008 eine Kapitalerhöhung, deren Mittel
bis heute ausgereicht haben. Somit kann mic aus einem weiteren Grund auf
Fundraising im derzeit widrigen Umfeld verzichten, denn auch Exit-Erlöse werden
reinvestiert statt ausgeschüttet. Zwei Beteiligungen wurden 2007 vollständig
verkauft, im vergangenen Jahr wurde bei fünf Portfolio-Unternehmen ein
Teil-Exit vollzogen.
Erste Tranche nach vier bis sechs Wochen
Aktuell würden „mindestens vier Businesspläne pro Woche“ eingehen,
berichtet Reitmeier. Grundsätzlich sei eine erste Empfehlung aus dem eigenen
Netzwerk vorteilhaft, aber auch einer Anfrage per E-Mail oder einem Cold Call
steht er positiv gegenüber. Lediglich Anfragen von Beratern rufen bei ihm ein
Stirnrunzeln hervor, denn die Kapitaldecke eines Start-ups sei meist nicht auf
solche Kosten ausgelegt. Auf eine Sache legt er Wert: „Ein Fact Sheet oder eine
Kurzpräsentation reicht für den ersten Kontakt völlig aus, denn in der frühen
Phase haben detaillierte Businesspläne mit der Realität meist wenig zu tun.“
Finden die Köpfe hinter mic eine Idee spannend, vereinbaren sie schnell einen
Gesprächstermin. Gibt es schon eine kleine Firma, kommt es zum Vor-Ort-Besuch,
ansonsten spricht man „einfach so“ mit den Gründern über das Konzept. „Es kommt
darauf an, die Leute zu verstehen und die Technik hinter der Idee“, erläutert
Reitmeier. Sind er und sein CEO weiterhin überzeugt, analysieren sie den Bedarf
des Unternehmens an Kapital und Beratung und erstellen ein Gesamtpaket. „Im
Best Case fließt dann innerhalb von vier bis sechs Wochen nach Erstkontakt die
erste Tranche“, sagt Reitmeier mit sichtlichem Stolz. Werden Co-Investoren
eingebunden, verlängere sich die Entscheidung um deren Abstimmungsprozess.
Was gibt es?
Das Kapital wird, abhängig von erreichten Meilensteinen, in Tranchen
ausgezahlt. „Wir geben das Geld in homöopathischen Dosen, denn Techniker kaufen
gerne den Ferrari unter den Werkzeugen“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.
Ein weiterer Grund sei allerdings auch erlerntes Verhalten, welches vor allem
Gründer aus dem Hochschulumfeld zeigen: Budgets müssen dort ausgegeben werden,
sonst fließt im nächsten Jahr weniger. Darüber hinaus können Gründer auch ein
Dienstleistungspaket in Anspruch nehmen. Dazu gehören u.a. Marketing,
Buchhaltung, ein Sales Manager im Silicon Valley und die Kontakte aus dem
Netzwerk der mic-Manager. Außerdem haben die Münchner noch einen Inkubator in
der thüringischen Kleinstadt Meiningen in der Hinterhand. „Die allgemeinen
Kosten sind hier deutlich günstiger, außerdem kommt aus der Hochschule bestens
qualifiziertes Personal“, weist Reitmeier auf zwei Vorteile hin.
Kein Verkaufsdruck
Auch wenn Reitmeier und Müller sich in wesentlichen Punkten ideal ergänzen,
teilten sie doch auch unterschiedliche Ansichten. So sehe Claus-Georg Müller
das IPO, das er 1999 als Unternehmer selbst bereits erfolgreich durchexerziert
hat, als Königsweg an, meint Reitmeier. Er selbst habe keine Präferenz. Einen
Verkaufsdruck gibt es nicht, denn die mic AG ist quasi als Evergreen-Fonds
aufgestellt und verzichtet auf limitierende Haltefristen. „Wir streben etwa
fünf Jahre als Beteiligungsdauer an, allerdings sind auch sieben Jahre
möglich“, erläutert Reitmeier. Mit der Fibotec GmbH aus Meiningen befindet sich
aber noch das allererste Investment aus dem Jahre 2001 im Portfolio. „Wir
können hier zahlreiche Synergieeffekte mit den jüngeren Beteiligungen
erzielen“, begründet Reitmeier die Haltedauer.
Ausblick:
Für die kommenden Monate schaut Reitmeier positiv in die Zukunft. Grundsätzlich
stehen der Gesellschaft noch ausreichend Mittel aus der letzten Kapitalerhöhung
zur Verfügung. Dazu sollen der mic AG im Laufe des Jahres aus zwei Quellen neue
Mittel zufließen. Zwei Verkäufe von Portfoliounternehmen sind geplant, was zu
großen Einmaleinnahmen führen würde. Für einen kontinuierlichen Strom kleinerer
Summen sollen die Managementgebühren eines neuen Geschäftsfelds sorgen.
Exklusiv für Family Offices legen Reitmeier und Müller einen kleinen Fonds auf,
der in junge Technologiefirmen investiert. Für hiesige Start-ups sind das gute
Nachrichten, denn Seed- bzw. Early Stage-Investoren, die auch über Kapital
verfügen, sind selten geworden.
torsten.passmann[ at ]vc-magazin.de
Kurzprofil mic AG
Typ: Venture Capital-Gesellschaft
Hauptsitz: München
Gründung: 2001
Verwaltetes Volumen: keine Angabe
Investment-Professionals: 6
www.mic-ag.eu
Portfolio (Auswahl)
3-Edge: Innovative Test-, Mess- und Inspektionssysteme
µ-GPS: 3D-Vermessungen mit höchster Genauigkeit
Fisec: Online-Überwachung von Glasfaserleitungen
neuroConn: Verstärkung von Biosignalen
Proton Motor: PEM-Brennstoffzellen-Technologie
Investitionsschwerpunkte
Phase: Gründung, Seed, Early Stage
Branchenschwerpunkte: Cleantech, Life Science, Software, Mikrosystemtechnik,
Sensorik
Region: Deutschland