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Investor im Portrait Artikelübersicht   
Robert Bosch Venture Capital GmbH (Ausgabe 7-8/10) - Neben wirtschaftlichen Zielen auch strategisches Interesse

Um die Jahrtausendwende herum hat es für Konzerne fast schon zum guten Ton gehört, hauseigene Venture Capital-Gesellschaften zu unterhalten. Nach dem Platzen der Börsenblase wäre meist zwar ausreichend Kapital vorhanden gewesen, um in der nachfolgenden Dürreperiode attraktive Investments einzugehen, aber Konzernraison hat vielfach zu Schließungen geführt. Diesen Weg wird Robert Bosch Venture Capital voraussichtlich nicht beschreiten – der erste „Fonds“ des Unternehmens wurde 2008 bewusst auf zehn Jahre geplant.

„Innovationen müssen auch von außen kommen“

Zwei Dinge haben Bosch zu einem der erfolgreichsten deutschen Technologieunternehmen werden lassen: Nachhaltige Innovationskraft – und die Fähigkeit zur Selbstkritik. „Wir haben eine exzellente interne Forschung, wir können aber nicht alle Bedürfnisse des Marktes nach neuen Technologien und Services selbst abdecken“, gibt Dr. Claus Schmidt offen zu. Er ist seit Ende 1992 im Unternehmen und konnte seitdem einen breiten Erfahrungsschatz aufbauen. Zu seinen Stationen zählen der Bereich Zentrale Forschung sowie die Ausgründung einer Firma und die Automobil- und Halbleiterelektronik als Filetstücke. Damit kennt Schmidt die Stärken und Schwächen aus der Praxis. Dr. Markus Thill dagegen gehört erst seit Januar 2005 zu dem schwäbischen Traditionsunternehmen mit globaler Aufstellung, konnte in der Abteilung Corporate Strategy die Dinge aber aus der Vogelperspektive betrachten. „In den letzten Jahren war mehr und mehr wahrzunehmen, dass stetig wachsende Innovationen aus dem VC-Sektor für Bosch von Bedeutung sind“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Gemeinsam haben die beiden daher von Ende 2007 an die Robert Bosch Venture Capital GmbH (RBVC) als Managing Directors aufgebaut, um diese Lücke zu füllen. Die junge Einheit eröffnet dem Mutterkonzern den vielfältigen Zugang zu Innovationen – entweder zu neuen Geschäftsfeldern oder disruptiven Technologien. Allerdings verfolgt der Corporate Venture Capital-Arm auch wirtschaftliche Interessen.


Virtuell eine private VC-Gesellschaft

„Wir haben immer auch wirtschaftliche Ziele im Blick“, erklärt Schmidt. Dafür gebe es einerseits interne Gründe, denn das zur Verfügung gestellte Kapital soll risikoadäquat verzinst werden. Nach außen hin sei es aber wichtig, den Unternehmern zu zeigen, dass man sie und ihre Firmen voranbringt, und den Co-Investoren deutlich zu machen, dass man gleiche Ziele verfolgt. Überhaupt betrachten die beiden führenden Köpfe die privaten Investoren als Maßstab: RBVC ist zwar eine 100%ige Konzerntochter, wurde operativ aber möglichst gleichartig zu privaten Venture Capital-Gesellschaften aufgestellt, so Thill. So wurde eine virtuelle Fondsstruktur entwickelt, bei der über zehn Jahre 200 Mio. EUR investiert werden. Wie auch bei anderen konzerneigenen VC-Einheiten zu beobachten, wird allerdings nur ein Teil der Mittel direkt investiert. „Rund zwei Drittel stehen für direkte Investments zur Verfügung, die restlichen Mittel verwalten wir als eine Art Dachfonds“, erklärt Schmidt. Als strategische Investments sollen diese Kapitalspritzen in andere Venture Capital-Gesellschaften das operative Geschäft von RBVC erleichtern. „Wir investieren in Fonds, die mit uns ihren Dealflow austauschen. Wir suchen Verbündete“, ergänzt Thill. Dieser Ansatz erklärt sich aus dem Umstand, dass RBVC mit gerade einmal elf Investment Managern weltweit aktiv ist. Die kleine schlagkräftige Truppe, die in dieser Form seit Sommer 2009 besteht, unterhält Büros in der Nähe der Bosch-Zentrale in Gerlingen bei Stuttgart, in Frankfurt am Main, in Tel Aviv und über die amerikanische Bosch-Landesgesellschaft im Silicon Valley.


Auf sechs Branchen fokussiert

Neben anderen Investoren tragen auch sonstige Netzwerkkontakte sowie die eigene Aktivität zum Dealflow bei. „Wir besuchen regelmäßig Konferenzen und gehen aktiv auf interessante Unternehmen zu“, sagt Thill. Allerdings begrüßen es die Leute bei RBVC auch, wenn sie eigeninitiativ angesprochen werden. „Wir haben auf unserer Website bewusst detaillierte Angaben zu unserer Strategie gemacht, damit Gründer zielgerichtet auf uns zugehen können“, hebt Schmidt hervor. Daher gibt es auch ein Kontaktformular auf der Website. Konkret hat RBVC Interesse an fünf Technologiefeldern und einem Querschnittsthema. „Services sind ein wichtiges Thema der Zukunft. Auch Bosch wird verstärkt Dienstleistungen anbieten“, unterstreicht Thill.


Im Mittel rund 10 Mio. EUR Kapital

Das Augenmerk liegt auf Finanzierungsrunden von Early bis Later Stage, wobei sich Robert Bosch Venture Capital bewusst für nicht exakt definierte Mindestvoraussetzungen entschieden habe, erläutert Schmidt. Harte Zahlen wie Höhe des Umsatzes oder Anzahl der Mitarbeiter fallen als Kriterium bewusst aus, erwartet wird am Anfang jedoch mindestens ein Proof of Concept. Wenn eine Entscheidung positiv ausgefallen ist, fließen in der ersten Runde 1,5 bis 4 Mio. EUR, in weiteren Runden kann die Summe dann auf 6 bis 10 Mio. EUR ansteigen. „Bei relevanten und besonders interessanten Firmen kann die Summe aber auch höher liegen“, verrät Schmidt. Insgesamt sollen aus dem Topf von 200 Mio. EUR rund 20 Unternehmen finanziert werden.


Im dichten Netzwerk von Bosch

„Da wir auch ein klares strategisches Interesse haben, stellen wir immer den Kontakt zu den passenden Abteilungen bei Bosch her. Ob es dann bei losen Kontakten bleibt oder es sich gar zu einem Joint Development weiterentwickelt, müssen dann beide Seiten selbst entscheiden“, sagt Schmidt. Auch sonst zeigt sich das Team zurückhaltend, was den Konzernhintergrund angeht. „Am liebsten investieren wir mit zwei weiteren Investoren. Wir streben dabei etwa 10 bis 20% Anteil am Eigenkapital der Firma an, so wie viele andere traditionelle VC-Investoren“, so Thill. Obwohl bislang nur investiert wurde, bestehen bereits klare Vorgaben für zukünftige Exits. Falls die Robert Bosch GmbH ein Portfolio-Unternehmen übernehmen möchte, muss das Unternehmen mit eventuellen anderen Kaufinteressenten konkurrieren und marktübliche Preise zahlen. „Eine Bevorzugung gibt es nicht“, gibt Schmidt die Richtung vor. Bezüglich des Exit-Kanals besteht Offenheit: „Ein IPO ist immer gut, um zu zeigen, dass man Erfolg hatte. Aber ein Trade Sale ist der traditionelle Weg“, erklärt Thill. Da er sich auch Secondary Deals mit Finanzinvestoren als Käufern vorstellen kann, soll es jeweils auf Einzelfallentscheidungen hinauslaufen. Konkrete Verkaufspläne werden aktuell nicht verfolgt, da die älteste Beteiligung erst seit gut einem Jahr besteht.


Ausblick

In der zweiten Jahreshälfte will RBVC das in den ersten sechs Monaten vorgelegte Tempo halten: Zwei Investments wurden bereits eingegangen, mindestens zwei weitere sollen folgen. An der Teamgröße soll sich aber mittelfristig nichts ändern – mit elf Leuten sieht sich Robert Bosch Venture Capital selbst ausreichend breit aufgestellt, um die Mittel des ersten, virtuellen Fonds zu verwalten. Erst wenn die Mutter neues Kapital bereitstellt und damit quasi ein neuer Fonds aufgelegt wird, soll es wieder Einstellungen geben. Bis dahin können junge Unternehmen, die es in das Portfolio geschafft haben, aus dem Vollen schöpfen: Sie haben Zugang zum weltweiten Netzwerk des Konzerns und bekommen direkte Kontakte in die relevanten Abteilungen auf dem Silbertablett serviert.


torsten.passmann (at) vc-magazin.de



Kurzprofil: Robert Bosch Venture Capital GmbH

Typ:                              Corporate Venture Capital-Gesellschaft
Standorte:                     Gerlingen bei Stuttgart, Frankfurt,
                                   Tel Aviv, Palo Alto (über Robert Bosch LLC, USA)
Gründung:                     Januar 2008
Verwaltetes Kapital:      200 Mio. EUR
Zahl Investment Professionals:   11
Website:                      www.rbvc.com


Branchenfokus
- Automatisierungs- und Steuerungstechnik
- Energie und Umwelt
- Basistechnologien (u.a. Kommunikationstechnik und Software)
- Healthcare
- Services/industrieübergreifende Geschäftsmodelle
- Neue Materialien

 


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