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Kolumne Artikelübersicht   
Falk F. Strascheg (Ausgabe 6/10) - Rückblick auf die letzten zehn Jahre Venture Capital-Industrie

Jubiläums- und Abschiedskolumne

Diese insgesamt 101. Kolumne ist für mich sowohl eine Jubiläums- wie auch eine Abschiedskolumne. Sie wird anlässlich des zehnjährigen Bestehens des VentureCapital Magazins geschrieben – und wird auch meine unwiderruflich letzte Kolumne sein, die ich für das VentureCapital Magazin schreibe. Sie wird sich mit einem Rückblick auf die Venture Capital-Industrie während der zehnjährigen Existenz des VentureCapital Magazins befassen.


Logische Konsequenz des Gipfels

Das VentureCapital Magazin hat sich vor zehn Jahren vorsichtig aus einer Beilage des GoingPublic Magazins entwickelt. Das Jahr 2000 als Gründungsjahr für das eigenständige Venture Capital Magazin ist eine logische Konsequenz des in diesem Jahr erklommenen, aber nie wieder erreichten Gipfels der Venture Capital-Industrie. Dieser Gipfel, der sich später als platzende Blase erwies, bescherte der Industrie und den Investoren in Venture Capital-Fonds zeitweise ungeahnte Gewinne.


Überhitzter Markt

Diese an und für sich erfreuliche Situation führte leider zu einer Reihe von Fehlentwicklungen. Die Unternehmensbewertungen schossen in ungeahnte Höhen, was für die damals anstehenden Exits höchst erfreulich, aber für die Gewinnchancen der Neuinvestitionen tödlich war. Außerdem lockten die Gewinne viele neue Akteure, Venture Capital-Gesellschaften zu gründen. Manche davon hatten leider nicht die notwendige Qualifikation. Durch die Gewinne bei den Realisierungen der Investitionen der letzten Jahre erreichten die Anlagen in Venture Capital-Fonds Rekordhöhen. Sogar die staatlichen Banken wie KfW und Deutsche Ausgleichsbank wetteiferten, wer mehr Geld am Venture Capital-Markt unterbringt. Man kann aus heutiger Perspektive behaupten, dass der Venture Capital-Markt überhitzt war.


„Volle Taschen und volle Hosen“

In den Jahren nach 2000 platzte die Blase, und die Unternehmensbewertungen näherten sich wieder realistischen Werten. Dies hatte zur Folge, dass es erheblichen Abschreibbedarf bei vielen Portfoliofirmen gab, der sowohl durch niedrigere Folgerunden als auch durch in einer schlechteren wirtschaftlichen Umwelt nicht mehr weiterfinanzierbaren Unternehmen entstand. Obwohl  die Venture Capital-Fonds noch prall gefüllt waren, scheuten sich die Venture Capital-Gesellschaften, selbst bei diesen nun niedrigeren Bewertungen zu investieren. Dies verleitete mich zu dieser Zeit für eine Kolumne den bemerkenswerten Titel „Volle Taschen und volle Hosen“ (Ausgabe 2/2001) zu wählen.


Schwierige Situation bis 2006

Nachdem die IPO-Aktivität auf null fiel und die strategischen Käufer sich auch zurückhielten, brachen wirklich schlechte Zeiten für die Venture Capital-Industrie an. Viele Spieler verschwanden wieder. Fundraising selbst guter Venture Capital-Gesellschaften wurde sehr schwierig. Diese Situation hielt bis 2006 an. Erst dann wurden Realisierungen in einem positiveren Umfeld wieder möglich, selbst an der Börse, und auch Fonds konnten wieder zumindest moderat gefüllt werden.


Spärliche Versorgung in nächster Zukunft

Das Intermezzo war kurz. Im Jahr 2008 hat uns alle Lehman überrascht, obwohl diese Entwicklung ähnlich dem Platzen der Venture Capital-Blase im Jahr 2000 bei intensivem Nachdenken vorhersehbar gewesen sein sollte. Seither fließt noch weniger Geld in Venture Capital-Fonds. Wir sind dabei auf das Niveau von 1997 zurückgefallen. Momentan ist Fundraising fast nicht möglich. Wo kein Geld ist, kann auch keines ausgegeben werden (dies gilt nicht für Regierungen). Das heißt, dass momentan und in nächster Zukunft auch die Unternehmer, die Venture Capital suchen, äußerst spärlich mit Geld versorgt werden. Wir können froh sein, dass es einige Initiativen der Öffentlichen Hand gibt, durch die Unternehmen finanziert werden oder deren Finanzierung unterstützt wird. Dies war eine kurze Analyse des Zustands der Venture Capital-Industrie über die bisherige Lebensdauer des VentureCapital Magazins.


Ich glaube, im Sinne aller Leser zu handeln, wenn ich der Redaktion und den Mitarbeitern des VentureCapital Magazins für die exzellente Arbeit der letzten zehn Jahre danke. Sie haben uns mit Informationen versorgt, die für unsere Arbeit wichtig sind, und auch für die Kommunikation innerhalb der deutschsprachigen Venture Capital-Community gesorgt. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und freuen uns, auch in Zukunft regelmäßig durch das VentureCapital Magazin informiert zu werden.    


Zum Autor

Falk F. Strascheg
ist als Gründer der Technologieholding und der Extorel Private Equity Advisers GmbH sowie als ehemaliger Präsident der European Venture Capital Association (EVCA) einer der bekanntesten Venture Capitalisten Deutschlands.

 


Alle bisher in dieser Rubrik erschienenen Beiträge:
Roland Manger (Ausgabe 9/2010) - Magere Zeiten für Venture Capital in den USA
Paul Jozefak (Ausgabe 7-8/10) - Die Zeit für Location Based Services ist gekommen
Dr. Michael Brandkamp (Ausgabe 5/10) - Zuschüsse sind gefährliche Drogen
Von Dr. Alexandra Goll - Finanzierungsansätze in der Biotech-Frühphase
Von Dr. Alexandra Goll - Finanzierungsansätze in der Biotech-Frühphase
Kolumne von Dr. Hendrik Brandis (Ausgabe 3/10) - Die Meister der Start-ups
Kolumne von Paul Jozefak (Ausgabe 2/10) - Identitätskrise der Business Angels
Kolumne von Dr. Michael Brandkamp (Ausgabe 01/10) - Kooperationen zwischen Großen und Kleinen
Kolumne von Dr. Hendrik Brandis (Ausgabe 12/09) - Risikokapital: Garant für Stabilität
Kolumne von Dr. Alexandra Goll (Ausgabe 11/09) - Von der Hightech-Strategie und der Richtlinie zur Verwaltung alternativer Investmentfonds
Kolumne von Dr. Hendrik Brandis (Ausgabe 10/09) - Made in Germany auf dem Prüfstand
Kolumne von Dr. Michael Brandkamp (Ausgabe 9/09) - Versicherung für Fondsinvestoren
Kolumne von Dr. Alexandra Goll (Ausgabe 7-8/09) - Warum in die Ferne schweifen …
Kolumne von Dr. Michael Brandkamp (Ausgabe 6/09) - Ellenbogenkultur kehrt zurück
Kolumne von Dr. Alexandra Goll (Ausgabe 5/09) - Renaissance der Werte?
Kolumne von Dr. Hendrik Brandis (Ausgabe 4/09) - Assetklassen in der Krise
Kolumne von Dr. Alexandra Goll - Schreckstarre war gestern
Kolumne von Dr. Michael Brandkamp - Leere Menge
Kolumne von Dr. Hendrik Brandis (Ausgabe 1/2009) - Verschiedene Welten
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 12/2008) - Sag beim Abschied leise Servus...
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 11/2008) - Kann sich Venture Capital der Krise entziehen?
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 10/2008) - Cleantech statt Nanotechnologie
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 9/2008) - Von Business Angels und Devils
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 7-8/2008) - Anschluss gesucht
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 6/2008) - Organisierte Business Angels
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 5/2008) - Flucht aus dem Early Stage Venture Capital
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 4/2008) - Verwirrende Zahlenspiele
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 3/2008) - Honigbienen statt Heuschrecken
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 2/2008) - Frischer Wind für Ausgründungen aus Hochschulen
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 1/2008) - EIF als Zünglein an der Waage
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 12/2007) - Social Entrepreneurship schwieriger als gedacht
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 11/2007) - Ist Clean Technology die nächste Seifenblase?
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 10/2007) - Ein Unglück kommt selten allein
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 8-9/2007) - Brauchen Jumbo-Buyouts eine eigene BVK-Fachgruppe?
Kolumne von Falk F. Strascheg (Ausgabe 7/2007) - Dunkle Wolken am Buyout-Horizont
Kolumne von Falk F. Strascheg (Ausgabe 6/2007) - Warum meinen Private Equity-Fonds, höhere Preise bezahlen zu können?
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 5/2007) - Innovationsbremser
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 4/2007) - Leichte Unschärfe
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 3/2007) - Mehr Geld für wenige Unternehmen
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 2/2007) - IPOs auch ohne Neuen Markt
Kolumne von Falk Strascheg (Ausgabe 1/2007) - Corporate Venture Capital: idealer Partner für technologieorientierte Start-ups?

 

Artikeln, Empfehlungen und Tabellen liegen Quellen zugrunde, welche die Redaktion für verlässlich hält. Eine Garantie für die Richtigkeit der Angaben kann allerdings nicht übernommen werden. Bei unaufgefordert eingesandten Beiträgen behält sich die Redaktion Kürzungen oder Nichtveröffentlichung vor.
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