| Strategische Finanzinvestoren - Erfolgreiche Large Buyout-Fonds bieten mehr als Fremdkapital
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Fast zwei Jahrzehnte lang belegte die Übernahme des amerikanischen Nahrungsmittel- und Tabakkonzerns RJR Nabisco für 25 Mrd. USD im Jahr 1988 durch den Finanzinvestor KKR Platz 1 der Rangliste der größten Buyouts aller Zeiten. Erst 2006 und 2007 vertrieben investitionsfreudige Large Buyout-Fonds mit Hilfe finanzierungswilliger Banken den Deal vom Treppchen. Heute gehören die Übernahmen von TXU (durch KKR, TPG und Goldman Sachs Private Equity) und Equity Office (durch Blackstone) mit Transaktionswerten von jeweils über 30 Mrd. USD zu den Spitzenreitern. Hierzulande sind zwar keine Megafonds zu Hause, als attraktiven Investitionsstandort hat man Deutschland aber längst erkannt.
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Restrukturierung geglückt
Rasant gestiegene
Bewertungen börsennotierter Unternehmen und ein gutes Klima für Börsengänge
Ende der 90er Jahre kamen Buyout-Fonds zwar beim Verkauf von Portfoliofirmen
entgegen, sorgten aber nicht gerade für attraktive Konditionen bei
Neuengagements. Nachdem die Börsenbarometer in den entwickelten westlichen
Ländern im Frühjahr 2000 den Zenit erreicht hatten, legten sie anschließend in
unterschiedlicher Geschwindigkeit den Rückwärtsgang ein. Große Private
Equity-Investoren gewannen damit an relativer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber
dem öffentlichen Kapitalmarkt. Mit der mehrheitlichen Übernahme von Messer
Griesheim schlugen Allianz Capital Partners und Goldman Sachs im April 2001
schließlich ein neues Kapitel auf: Sie übernahmen für 2,1 Mrd. Euro zwei
Drittel der Anteile des Spezialisten für Industriegase vom Pharmakonzern
Hoechst (heute Teil von sanofi-aventis). Der Rest verblieb bei der Familie
Messer, die das Unternehmen im Jahr 1898 gegründet hatte. Hoechst hielt die
Beteiligung an Messer Griesheim seit 1965, hatte die Sparte aber durch
Missmanagement und eine satte Schuldenlast von über 1,7 Mrd. Euro in eine
Krisensituation gebracht. Aber: Die Sanierung unter der Führung der beiden
Finanzinvestoren gelang. Drei Jahre später zog die Familie Messer eine
Call-Option und kaufte sämtliche Anteile am Unternehmen zurück. Allianz Capital
Partners und Goldman Sachs erzielten mit dem seinerzeit größten Buyout in
Deutschland eine ansehnliche Rendite – und der langfristige Fortbestand von
Messer Griesheim war gesichert.
Langfristige Partnerschaft
Im September 2001 einigten sich Permira (vormals Schroder Ventures Europe),
Goldman Sachs Capital Partners und Schroder Ventures Life Sciences mit dem
Voreigentümer Henkel auf die Akquisition des Chiemieunternehmens Cognis. Der
Zeitpunkt war deshalb heikel, weil der Verkaufsvertrag am 12. September – nur
einen Tag nach den Anschlägen in den USA – unterzeichnet wurde. Die in letzter
Minute eingefügte Klausel, die den Private Equity-Häusern zugestand, sich
innerhalb von zwei Monaten von der Transaktion zurückzuziehen, wurde jedoch
nicht gezogen, sondern führte nur zu einer geringfügigen nachträglichen Senkung
des Kaufpreises von ursprünglich vereinbarten 3,6 Mrd. Euro auf 3,5 Mrd. Euro.
Noch immer – über sieben Jahre später – befindet sich Cognis im Portfolio der
Private Equity-Investoren, wobei man den zwischen Düsseldorf und Köln in
Monheim ansässigen Anbieter von Spezialchemie in einem besseren Marktumfeld
gern an die Börse bringen würde.
Umzug in die USA
Mit dem Buyout des Chemiekonzerns Celanese gelang der Blackstone Group im Jahr
2004 ein bis heute bewunderter Geniestreich. Anerkennung verdient Blackstone
aber nicht nur für eine äußerst attraktive Rendite, sondern auch für die
Komplexität der Transaktion und die zugrunde liegenden Überlegungen:
Vereinfacht gesagt erkannte der Finanzinvestor zunächst, dass mit Celanese
vergleichbare Unternehmen in den USA einen wesentlich höheren Börsenwert
zugebilligt bekamen als in Deutschland. Da der Großteil der Wertschöpfung
längst in den USA stattfand, erschien eine Verlagerung des Hauptsitzes aus der
Nähe von Frankfurt am Main nach Dallas in Texas und ein anschließender
Börsengang in den USA logisch. Doch noch nie wurde in Europa ein derart großes
börsennotiertes Unternehmen von einem Finanzinvestor übernommen. Tatsächlich
drohte das öffentliche Übernahmeangebot bis zur letzten Minute zu scheitern.
Zahlreiche Hedgefonds hofften auf einen später höheren Preis für ihre Anteile,
wenn sie die Offerte von Blackstone zunächst ablehnen würden. Die Crux jedoch
war, dass die ganze Übernahme bei Nichterreichen einer Annahmequote von 75%
geplatzt wäre. Die Hürde wurde jedoch genommen und der Plan von Blackstone ging
auf. Abgesehen von wenigen Managementpositionen fielen dem Umzug der
Celanese-Zentrale in die USA in Deutschland keine Arbeitsplätze zum Opfer.
Weltweit stieg die vor der Übernahme durch Blackstone zuletzt rückläufige
Mitarbeiterzahl des bis 1999 wie auch Messer Griesheim zur früheren Hoechst AG
gehörenden Chemiekonzerns sogar an.
Fazit:
Richtig große Buyouts funktionieren nicht ohne Fremdkapital. Wie obige
Beispiele zeigen, macht eine hohe Verschuldung allein aber keinen
renditestarken Deal aus. Langfristig erfolgreiche Large Buyout-Manager zeichnen
sich dadurch aus, dass sie durch operative Fortschritte in ihren
Portfoliounternehmen Wert schaffen. Zwar sind auch sie nicht gefeit vor
bedauerlichen Exzessen, die es auf den Finanzmärkten schon immer gab und die es
systembedingt auch zukünftig geben wird. Aber sie sind in der Lage, schnell auf
geänderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Eines ist den Buyout-Spezialisten des
21. Jahrhunderts aber bisher nicht gelungen: Das englische Taschenbuch
„Barbarians at the Gate: The Fall of RJR Nabisco“ von Platz 1 der
Amazon-Bestsellerliste in der Kategorie „Consolidation & Merger“ zu
verdrängen. Diesen Erfolg verteidigt das lesenswerte Buch selbst 20 Jahre nach
der Erstveröffentlichung mit Bravur.
andreas.uhde (at) vc-magazin.de
Die größten Buyouts in Deutschland*
Wert
(ca.) Unternehmen Branche Käufer
1. 4,0 Mrd. Euro Kion Group Gabelstapler KKR, GS Capital Partners
2. 3,5 Mrd. Euro Brenntag Chemiedistribution BC Partners
3. 3,1 Mrd. Euro Celanese Chemie Celanese
4. 3,0 Mrd. Euro ProSieben.Sat1
Media Medien KKR, Permira
5. 2,9 Mrd. Euro Messer Griesheim Industriegase Allianz
Capital Partners, Goldman Sachs
6. 2,5 Mrd. Euro Cognis Chemie GS Capital Partners, Permira, Schroder Ventures
7. 2,3 Mrd. Euro Dynamit Nobel Chemie/Rüstung Credit
Suisse First Boston, KKR
* ohne Infrastruktur
Quelle: eigene Recherche
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