| Großes Angebot für zaghafte Anleger (Ausgabe 6/10) - Dachfondsrückblick: großer Wettbewerb in den Boomjahren
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Private Equity-Beteiligungen für Privatanleger haben erst um die Jahrtausendwende Fahrt aufgenommen. Seither kamen dutzende, zumeist als Dachfonds konzipierte Gesellschaften auf den Markt, die seit der Ausgabe 8/2002 regelmäßig im VentureCapital Magazin portraitiert werden. Das Angebot ist nicht nur vielfältig, sondern geht auch mit der Zeit. Über die Renditen für die privaten Investoren kann jedoch noch nicht viel berichtet werden.
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Milliardengeschäft mit breitem Publikum
Rund 9,5 Mrd. EUR Eigenkapital haben die Initiatoren sämtlicher Private
Equity-Publikumsfonds in den Jahren 2000 bis 2009 akquiriert. 2006 und 2007
konnten jeweils mehr als 2 Mrd. EUR eingeworben werden – ein Rekordniveau, das
in diesem jungen Segment des von Immobilien und Schiffen geprägten Marktes für
unternehmerische Beteiligungen („geschlossene Fonds“) vorher bei Weitem nicht
erreicht wurde und auch derzeit außer Reichweite ist. Etwa 70% dieses
Privatanlegerkapitals, das sich auf mindestens 250 Fonds verteilt, sind in der
von Feri EuroRating Services geführten Statistik den Dachfonds zugeschrieben.
Außerdem haben die Studienautoren die Infrastrukturbeteiligungen dem Private
Equity-Segment zugeordnet. Sie haben am Gesamtvolumen einen Anteil von
geschätzt 15%.
Klare Marktverteilung
Gemessen an ihrem jeweiligen kumulierten Fundraisingvolumen vereinen die
zehn größten Anbieter ca. 6 Mrd. EUR. Damit bilden sie zwei Drittel des
Gesamtmarktes ab, aufgeteilt auf mehr als 100 Fonds. Mit dabei sind allerdings
die Initiatoren Macquarie und Alfred Wieder/HMW Emissionshaus, die
Infrastrukturbeteiligungen bzw. direkt investierende Fonds aufgelegt haben.
Ohne deren Berücksichtigung sind die größten auf Dachfonds ausgerichteten
Anbieter RWB, KGAL, Wealthcap, MPC und BVT. Bemerkenswert: Laut Feri-Statistik
haben sich in den vergangenen Jahren über 145 Anbieter mit Private Equity-Fonds
zu etablieren versucht. Davon existiert jedoch heute ein Großteil gar nicht
mehr, abgesehen davon, dass sie ohnehin über ein oder zwei Fondsemissionen
nicht hinausgekommen sind. Den größten Zulauf hat die Branche in den Boomjahren
2005 bis 2007 gesehen, als gleich 90 Unternehmen das Initiatorengeschäft
aufgenommen haben. Nach der Zahl der aufgelegten Fonds ist RWB mit 23
Beteiligungen einsamer Spitzenreiter, vor Wealthcap und MPC Capital.
Aus dem Vollen schöpfen
Insgesamt 71 zumeist für private Anleger lancierte und nur selten direkt
investierende Fonds hat das VentureCapital Magazin bislang seit der Ausgabe
8/2002 portraitiert. Die Liste bildet das breite Angebotsspektrum, aus dem
Vermittler und Anleger bislang schöpfen konnten, ab und liest sich wie das
Who-is-who der Emittenten. Premierenstücke, Fortsetzungsfolgen, große Fonds
ebenso wie kleine und klassische, Feederfunds für Dachfonds und auch innovative
Fonds haben um die Gunst der Privatinvestoren gebuhlt. Im Frühjahr hat mit der
Credit Suisse erstmals eine Großbank einen Retail-Dachfonds ins Fundraising
geschickt. Abgesehen davon spielen die Banken eine eher untergeordnete Rolle.
Premiere ohne Fortsetzung
Einen schwierigen Start ins Private Equity-Geschäft erlebten Lloyd Fonds
und Sachsenfonds („Lehman Brothers für jedermann“, Ausgabe 1/2007). Denn deren
erster im Sommer 2006 gemeinsam lancierter Dachfonds Global Partnership 1 hat
sich an einem von Lehman Brothers aufgelegten, 1,5 Mrd. USD schweren Zielfonds
beteiligt. Noch vor der Lehman-Pleite war der Anlegerzuspruch verhalten, sodass
die Initiatoren die Option, die Zielfondsbeteiligung von 25 auf 100 Mio. USD zu
erhöhen, nicht gezogen haben. Der Dachfonds ist das bislang letzte Angebot der
beiden Fondshäuser in diesem Segment. Aber auch andere bekannte Unternehmen
haben bis dato nur einen Retailfonds auf den Markt gebracht: Golding Capital
Partners, Norddeutsche Vermögen, die HSH-Tochter HGA Capital, die Ergo-Tochter
Ideenkapital, Real I.S, Ökorenta und Dr. Peters.
Flexibilität bei der Produktgestaltung
Mangelnde Kreativität kann man den Emissionshäusern nicht vorwerfen. Auch
sie gehen mit der Zeit, greifen Trends auf und liefern dem Vertrieb
mundgerechte Angebote. Das gilt beispielsweise für umstrittene Ansparfonds, die
etwa MPC Capital unter dem Produktnamen „Global Equity Step by Step“ aufgelegt
hat („Mit Taschengeld in die große Welt“, 10/2002). Außerdem haben in der
jüngeren Vergangenheit Themen-, Länder- und Hybridfonds das Licht der Welt
erblickt. Gesellschaften mit den Investitionsschwerpunkten Life Science,
Cleantech, Secondaries oder europäischer Mittelstand kamen ebenso wie auf Asien
ausgerichtete Vehikel in die Produktpalette. Vereinzelt durften die Fonds, z.B.
von Wölbern Invest und MPC Capital, einen Teil des Kapitals für direkte
Co-Investments einsetzen. Außerdem finden sich unter den Portraits auch zwei
Infrastrukturfonds, die unter den geschlossenen Fonds für Privatanleger erst
seit Kurzem eine eigene Assetklasse darstellen.
Rat und Tat von außen
In der Retrospektive fällt auf, dass Venture-Beteiligungen bei den
bisherigen Dachfonds als Zielinvestments nur eine untergeordnete Rolle gespielt
haben. Unter dem Strich konzentrierten sich die Initiatoren aber auf
schnörkellose, klassische Dachfonds mit dem auf Europa und die USA gelegten
Investitionsschwerpunkt. Außerdem dominieren kleine und mittlere Buyout-Firmen
in den Portfolios. Von wesentlicher Bedeutung sind externe Dachfondsmanager
bzw. Fund-of-funds, da nur die wenigsten Anbieter die geballte Private
Equity-Kompetenz im eigenen Haus vorhalten. CAM (heute Sal. Oppenheim bzw.
Deutsche Bank), Golding Capital, bmp, Allianz Private Equity Partners und Adveq
sind einige der Fondspartner. Ohnedies gibt es bei den Top-Playern mit RWB AG
und dem HMW Emissionshaus nur zwei Anbieter, die sich ausschließlich im Private
Equity-Markt bewegen.
Exoten an der Börse
Im Frühjahr 2007 wurde das Zertifikat Private Equity Rumänien, das von ABN
Amro emittiert wurde und heute zur RBS Royal Bank of Scotland gehört,
vorgestellt („Rumänien auf einen Streich“, 5/2007). Das Wertpapier stellt im
Ergebnis einen Dachfonds dar, wobei in den fünf Fonds, die den Basisindex
bilden, damals 38% Aktien außerbörslicher Unternehmen steckten. Nach aktuellem
Stand kann das endlos laufende Zertifikat hinsichtlich der Performance nicht
überzeugen: Der Kurs auf Euro-Basis liegt nicht nur 80% unter dem Allzeithoch,
sondern auch über 60% unter dem initialen Ausgabekurs. Nicht ganz so schlimm
sieht es beim börsennotierten schweizerischen Dachfonds Absolute Private Equity
aus („Buy-out-Fonds aus prominentem Hause“, 10/2003). Die Gesellschaft notiert
seit Mai 2001 in USD an der Börse in Zürich. Die Aktie ist fast doppelt so
teuer wie nach dem IPO. Allerdings beträgt der Wert gegenüber dem historischen
Höchstkurs im Sommer 2008 nur mehr etwa 50%. Die Castle Private Equity
(„Breiter Marktquerschnitt“, 01/2004) notiert in CHF seit September 1998 und in
USD seit Januar 2002 an der Schweizer Börse. Im Moment bewegt sich der USD-Kurs
des Dachfonds etwa 25% unter den Erstnotierungen und rund 50% unter den
Höchstkursen aus dem Sommer 2007.
Endergebnisse noch offen
Ende 2009 mussten erste Beteiligungen etwa von RWB, MPC Capital oder HCI
nicht zuletzt wegen der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Auflösung
verschieben. Während RWB stets das Thesaurierungsmodell verfolgt, haben
zahlreiche Beteiligungen bereits Auszahlungen an die Anleger vorgenommen. Zum
Beispiel flossen aus den ersten sieben Gesellschaften von MPC Capital bis
31.12.2008 jeweils 5 bis 45% an die Investoren zurück. Allerdings hat der
Initiator den Anlegern angekündigt, dass beim Global Equity 1 ein Teil der
Einlagen verloren gehen könnte. Überdies herrscht in den ersten beiden Fonds
Streit zwischen Management und Investoren über die Management Fee. Die ersten
fünf Fonds von Nordcapital schütteten zwischen 6 und 67% an die Anleger aus.
Die ersten vier Fonds von BVT haben zum selben Stichtag zwischen 10 und 73% des
Eigenkapitals zurückgezahlt. Bei HCI Capital liegt die Quote bei 6 bis 77%.
Damit lässt sich bislang noch nicht eindeutig sagen, ob und in welcher Höhe
sich die Private Equity-Fonds für Privatanleger letztendlich rentieren.
Alexander Endlweber
redaktion (at) vc-magazin.de
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