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Förderwunder Deutschland - Paradiesische Zustände für Gründer?

Jahr für Jahr liegt Deutschland in einer Vergleichsstudie des europäischen Dachverbands EVCA über die Rahmenbedingungen für Private Equity im letzten Quartil. Insbesondere nachteilige steuerliche Regelungen belasten sowohl Investoren als auch junge, innovative Unternehmen stärker als in anderen Ländern Europas. Preisverdächtig ist hingegen die öffentliche Förderinfrastruktur, die sich quer durch alle Ebenen des föderalen Systems zieht: Förderbanken auf Bundes- und Länderebene bieten ein buntes Spektrum von vergünstigten Krediten bis hin zu Eigenkapitallösungen, spezialisierte Fonds unterstützen junge Unternehmen, und einzelne Regionen betreiben mit Hilfe von EU-Mitteln gar ein ganzheitliches Standortmarketing, um Gründer für eine Ansiedlung zu begeistern. Flankiert werden diese Bemühungen von zahlreichen Businessplan-Wettbewerben sowie Technologie- und Gründerzentren, die potenziellen Unternehmern ebenfalls den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern. Angesichts der schieren Fülle der Förderangebote ist eine wohlüberlegte Standortwahl ratsam – denn ein Großteil der Initiativen ist denjenigen Gründern vorbehalten, die sich in der jeweiligen Region ansiedeln.

Gründerinnen haben es besonders schwer

Der Global Entrepreneurship Monitor 2006, der im März 2007 veröffentlicht wurde und von einem internationalen Forschungskonsortium in über 40 Ländern erstellt wird, bescheinigt Deutschland eine vorbildliche öffentliche Förderinfrastruktur. Wie die Grafik auf S. 12 verdeutlicht, treffen Gründer darüber hinaus allerdings auf eher widrige Rahmenbedingungen. Von 15 verglichenen Industriestaaten belegt Deutschland alles in allem den 12. Rang, weltweit reicht es für Platz 16 der analysierten Volkswirtschaften. Damit steht Deutschland zwar vor Spanien und Malaysia, aber hinter Ländern wie Griechenland und Indonesien – der bevölkerungsstärkste Staat Südostasiens konnte vor allem in den Kategorien niedrige Markteintrittsbarrieren und gründungsbezogene Ausbildung punkten. Auf den Rängen 1 bis 3 liegen die USA, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate, Österreich und die Schweiz wurden bisher nicht in die Studie einbezogen.

            Somit erscheint die Lage in Deutschland insgesamt verbesserungswürdig, besonders schlecht sieht es jedoch bei der Unterstützung für Gründungen von Frauen aus: Hier rangiert die Bundesrepublik an vorletzter Stelle aller verglichenen Länder, nur Ungarn liegt noch dahinter. „Frauen gründen in Deutschland seltener als Männer – und seltener als Frauen in anderen Ländern“, so ein Ergebnis des Global Entrepreneurship Monitors. Als Gründe für diese Beobachtung werden vor allem Schwächen in der sozialen Infrastruktur genannt, beispielsweise bei der Ganztagsbetreuung von Kindern. Aus diesem gesellschaftlichen Defizit resultieren statistisch signifikant ungünstigere Werte bei den Variablen „Angst vor dem Scheitern als Gründungshemmnis“ und „Beurteilung der Gründungschancen“. Auch die eigenen Gründungsfähigkeiten werden von den befragten Frauen in Deutschland außergewöhnlich gering eingeschätzt.

 

Bundesweit & branchenübergreifend

Um speziell innovative Jungunternehmerinnen sowie Existenzgründerinnen zu fördern, hat der Kaffee-Unternehmer Albert Darboven 1997 den Idee-Förderpreis ins Leben gerufen. Dieser feiert im laufenden Jahr sein zehnjähriges Jubiläum, richtet sich ausschließlich an Frauen und ist mit 75.000 Euro dotiert. Zu den bisherigen Gewinnerinnen gehören u. a. Dr. med. Marita Stein-Konertz, Geschäftsführerin des Berliner Biotech-Unternehmens AutoTissue, und Birgit Mayer, Geschäftsführerin des Chemnitzer Herstellers von Leichtbauteilen WF Wabenfabrik. Der nächste Bewerbungsschluss ist der 31. Juli 2007.

Zu den lukrativsten Businessplan-Wettbewerben in Kontinentaleuropa gehört Enable2start, den die Financial Times Deutschland (FTD) gemeinsam mit weiteren Sponsoren jüngst gestartet hat. Bis zum 30. Juni 2007 können sich Gründer beiderlei Geschlechts bewerben und erhalten so die Chance auf einen Startzuschuss in Höhe von 50.000 Euro. Der Clou: Dieser wird gleich fünf Mal vergeben, zusätzlich werden die prämierten Start-ups 15 Monate von der FTD redaktionell begleitet.

            Mit 75.000 Euro in Barpreisen und 35.000 Euro in Form von Sachleistungen ist der branchenübergreifende Start2grow-Gründungswettbewerb für alle Branchen nur geringfügig niedriger dotiert als die gleichnamigen Ausschreibungen eigens für Mikrotechnik- bzw. IT-Start-ups (siehe Tabelle auf S. 10-11). Wie für die beiden branchenspezifischen Wettbewerbe gilt aber auch hier: Nur wer seine Geschäftsidee in Dortmund umsetzt, erhält das volle Preisgeld.

 


Alle bisher in dieser Rubrik erschienenen Beiträge:
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