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VentureCapital Infrastruktur 2017 - Aus Kraftwerksbetreiber wird Kreislaufunternehmen

Case Study | Organic Garden GmbH: Alles selbst gemacht

Aus der Praxis | Case Study Organic Garden GmbH: Alles selbst gemacht Aus Kraftwerksbetreiber wird Kreislaufunternehmen Bei der Förderung von Ökostrom setzt man auch in Österreich bislang auf Einspeisevergütungen. Die werden aber neu verhandelt. Die Betreiber des Holzheizkraftwerkes möchten sich ein Stück weit von gesetzlich geregelten Einspeisevergütungen entkoppeln und mit einem eigenen Wärmenutzungskonzept innovative Wege beschreiten. Das Kraftwerk verbraucht seine selbst erzeugte regenerative Wärme und grünen Strom bald für die Herstellung regionaler, biologischer Lebensmittel wie Fisch und Gemüse. B islang wird der Strom des Biomassekraftwerks mit einer Leistung von fünf Megawatt in das örtliche Stromnetz eingespeist. Das Kraftwerk läuft gut, in fast zehn Jahren konnten 450 GWh regenerativer Strom er- zeugt werden. Doch Vorstand und Aufsichtsrat machten sich Sorgen um die Zukunft. Denn die Einspeisevergütungen für Strom aus erneuerbaren Energien werden in Österreich derzeit neu verhandelt. Niemand weiß, ob es bei der aus- kömmlichen Unterstützung bleiben wird. Auf der Suche nach Alternativen stießen die Österreicher bald auf die Matador Private Equity AG, ein auf Zweitmarktinvestments und Infra- struktur spezialisiertes Beteiligungsunternehmen aus der Schweiz. Die Vorstände brachten die Idee eines autarken Kreislaufs ins Gespräch. Rund um das Kraftwerk soll auf einem 20 Hektar großen Gelände Bio-Landwirtschaft betrieben wer- den, mit einer großen Fischzucht im Mittelpunkt und angren- zenden Gewächshäusern. Das Kraftwerk sollte nicht nur den Strom dazu liefern, sondern auch die Wärme, etwa zum Auf- heizen der Wasserbecken. Das Kreislaufkonzept sieht auch vor, dass Abfälle in Rohstoffe verwandelt werden. Zwei Bei- spiele: Der Fischkot wird als Öko-Dünger für die Gewächs- häuser genutzt. Der Feinanteil aus dem Holzbrennstoff wird ausgesiebt und mittels Hydrothermaler Carbonisierung zu wertvoller Pflanzenkohle weiterverarbeitet. Diese Pflanzen- kohle wird zusammen mit aus dem Fischabwasser gewonne- nem Dünger und anderen Bestandteilen zu Bio-Schwarzerde weiterverarbeitet und an z.B. die Landwirte der Umgebung zur Bodenverbesserung verkauft. Beste Renditeaussichten Diese Idee überzeugte die Altgesellschafter. Sie luden Mata- dor deshalb ein, sich zu beteiligen. Die Schweizer kauften dann den 46%igen Anteil vom damaligen Erstinvestor ab, der BBG Beteiligungs GmbH. Für das Fischzuchtprojekt wurde die Organic Garden GmbH gegründet. „Wir wollten uns unab- hängiger von möglichen Änderungen bei den staatlichen Sub- ventionen für grüne Energie machen. Dazu haben wir bereits in den letzten Jahren diverse Optionen geprüft. Orga nic Garden ging daraus unter Renditegesichtspunkten als das mit Abstand interessanteste und in die heutige Zeit passendste Projekt Dr. Markus Stein hauser, Organic Garden hervor“, sagt Aufsichtsrat Dr. Markus Stein hauser. Wie sehr Investoren und Management an die Idee glauben, zeigt sich da ran, dass Organic Garden dem- nächst mit der Kraftwerksbetrei berin fusionieren und eine gesamtheitliche Einheit bilden soll. Wenn alles nach Plan läuft, wird bereits im nächsten Jahr mit dem Bau der Anlage begonnen. 2019 könnte sie in Betrieb gehen. Das Investi- tionsvolumen liegt bei rund 50 Mio. EUR. „Jedes ein zelne der Module gibt es bereits. Das Organic Garden- Projekt ist nicht nur für die Gesellschaft eine große Chance: Mit dem intelligenten Kreislaufsystem aus Fischzucht, Erden- herstellung und Gemüseanbau können wir neue Maßstäbe in nachhaltiger Lebensmittelherstellung setzen und zusätzlich die Region wirtschaft lich stärken“, so Dr. Florian Dillinger, Präsident des Matador-Verwaltungsrates. Das ganze Projekt rechnet sich nicht nur für die Investoren. Dadurch, dass zusätzlich zur elektrischen Energie von fünf MW auch noch 15 MW thermisch (z.B. für das Aufwärmen der Fischbecken) genutzt werden können, wird der Energienutzungsgrad mas- siv erhöht. Von dieser optimalen Auslastung profitiert auch die Umwelt. Fische, die in ihrer normalen Umgebung in sieben Grad kaltem Wasser unterwegs sind, wachsen am schnells- ten in 26 Grad warmem Wasser. Täglich werden z.B. in der Fischzucht über eine Million Liter Frischwasser aufgeheizt. Ausblick Das Marktpotenzial ist groß. Die Bevölkerung wächst, der Fischkonsum nimmt zu. Die Meere werden immer leerer. Die USA importieren schon den größten Teil ihres Fisches, weil die eigenen Bestände überfischt sind. Bei Organic Garden sucht man deshalb schon nach weiteren Standorten. Aus dem Ausland haben dafür schon die ersten Interessenten angeklopft. Die Zeichen stehen auf Wachstum, und daran will Matador teilhaben. Bärbel Brockmann [email protected] 24 Special „Investieren in Infrastruktur 2017“

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