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VC-Standorte-Regionen-2017

Stefan Franzke, Berlin Partner ihre Digitalisierungsstrategie umzusetzen oder sich dem Thema Industrie 4.0 zu widmen, dann ist das ein Gewinn für den Standort.“ Sein IHK-Kollege Pörksen sieht die Anziehungskraft für die süddeutschen Mittelständler vor allem in der reichhalti- gen Forschungs- und Wissenschaftsland- schaft: „Adlershof oder Berlin-Buch sind erste Anlaufstellen, wenn es um hochquali- fi zierte Entwicklungstätigkeiten geht. Hin- zu kommt das schier unerschöpfl iche Reservoir von über 180.000 Studierenden an den Universitäten und Hochschulen der Stadt.“ Davon profi - tieren auch die etablierten Cluster wie die seit Jahren in Berlin führende Gesundheitswirtschaft. Die Themen, die in der Haupt- stadt bearbeitet werden, sind anspruchsvoller geworden. „E-Commerce oder Games sind nicht mehr so dominant, mit Ausnahme des derzeitigen Trendthemas E-Sports, wo es sogar Olympiaden gibt“, stellt Bendisch fest. „Auch das Thema E-Lear- ning oder hochspezialisierte B2B- oder B2C-Plattformen sind bei den Investoren gefragt. Beispielsweise konzentriert sich die Plattform Inselberg auf die direkte Vernetzung von Models mit der werbetreibenden Industrie. Damit können Models mehr Geld verdienen, weil die Vermittlungsprovisionen der Agenturen wegfallen.“ Gute Chancen für Entwicklungen sieht Bendisch überall dort, „wo es noch intransparente Märkte gibt“. Neupositionierung als Fintech-Standort Einen Schub hat der Stadt auch die Entscheidung der Bundes- regierung gebracht, Berlin neben Frankfurt/Main als zweiten Leitstandort für Fintech-Unternehmen zu präferieren. Jetzt entstehen auch hier neue Arbeitsplätze, mehr als 160 Unterneh- men, die sich mit Lösungen für Banken, die Versicherungs- und Immobilienwirtschaft beschäftigen, hat Franzke gezählt. „Hier können wir die Bankenszene mit den Hochschulen, den vorhan- denen Hubs und Forschungseinrichtungen wie beispielsweise Fraunhofer vernetzen.“ Fokussierung auf die eigenen Stärken Berlin behauptet sich weiter als prosperierende Metropole in Deutschland. „Wir stehen auf Platz sieben in der Welt der Start-up-Ökosysteme“, so IHK-Geschäftsführer Pörksen. „Wir sollten jedoch auch aus dem Vergleichsmodus herauskommen und unsere Stärken noch besser herausstellen. München wird immer die Stadt bleiben, wo man schnell einen Zugang zu den Dax-Konzernen erhält. Auch das Ruhrgebiet wird seinen eigenen Stil fi nden. Unsere Philosophie besteht darin, dass hier stark wissensbasierte Technologien und Produkte entstehen, die dann auf ausgewählten Märkten im Ausland vertrieben werden.“ Sein Kollege Franzke ergänzt: „Mehr als 30% aller Berliner Start- ups beschäftigen sich inzwischen ausschließlich mit B2B- Lösungen und neuen Produktionsverfahren, etwa im Bereich des 3D-Drucks. Die Drucker werden hier gebaut, die Vertriebs- strukturen dann international aufgebaut, beispielsweise in Ame- rika. Wir unterstützen dann mit unseren internationalen Netz- werken.“ Zahlreiche anspruchsvolle Arbeitsplätze an der Schnittstelle von Digitalwirtschaft und anderen Branchen wie etwa der Automobilindustrie entstehen auf diese Weise und entwickeln sich zu Geheimtipps abseits des medialen Interes- ses. So siedelte VW im vergangenen Jahr sein Digital:Lab in Berlin an. Softwareexperten arbeiten hier an einem digitalen Ökosystem, das neue Mobilitätsservices sowie Dienste rund um das vernetzte Fahrzeug bietet. Auf über 50 Arbeitsplätze ist das Lab inzwischen gewachsen. Mietpreise steigen – und eröffnen neue Geschäftsfelder Der Zuzug vor allem ausländischer Fachkräfte und Gründer macht sich inzwischen auf dem Immobilienmarkt bemerkbar. „Seit 2003 haben sich die Mieten in der Innenstadt nahezu ver- doppelt“, hat Hartmann festgestellt. „Damit nähert sich Berlin zwar den innerdeutschen Städten an, ist aber im Vergleich zu London oder Paris immer noch günstig.“ Gleichzeitig profi tiert davon die hauptstädtische Bauwirtschaft, inzwischen werden die Handwerker in der Region knapp. Das wiederum inspiriert die Unternehmen, auch hier neue Geschäftsmodelle zu entwi- ckeln. Hartmann etwa hat mit ServicePartnerOne den virtuellen Facilitymanager aufgebaut und fi nanziert. Fazit Arm, aber sexy – das galt einmal für Berlin. Inzwischen steigen nicht nur die Mieten kräftig in Berlin, auch die Produkte und Technologien, die aus der Bundeshauptstadt kommen, sind komplexer und anspruchsvoller geworden. Torsten Holler redaktion@vc-magazin.de VentureCapital Magazin | Standorte & Regionen 2017 m o c . e b o d a . k c o t s – o k s a a B l f l o d u R © : o t o F 37

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