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VC-Standorte-Regionen-2017 - Nicht einfach nur ein Ort

Kommentar | Das Konzept Gründerzentrum

Süden | Kommentar Das Konzept Gründerzentrum Nicht einfach nur ein Ort Mehr als je zuvor in den vergangenen vier Jahrzehnten scheinen Gründergeist und Unternehmertum derzeit ein gesellschaftliches Thema in Deutschland zu sein. Hunger auf unternehmerischen Erfolg liegt förmlich in der Luft. Auch weil Start-ups als mögliche Lösung für die sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen von heute und morgen gelten. Selbst zu gründen wird zunehmend zur Karriereoption. In der Folge entstehen überall Acceleratoren, Entrepreneurship-Center und Inkubatoren, ergänzt um Co-Workingspaces und Gründer-Communities, -Stammtische und -Kongresse. Wenn diese Einzelteile erfolgreich zusammenspielen, werden daraus Cluster, Hubs und Hotspots – oder mit anderen Worten: eine Szene. Soweit zur Theorie. Doch all das beginnt meistens an einem Ort, durch wenige Personen initiiert. Häufi g ist die Eröffnung eines Gründerzent- rums der Versuch, einen solchen lokalen Nukleus zu erzeugen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass dieser Ansatz defi nitiv zum Erfolg führen kann. Gut umgesetzt kann von einem solchen Ort eine Entwicklung ausgehen, von der die gesamte Region nachhaltig profi tiert. Gründerzentren können sich zu Epizentren des digitalen Fortschritts entwickeln und so für viel Dynamik und hohe Sichtbarkeit für den Standort sorgen. Gründerzentrum, das, Nomen; Nach meinem Verständnis ist ein Gründerzentrum ein neutraler Ort, an dem Gründer Starthilfe für die schwierige Anfangszeit erhalten. Wo sie optimale Voraussetzungen, Unterstützung, Feedback und Gleichgesinnte fi nden – und vielleicht sogar den Zugang zur ersten Finanzierung. Ziel der täglichen Arbeit muss es sein, Gründer und ihre Teams bestmöglich in ihrer Entwick- lung zu unterstützen. Allein die Gründer, deren Visionen und Herausforderungen müssen im Fokus stehen. Zwar müssen viele Gründerzentren trotz öffentlicher Förderung auch Umsätze generieren, aber das darf niemals zur Hauptsache werden. Gleichzeitig bedeutet ein optimales Umfeld für mich nicht unbe- dingt, dass für die Gründer alles kostenlos ist. Unternehmertum hat automatisch auch mit Kostendruck zu tun. Würde man diesen Aspekt durch falsche oder zu viel Förderung völlig ausklammern, schüfe man künstlich Spielwiesen, ohne Bedro- hungen, aber auch ohne jeden Bezug zur Realität. Überhaupt bin ich davon überzeugt, dass man Gründern und ihren Teams am besten hilft, indem man sie fordert. Als Gründerzentrum ist man wie der Beckenrand im Schwimmbad – ein guter Ort, um anzu- fangen und sich bei Bedarf daran festzuhalten... aber ins berühmte kalte Wasser muss jeder selbst eintauchen. Trocken- übungen oder nur Füße reinhalten gilt nicht und hilft nieman- dem. Mittel- und langfristiges Ziel eines Gründerzentrums müssen in meinen Augen die Entwicklung eines funktionieren- den regionalen Ökosystems, rund um technologische und digitale Geschäftsideen, und die Unternehmen dahinter sein. Ein solches aufzubauen ist nur im ständigen Doppelpass mit allen Beteiligten möglich. Es ist nicht damit getan, einfach nur Start-ups zu beherbergen. Es geht auch um die Vernetzung der Teams mit der Wirtschaft am Standort, um den Draht in die Hochschulen, um Visibilität für die Start-ups und vieles mehr. Dr. Franz Glatz ist seit dem 01.07.2017 Geschäftsführer des brigk – des neuen Di- gitalen Gründerzentrums der Region Ingolstadt. Der promovierte Chemiker versteht sich selbst als Vernetzer und Vermittler zwischen Start-ups, Wirtschaft, Politik und der Öffentlichkeit. Er arbeitet be- reits seit über 16 Jahren eng mit Gründern und Start-ups zusam- men, war sechs Jahre Vorstand des europäischen Verbandes für Inkubatoren und Acceleratoren und leitete zuletzt als Geschäftsfüh- rer das Werk1 in München. Was ein Gründerzentrum nicht sein darf: Mit diesen Zielen im Blick ist auch klar, welche Funktionen ein Gründerzentrum nicht übernehmen kann und darf: • Kaderschmiede Ganz besonders wenn man als Einrichtung eng mit DAX-Kon- zernen oder bekannten internationalen Marken wie z.B. Audi oder Media-Saturn zusammenarbeitet, kann dieser Eindruck nach außen schnell entstehen... Jedoch darf es niemals im Vordergrund stehen, junge Leute auszubilden oder fachlich zu entwickeln. In diesem Moment würden eigenverantwort- liche und unabhängige Entrepreneure zu Studenten und Trainees und das Gründerzentrum zur Aus- und Weiter- bildungseinrichtung. Das wäre eine totale Themaverfehlung. 48 Standorte & Regionen 2017 | VentureCapital Magazin

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