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VC-Standorte-Regionen-2017 - Direktvermarkter von Strom aus erneuerbaren Energien

Case Study | Next Kraftwerke GmbH: Kraftwerksbetreiber ohne eigenes Kraftwerk

Westen | Case Study Next Kraftwerke GmbH: Kraftwerksbetreiber ohne eigenes Kraftwerk Direktvermarkter von Strom aus erneuerbaren Energien Next Kraftwerke ist Betreiber eines der größten virtuellen Kraftwerke in Europa und zertifi zierter Stromhändler an verschiedenen europäischen Strom- börsen wie EPEX und EEX sowie an Regelleistungsmärkten. Das virtuelle Kraftwerk Next Pool vernetzt etwa 4.250 kleine und mittelgroße strompro- duzierende und stromverbrauchende Anlagen, u.a. Biogas-, Wind- und Solaranlagen. Die vernetzte Erzeugungsleistung liegt bei über 2.900 MW. „Seit Gründung mussten wir unser Geschäftsmodell immer wieder anpassen, z.B. an geänderte regulatorische Rahmenbedingungen im Energiemarkt oder an neue Technologien. Der grundlegende Gedanke, über die Plattform kleinere Strommarktakteure zu bündeln und deren Flexibilität für das Gesamtsystem zu heben, ist aber immer unser Kern geblieben“, erläutert Hendrik Sämisch, der Next Kraftwerke 2009 zusam- men mit Jochen Schwill gegründet hat. Heute vernetzt Next Kraftwerke fl exible Strom- produzenten und -verbraucher und befähigt diese zur Leistungsoptimierung anhand aktu- eller Preisprognosen sowie Demand-Response- Lösungen. Energie ist über die letzten Jahr- zehnte ein recht schwieriger Sektor für Unternehmensgründungen gewesen. Durch mehrere Megatrends der letzten beiden Jahrzehnte – Liberalisie- rung, Energiewende, Digitalisierung – sei der Energiesektor aber nun umgebrochen und somit reif für neue Geschäftsideen, gibt Schwill zu bedenken. Zudem gelte, dass neue Geschäftsmodelle häufi g erst in den bestehenden regulatorischen Rahmen integriert werden müssten, bevor es an die praktische Umsetzung gehe: „Da wartet man schon mal zwei, drei Jahre, bevor man überhaupt ans Geldverdienen denken kann“, weiß Sämisch. Dennoch, so Klaus Lehmann, Senior Investmentmanager beim High-Tech Gründer- fonds (HTGF), sei Next Kraftwerke ein gutes Beispiel, wie Start-ups zentrale Herausforderungen wie die Inte gration erneuerbarer Ener- gien in etablierte Energiemärkte mit neuen Technologien lösen. Hendrik Sämisch, Next Kraftwerke Von der Hochschule zum internationalen Player Wichtige Meilensteine der Unternehmensentwicklung seit Grün- dung waren der Aufbau der ersten technologischen Infrastruktur bis 2011, der Aufbau eines eigenen Stromhandels bis ca. 2012 sowie das Erreichen des Break-even 2013. In den letzten drei Jahren habe das Thema der Internationalisierung einen großen Raum einge- nommen, so die Gründer: „Dort haben wir bereits einige Meilen- steine wie die Zulassung für Regelenergiebereitstellung über unser virtuelles Kraftwerk in Belgien und Österreich realisiert“, freut sich Sämisch. Zudem besitze Next Kraftwerke inzwischen Niederlassun- gen in fünf weiteren europäischen Ländern. Lehmann zeigt sich beeindruckt „von der Entwicklung einer Ausgründung mit zwei Mitarbeitern und einem Businessplan zu einem Unternehmen mit nachhaltig profi tablem Wachstum und erfolgreicher Internationali- n u a r B r e f i n n e J / e k r e w t f a r K t x e N © : o t o F Die Next Box verbindet die Anlagen im Next Pool mit dem Leitsystem. sierung“. Die Idee zu Next Kraftwerke hat ihren Ursprung in der von Schwill und Sämisch erforschten Frage, wie der Zubau von erneuerbaren Energien die Märkte aufrüttelt und wie man der Volatilität von Solar und Wind begegnen kann. Finanzierungsrunden Als Mitarbeiter am Energiewirtschaftlichen Institut der Universität zu Köln (EWI) warben Schwill und Sämisch 2009 das Exist-Gründer- stipendium des BMWi ein und gründeten die Next Kraftwerke GmbH. Nahtlos schloss sich daran eine erste Finanzierung des High-Tech Gründerfonds im April 2010 an. Next Kraftwerke hat bis 2013 bereits vier Finanzierungsrunden mit einem Gesamtvolumen im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich vollzogen. Investo- ren der ersten Runden waren neben dem HTGF insbesondere Neuhaus Partners und Hamburg FOR Mobile. Diese Finanzierungs- runden dienten dem Aufbau der leittechnischen Infrastruktur sowie des nötigen Personals. Im Mai 2017 erwarb das niederländische Erneuerbare-Energien-Unternehmen Eneco-Group 34% der Anteile. Ausblick Die Beteiligung ermöglicht die weitere strategische Expansion von Next Kraftwerke und trägt dazu bei, die Energiewende durch den Einsatz digitaler Technologien zu beschleunigen. Dazu passend bescheinigt Investmentmanager Lehmann den Gründern ein wahn- sinnig gutes Gespür dafür, neue Produkte für die sich ändernden Energiemärkte zu entwickeln und in den Märkten zu etablieren. Marc Kley redaktion@vc-magazin.de VentureCapital Magazin | Standorte & Regionen 2017 65

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