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VC-Standorte-Regionen-2017

Berlin als mittlerweile feste Größe innerhalb der interna- tionalen Start-up-Hotspots, eine wachsende deutsche Venture Capital-Landschaft und Politiker jeder Couleur, die sich wieder und wieder öffentlichkeitswirksam für mehr Unternehmertum aussprechen – man könnte den Eindruck gewinnen, Deutsch- land wäre der ideale Standort um zu gründen. Und dennoch haben laut dem Gründungsmonitor der KfW im vergangenen Jahr so wenige Menschen wie noch nie seit Beginn der Erhe- bung den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. In absoluten Zahlen waren es gerade einmal 672.000. Fast zwei Drittel davon waren Nebenerwerbsgründer. Die Gründe für diese Zurückhal- tung sind vielschichtig. Neben schwer greifbaren Faktoren wie beispielsweise einer deutschen Risikoaversion gibt es auch eindeutig belegbare Ursachen. Eine davon ist der starke Arbeitsmarkt. Starke Wirtschaft drückt Gründungsfreudigkeit Die deutsche Wirtschaft brummt seit Jahren. Laut der KfW wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt 2016 um 1,8%. Bereits im Vorjahr stand ein Plus von 1,5% zu Buche. Diese Entwick- lung schlägt sich direkt auf den Arbeitsmarkt nieder. Noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung standen so viele Men- schen in Lohn und Brot. Die Erwerbslosenquote lag 2016 bei 3,9%. Daraus folgt, dass nicht nur die Zahl der Gründungen, die aus einer wirtschaftlichen Notsituation heraus entstehen, sinkt, sondern auch alle anderen. Attraktive Gehälter, fl exible Arbeitszeit- und -ortmodelle und die vermeintliche Sicherheit eines etablierten Unternehmens sind vielfach starke Argumente Anteil von Gründern mit Marktneuheiten (in %) 25 20 15 10 5 0 11 12 8 10 7 9 7 9 9 5 2012 2013 2014 2015 2016 regionale Marktneuheit überregionale Marktneuheit Quelle: KfW Rangfolge der Bundesländer nach Gründungstätigkeit im Drei-Jahres-Durchschnitt Hamburg Berlin Hessen Bremen Bayern Nordrhein-Westfalen Sachsen Niedersachsen Baden-Württemberg Schleswig-Holstein Rheinland-Pfalz Mecklenburg-Vorpommern Saarland Thüringen Brandenburg Sachsen-Anhalt Quelle: KfW Rang 2013-2015 2 1 3 4 6 5 12 7 10 8 9 14 15 11 13 16 Rang 2014-2016 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 gegen eine eigene Gründung. Ganze 19% der Gründer des ver- gangenen Jahres hatten Bedenken wegen besserer Arbeitsplätze oder höherer Karrierechancen in abhängiger Beschäftigung, wie aus dem Gründungsmonitor hervorgeht. Neu: Wachstumsgründungen Doch fi nden sich auch Lichtblicke in der KfW-Erhebung. So ist zwar auch die Zahl der sogenannten Chancengründer gesunken, von denen ein „besonderer volkswirtschaftlicher Beitrag zu erwarten“ sei, das Verhältnis von Not- zu Chancengründern sei allerdings noch nie so gut gewesen, so die Bank. Dies sei inso- fern positiv, als dass diese Jungunternehmen häufi ger Markt- neuheiten entwickeln, öfter Mitarbeiter beschäftigen und in der Regel auch länger bestehen als Notgründungen. Erstmals erfasst wurden auch die Wachstumsgründungen. Die KfW fasst hierunter Unternehmen zusammen, die digitaler, innovativer und kapitalintensiver als andere Gründungen sind. Ihre Zahl lag 2016 bei 115.000, also bei 17% des gesamten Aufkommens. Die anderen 83% der Gründer bevorzugen eine Unternehmens- größe, die sie selbst oder nur mit wenigen Mitarbeitern leiten können. Interessanterweise ist der Anteil der Wachstums- gründungen sowohl bei den Chancen- als auch bei den Not- gründern mit 18% bzw. 15% beinahe gleich groß. Hamburg überholt Berlin Betrachtet man das Gründungsgeschehen in den einzelnen Bun- desländern, zeigt sich ein heterogenes Bild. Während in zwölf Ländern die Anzahl der Gründer je 10.000 Erwerbsfähige im Zeitraum zwischen 2014 und 2016 sank, legten vier Länder zu. So gründeten beispielsweise im Saarland 13 Personen mehr als VentureCapital Magazin | Standorte & Regionen 2017 7

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