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VC-Standorte-Regionen-2017

Kunzmann: Die eben angesprochenen Biotechnologie-Cluster sind sicherlich Vorzeigeprojekte. Hier wird versucht, durch die Nähe zur Universität Themen zu besetzen. Auch das erwähnte innovation incubation center (i2c) der Wiener TU ist insbeson- dere in Zukunftsfeldern wie Industrie 4.0 und Internet of Things aktiv. Darüber hinaus sind in den letzten Monaten weitere Impulse und Initiativen zur Errichtung von Acceleratoren zu beobachten – beispielhaft seien Talent Garden, weXelerate oder der Start-up-Campus Tabakfabrik Linz genannt –, die hoffentlich komplementär wirken, jeder für sich bestimmte Themenfelder adressieren und damit gemeinsam mit dem aws Gründerfonds sowohl internationale Start-ups wie auch internationale Investoren nach Österreich holen werden. VC Magazin: Im österreichischen Beteiligungsmarkt fand 2016 praktisch kein Fundraising statt. Welche Gefahren birgt diese Entwicklung? Kunzmann: Für den digitalen Sektor haben wir mit Speedinvest einen heimischen Venture Capital-Fonds und Co-Investor, der mit einem Volumen von 90 Mio. EUR erst Ende 2015 geschlossen wurde. Daneben gibt es mit dem aws Gründerfonds einen 70 Mio. EUR schweren Anschub- und Anschlussfinanzierer, der nicht nur digitale Geschäftsmodelle, sondern auch schutzwür- dige Hochtechnologie und Life Sciences finanziert. Dann war es das leider auch schon mit den klassischen Venture Capital- Gesellschaften. Daher ist das Vorgehen am Markt aktuell so, dass wir bei jeder Finanzierungsrunde konsequent Kapital aus dem Kreis unserer internationalen Co-Investoren mobilisieren. Wir konnten so in den vergangenen vier Jahren von den ein- gangs erwähnten rund 65 Mio. EUR gut 40 Mio. EUR aus unserem Co- Investoren-Netzwerk nach Österreich fließen lassen. VC Magazin: Momentan entsteht mit capital300 ein neuer Fonds. Ein Zeichen, dass nach der Start-up-Szene auch die Venture Capital-Branche in Österreich langsam, aber sicher wächst? Kunzmann: Die Impulse der vergangenen Jahre – sowohl von privater als auch von öffentlicher Seite – zeigen offenbar erste Wirkung und lassen die Erkenntnis mehr und mehr reifen, dass es hierzulande einen Nährboden für gute Start-ups gibt. Der Umstand, dass diese dann auch auf dem Radar internationaler Investoren sichtbar werden, zieht natürlich auch nach sich, dass mehr Kapitalgeber vor Ort entstehen. Der Platz dafür ist auf jeden Fall gegeben. Insbesondere wenn man die Start-up- Landschaft differenziert betrachtet: In den Segmenten Deeptech oder Life Sciences – also schutzwürdige Technologien – hat die hiesige Venture Capital-Szene noch erheblichen Aufholbedarf. VC Magazin: Welche Bedeutung kommt öffentlichen Investoren zu? Kunzmann: Das übergeordnete Wirkungsziel ist klar, die öster- reichische Start-up-Szene mit ausreichend Venture Capital zu versorgen. Um das zu erreichen, bedienen wir uns zweier kom- plementärer Instrumente: Mit dem aws Gründerfonds machen wir österreichische Technologieunternehmen für internationale Investoren visibel. Wir betreiben aktives Deal Sourcing und sind damit für internationale Co-Investoren ein attraktiver Partner mit exzellentem Marktzugang. Wir wollen bei unseren Invest- ments immer Mehrwert über das Geld hinaus für die Unterneh- g n u l l e t s r a D e n e g E i , m o c . e b o d a . k c o t s – s u a m r o t k e V © : o t o F men schaffen. Dazu suchen wir uns auch Partner, mit denen wir uns idealerweise ergänzen: Während wir uns um die komplette Finanzierungsseite kümmern, dazu unser Netzwerk und Know- how einsetzen, das Unternehmen auf Folgefinanzierungen vorbereitet und Zugang zu Förderungen und Bankfinanzierun- gen ermöglicht, unterstützen komplementäre Partner zum Bespiel eher beim Vertriebsaufbau oder der industriellen Skalierung. Auf der anderen Seite ist die aws auch als Fund of Fund-Investor am Markt aktiv und investiert in Wagniskapital- fonds, um Kapital für die österreichische Start-up-Landschaft bereitzustellen. Dabei beteiligen wir uns auch an internatio- nalen Fonds, die mit diesen Mitteln dann wieder in österrei- chische Jungunternehmen einsteigen. VC Magazin: Das Land verfügt über weit zurückreichende Verbin- dungen nach Osteuropa. Wie können diese für das Gründungs- geschehen in Österreich genutzt werden? Kunzmann: Die Verbindung nach Osteuropa wird in Zukunft vielleicht noch bedeutender werden, als sie heute schon ist. Insbesondere Wien ist das Drehkreuz zwischen West- und Osteuropa. Dieser Hebel kann meines Erachtens in beide Richtungen wirken. Zum einen können Start-ups aus West- europa Zugang zu CEE-Märkten erhalten. Umgekehrt funktio- niert dies natürlich genauso. Wir sourcen unseren Dealflow gezielt auch außerhalb Österreichs und zeigen auf, dass wir hier ein attraktives Ökosystem aufbauen, das es internatio- nalen Technologieunternehmen attraktiv macht, sich hierzu- lande anzusiedeln. Inzwischen haben etwa 10% unserer Portfolio unternehmen ihre Wurzeln außerhalb des Bundes- gebietes und konnten in Österreich erfolgreich angesiedelt werden. Der zehnte Platz für Wien beim Ranking der dies- jährigen Start-up Heatmap Europe beschreibt den ersten Erfolg dieser Bemühungen und begründet sich unter ande- rem in den Standortvorteilen eines starken Fördersystems, einer guten Infrastruktur mit attraktiver Cost-Benefit-Ratio und natürlich dem Zugang zu gut ausgebildeten Mitarbeitern. Diese Entwicklung wollen wir auch mit Blick auf unser Port- folio in Zukunft weiter ausbauen. benjamin.heimlich@vc-magazin.de VentureCapital Magazin | Standorte & Regionen 2017 71

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