Sechs Fragen an Harry Böhme, Novaled AG

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VC Magazin: Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus, und was hat Sie dazu gebracht, als CFO zu einem Technologieunternehmen zu wechseln?

Böhme: Ich habe meine Laufbahn als Rechtsanwalt begonnen, war zehn Jahre selbstständig und habe mich dann entschieden, eine andere Richtung einzuschlagen. Ich bin in die Industrie gegangen, zunächst in die Software-Industrie. Dort habe ich mich einige Jahre auf den rechtlichen Bereich konzentriert und danach den Finanzbereich in einem Unternehmen mit übernommen. Als Novaled einen CFO suchte, hielt ich das für eine interessante Chance. Zum einen, weil Nanotechnologie ein spannendes Themengebiet ist, und zum anderen, weil ich es interessant finde, ein Unternehmen zu begleiten, das mit Venture Capital finanziert ist. Die Investoren planen natürlich einen Exit – und für einen CFO ist ein Börsengang oder ein Verkauf einfach eine spannende Geschichte.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen?

Böhme: Für meine persönliche Laufbahn war es die beste unternehmerische Entscheidung, zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas völlig anderes zu machen. Rückblickend auf meine Biografie war der Wechsel vom Anwalt über den Unternehmensjuristen zum Finanzvorstand eine sehr gute Entscheidung, weil ich aus allen vorherigen Tätigkeiten wichtige Erfahrungen mitnehmen konnte. Bei Novaled begleite ich das Unternehmen als CFO gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen quasi als Mitunternehmer. Unsere Erfahrung ist, dass man immer wieder durchdenken sollte, ob man das Richtige tut. Beim Blick auf die Historie von Novaled bemerkt man, dass das Augenmerk in den ersten Jahren ganz klar auf Anwendungen in der Display-Industrie lag. Der Markt und das Umfeld haben jedoch gezeigt, dass auf lange Sicht möglicherweise der Beleuchtungsbereich mindestens genauso wichtig ist, vielleicht sogar viel wichtiger werden wird. Mit einem kleinen Unternehmen kann man sich die Freiheit nehmen, auf solche sich verändernden Bedingungen flexibel zu reagieren.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als guter Lehrmeister. Aus welchen schmerzhaften Erfahrungen als Unternehmer haben Sie besonders viel gelernt?

Böhme: Richtig verbrannt habe ich mir die Finger eigentlich nie, aber natürlich hat man in Unternehmen immer mal kritische Situationen. Ich erinnere mich an einen Fall aus der Zeit, bevor ich zu Novaled kam. Wir haben dort eine Entwicklungspartnerschaft geplant, die für ein neues Produkt sehr wichtig war. Wir haben hier trotz langer und erfolgversprechender Verhandlungen mit einem potenziellen Partner auch eine Alternative mit jemand anderem verhandelt. Tatsächlich ist eine Woche, bevor der Deal geschlossen werden sollte, die Entwicklungspartnerschaft geplatzt und wir waren froh, eine Alternative zu haben. Unser Vorgehen war also genau richtig, obwohl es jeder für doppelten, unnötigen Aufwand gehalten hat. Die Lehre, die ich für mich gezogen habe, lautet: Es mag alles noch so toll aussehen, was man unmittelbar vor Augen hat – wichtig ist immer, auch über die Alternative nachzudenken. Denn viele Dinge, die man sich vornimmt, hängen von Faktoren von außen ab und wenn einer davon nicht funktioniert, steht man möglicherweise mit leeren Händen da.

VC Magazin: Welche Teile der hiesigen Förderinfrastruktur schätzen Sie vor dem Erfahrungshintergrund der Novaled AG als besonders hilfreich für junge Unternehmen ein?

Böhme: Ich halte das Förderumfeld in Deutschland und speziell in Sachsen für sehr positiv. Wir können als risikokapitalfinanziertes Unternehmen Investitionen nur in begrenztem Umfang selber stemmen, da man, solange man keine Gewinne macht, keinen Zugang zu Fremdkapital hat. Deswegen ist die Investitionszulage eine große Hilfe, da sie uns erlaubt, beispielsweise eine teure Produktionsanlage zu kaufen. Außerdem ist die Forschungsförderung wichtig für uns, weil wir an Produkten der Zukunft arbeiten, die auch erst in der Zukunft Umsatz generieren werden. Dank dieser Förderung können wir mit mittlerweile über 100 Mitarbeitern energieeffiziente Technologien und Materialien entwickeln, die eben nicht sofort Umsatz erzeugen müssen.

VC Magazin: Novaled ist seit 2005 im BioInnovationsZentrum Dresden angesiedelt. Welche Vorteile hat das bei der Unternehmensentwicklung mit sich gebracht?

Böhme: Ein großer Vorteil des Gründerzentrums ist die Flexibilität, Räume bei Bedarf hinzumieten zu können. Wir haben mit einer Fläche von 1.400 m² angefangen und mieten heute über 2.400 m², dazu sind wir von 40 auf 110 Mitarbeiter angewachsen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Mieten zumindest am Anfang niedriger sind als auf dem freien Markt, weil das Technologiezentrum öffentlich gefördert wird. Der Vermieter hat Investitionen in Labore und Reinräume getätigt, die wir ohne große Anfangsinvestitionen über die Miete bezahlen konnten. Hinzu kommt auch noch die angenehme Atmosphäre dort mit vielen jungen Unternehmern um uns herum. Das Zentrum ist sehr wissenschaftlich, teilweise noch universitär geprägt, was ein interessantes und spannendes Umfeld auch für unsere Mitarbeiter darstellt. Unser nächster Entwicklungsschritt wird im Laufe der nächsten zwei Jahre ein Auszug aus dem Gründerzentrum sein, weil wir dafür zu groß und wohl auch zu reif geworden sind. In Dresden werden wir aber bleiben, weil das europäische Zentrum für organische Elektronik ein wichtiger Standort für uns ist. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll dann auch der Exit unserer Venture Capital-Investoren realisiert werden, die uns in der Vergangenheit hervorragend begleitet haben, aber deren Beteiligung natürlich zeitlich begrenzt ist.

VC Magazin: Wie sehen die Planungen für Ihre persönliche Zukunft aus?

Böhme: Ich versuche persönlich nicht zu viel zu planen. Ich habe schon einige Brüche im Leben hinter mir, die äußerst positiv waren. Für das Unternehmen sind sicherlich die nächsten zwei Jahre eine wichtige Zeit. Danach wird es für mich voraussichtlich wieder einmal einen radikalen Wechsel geben. Ich werde etwas Neues machen; was das sein wird, kann ich leider nicht sagen, da ich es selber noch nicht weiß. Es gibt zum Glück viele spannende Themen.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Böhme!

Das Interview führte Helena Zitzmann.

Zum Gesprächspartner

Harry Böhme ist CFO der Dresdner Novaled AG. Nach dem Jurastudium war er zehn Jahre lang als Rechtsanwalt tätig, wechselte danach in den rechtlichen Bereich eines internationalen Software-Unternehmens, bevor er im Finanzbereich einer E-Commerce Software-Gesellschaft tätig war. Novaled, 2003 gegründet, gilt als weltweit führend im Bereich organischer Leuchtdioden (OLED-Technologie).