Deutschland liegt hinter Großbritannien und Frankreich

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Frankreich hat aufgeholt

Was das Engagement von Business Angels angeht, sind zwei Länder in Europa führend: In Großbritannien haben im Jahr 2009 gut 5.700 und in Frankreich rund 3.650 Business Angels Start-ups mit Kapital und Know-how versorgt. Im gleichen Jahr gingen die privaten Investoren in beiden Ländern jeweils mehr als 300 Deals ein und investierten dabei in Großbritannien 53 Mio. EUR (inklusive Koinvestments), in Frankreich sogar 64 Mio. EUR. Ein Blick in die nahe Vergangenheit zeigt jedoch einen deutlichen Trend: Während das Vereinigte Königreich traditionell über eine starke Business Angel-Kultur verfügt, in den letzten Jahren stets die europäische Rangliste anführte und seit 2005 konstant zwischen 4.500 und 5.500 Business Angels zählte, zählte man in Frankreich im Jahr 2005 gerade einmal rund 1.300 Business Angels.

Deutschland liegt zurück

Da es für Deutschland bislang keine verlässlichen Angaben zur Anzahl von Business Angels gibt, ist ein direkter Vergleich auf dieser Basis schwierig. Die bisherigen Schätzungen gehen von rund 1.400 Business Angels hierzulande aus – was etwas weniger als einem Viertel der Anzahl der englischen Engel entspricht. Auch wenn ein Vergleich der Zahlen mit Vorsicht zu genießen ist, zeigen die aus der täglichen Praxis gewonnenen Einschätzungen: Deutschland hat großen Entwicklungsbedarf. Und das einmal mehr, wenn man berücksichtigt, dass Deutschland mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2.300 Mrd. EUR die größte Volkswirtschaft in Europa ist und dass hierzulande mit 82 Millionen Einwohnern rund ein Viertel mehr Menschen als in Frankreich oder in Großbritannien leben.

Großbritannien ist Pionier

In Europa ist Großbritannien also der Vorreiter in Sachen Business Angels. So wundert es nicht, dass auch auf den britischen Inseln bereits in den frühen 1980er-Jahren die ersten europäischen Business Angel-Netzwerke (BAN) gegründet wurden. Heute sind in Großbritannien gut 80 von ihnen aktiv. Auf diesen Parameter bezogen verfügt auch Frankreich mit ebenfalls 80 Netzwerken im Jahr 2009 über eine nahezu identisch starke Szene. Zurückzuführen ist diese Zahl, die in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen ist, vor allem auf den sehr aktiven Dachverband France Angels, der seit Mitte der 1990er-Jahre Netzwerke strukturiert über das ganze Land verteilt aufbaut. Deutschland dagegen zeigt sich als verspätete Nation: So wurden erst Ende der 1990er-Jahre regionale Netzwerke sowie das Business Angel Netzwerk Deutschland (BAND) als Dachverband gegründet. Zwar sind mittlerweile ca. 40 Netzwerke aktiv, jedoch ist diese Zahl im Vergleich zur volkswirtschaftlichen Stärke Deutschlands als eher gering einzustufen. Außerdem stagniert – anders als in Frankreich – die Entwicklung. Zwar sind in den letzten Jahren einige neue Organisationen entstanden, gleichzeitig haben aber auch einige ihre Aktivitäten wieder eingestellt.

Englische und französische Engel werden bevorzugt

Nationale Unterschiede gibt es auch in der Förderung der Tätigkeiten. Während in Deutschland faktisch keine (nennenswerte) steuerliche Förderung für Business Angel-Investments existiert, sind die entsprechenden Rahmenbedingungen in den beiden anderen großen Volkswirtschaften der Europäischen Union deutlich freundlicher. Französische Business Angels können zum Beispiel 25% des gesamten investierten Betrags bis zu einem Maximalbetrag von 20.000 EUR von der Einkommensteuer absetzen. Außerdem können bei der Berechnung der Vermögensteuer 75% der investierten Summe bis maximal 50.000 EUR geltend gemacht werden. In Großbritannien sind die steuerlichen Anreize für Business Angels sogar noch umfassender. So werden die Engel dank des sogenannten Enterprise Investment Scheme (EIS) gleich in dreifacher Weise steuerlich bevorteilt: Erstens gibt es Begünstigungen, wenn sie das Investment tätigen, zweitens, wenn sie Veräußerungsgewinne realisieren, und drittens auch, sollte es zu Verlusten kommen. Ganz aktuell wurden im März 2011 zudem die Konditionen weiter verbessert: So können britische Engel künftig sogar 30 statt wie bisher 20% der Anschaffungskosten der erworbenen Anteile von der Steuer abziehen.

Fazit:

Großbritannien ist bei Business Angels der Vorreiter in Europa, doch Frankreich hat in den letzten fünf Jahren stark aufgeholt. In Deutschland könnten wir von diesen Erfahrungen sicherlich einiges lernen. Ein erster und wichtiger Schritt wäre die Einführung steuerlicher Anreize nach dem Vorbild Großbritanniens. Zusätzlich wären aber auch andere Faktoren wichtig, um die Szene zu beleben: die Stärkung der bestehenden und der Aufbau von neuen Business Angel-Netzwerken oder auch grundsätzlich die Bedeutung von Business Angels in der Gesellschaft bekannter zu machen.

Zu den Autoren
Baumann BrigitteHostrup ArneBrigitte Baumann ist Geschäftsführerin der GoBeyond Ltd. und Präsidentin des European Business Angel Network (EBAN). Arne-G. Hostrup ist Geschäftsführer von netzwerk nordbayern und EBAN-Vorstandsmitglied.