Neun Fragen an Cornelius Hald, Kodira

Kodira
Cornelius Hald, Thomas Janke, Marius Feldmann und Hauke Menges (v.l.n.r.) haben den Grundstein für Kodira gelegt. Kurz vor der offiziellen Firmengründung stieß Stefan Kunath (fehlt im Bild) als fünfter Mann dazu.
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VC Magazin: Wie kam es zu der Idee für Ihr Start-up?

Hald: Tourschall (http://tourschall.com) ist die technische Plattform zur Erstellung von hochwertigen, ortsbasierten Audio-Reiseführern für Smartphones. Wir ermöglichen es unseren Partnern, ihre Inhalte einfach, schnell und kostengünstig über unsere Apps zu publizieren. Mit der Tourschall-App kann man eine geführte Tour starten und sobald man in der Nähe einer Sehenswürdigkeit ist, wird einem die entsprechende Geschichte dazu erzählt. Die Idee kam auf, als wir Ende 2009 einen Kurztrip nach Barcelona machen wollten. Das ewige Blättern und Suchen in gedruckten Reiseführern kam uns doch sehr altmodisch vor. Wir wollten eine Lösung, bei der man die Hände frei hat und den Blick auf das Wesentliche richten kann – nämlich die Stadt in der man gerade ist.

VC Magazin: Wie haben Sie erste Finanzierung Ihrer Gründungsidee gestemmt und wie verlief die weitere Suche nach Kapital?

Hald: Wir haben uns mit der Idee bei Dresden exists (www.dresden-exists.de) vorgestellt und gemeinsam einen Antrag für das EXIST-Gründerstipendium gestellt. Der Antrag wurde bewilligt, was zwei der vier Gründer ermöglichte, Vollzeit an der Realisierung zu arbeiten. Die anderen beiden Team-Mitglieder sind weiter ihrer regulären Arbeit nachgegangen und haben ihre Wochenenden und Abende investiert. Für das zweite Jahr konnten wir glücklicherweise noch das SAB Seed-Stipendium einwerben. Kurz vor der anschließenden Firmengründung kam dann noch Stefan Kunath dazu, um uns im Vertrieb zur Hand zu gehen.

VC Magazin: Was sprach gegen die Karriere als Angestellter und wie hat sich das Gründerteam zusammengefunden?

Hald: Wir kannten uns alle bereits seit mehreren Jahren, da wir gemeinsam an der TU Dresden studiert haben. Jeder von uns hatte bereits Erfahrungen als Angestellter in der freien Wirtschaft, als Doktorand in EU-Projekten oder als Freelancer. Letztlich wollten wir aber schon seit langem selbst etwas auf die Beine stellen, einer Sache unseren Stempel aufdrücken und eben nicht nur Teil einer großen Maschinerie sein.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen

Hald: Natürlich gibt es Details, die ich heute mit mehr Erfahrung anders angehen würde als früher, aber im Großen und Ganzen würde ich diesen Weg wieder gehen. Es war teilweise sehr hart, aber gerade dadurch habe ich eine Menge gelernt.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Aus welchen schmerzhaften Erfahrungen konnten Sie besonders viel lernen?

Hald: Die erste App, die wir bei Apple eingereicht haben wurde abgelehnt. Nicht aufgrund eines Details, sondern aufgrund einer Tatsache, die Kernbestandteil unseres Geschäftsmodells war. Die Ablehnung war endgültig und wir standen von einem Tag auf den anderen ohne Geschäftsmodell da. Das war natürlich sehr bitter, da bis dahin schon beträchtliche Zeit in die Entwicklung geflossen war. Letztlich konnten wir unser Geschäftsmodell so umstellen, dass wir zwei Monate später die App trotzdem veröffentlichen konnten. Es bleibt aber die Frage, ob man sich als junges Start-up der Gunst eines internationalen Konzerns unterwerfen möchte. Leider geht es nicht immer anders.

VC Magazin: Was sind aus Ihrer Sicht bei den Rahmenbedingungen hierzulande der größte Pluspunkt und das größte Manko für junge Unternehmen?

Hald: Ohne Förderprogramme, wie EXIST (www.exist.de) oder SAB Seed-Stipendium (http://www.sab.sachsen.de/de/p_arbeit/detailfp_esf_5506.jsp) , wäre es für uns sehr schwierig geworden – das ist also definitiv ein Plus. Auch ist es schön, dass sich sowohl in Berlin als auch in Dresden in den letzten Jahren eine starke Gründerszene etabliert hat. Inwieweit das der Verdienst der Politik ist, kann ich allerdings nicht sagen. Auf der negativen Seite fallen mir besonders juristische Themen in Kombination mit dem Internet ein. Aus meiner Sicht hinkt dort die Gesetzgebung den aktuellen Gegebenheiten um Jahre hinterher. Versucht man alles richtig zu machen, braucht man sehr viel Zeit und Geld für Anwälte. Startet man einfach so, kann man jederzeit wegen Lappalien abgemahnt werden. Ich denke, die Amerikaner sind da entspannter.

VC Magazin: Gibt es (Internet-)Unternehmer, die Sie als Vorbilder oder Idole sehen?

Hald: Es gibt täglich immer wieder viele Menschen, die sehr interessante Sachen machen. Ich finde es besonders spannend, wenn eine kleine Gruppe von Menschen es schafft die Welt in irgendeiner Weise positiv zu verändern. Der nächste Photo-Sharing-Dienst, der für mehrere Millionen verkauft wurde, interessiert mich hingegen nicht.

VC Magazin: Welche drei bis fünf Apps für Smartphones sind die wichtigsten Helferlein in Ihrem Alltag?

Hald: Das ist bei mir zugegebenermaßen etwas unspannend. Außer den Standard-Apps wie Kalender, Browser, Mail und Kontakten nutze ich öfters noch das Navi. Und natürlich Tourschall auf Reisen.

VC Magazin: Wie sehen die mittelfristigen Planungen für Ihr Start-up und Ihre unternehmerische Zukunft aus?

Hald: Wir sehen Tourschall nicht als unser einziges Standbein, sondern als erstes Produkt in unserem Portfolio. Kodira, die Firma hinter Tourschall, ist auch als Software-Agentur tätig. D.h. wir realisieren Softwarelösungen für unsere Kunden und entwickeln parallel auch unsere eigenen Produkte wie z.B. Tourschall. Wir möchten aus eigener Kraft heraus wachsen und planen in den nächsten zwei Jahren die ersten Vollzeit-Mitarbeiter einzustellen und in ein größeres Büro umzuziehen.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Torsten Paßmann. 

Zum Gesprächspartner
Cornelius Hald ist Geschäftsführer der Kodira UG (haftungsbeschränkt), die er 2011 gemeinsam mit Hauke Menges, Marius Feldmann, Thomas Janke und Stefan Kunath gegründet hat. Vor und während seines Informatikstudiums an der TU Dresden war er sowohl als Freelancer tätig, als auch bei einigen größeren IT-Firmen angestellt. Bereits als Schüler gründete er 1998 seine erste Web-Design-Firma. Soweit es seine Freizeit zulässt engagiert er sich in mehreren Open-Source Software-Projekten als Entwickler.