M&A-Kolumne von Marc Ziegler

Vor diesem Hintergrund kann ein frühzeitiges Erkennen der Innovationen, die amerikanische Start-ups regelmäßig in den Markt tragen, als eine Art Blaupause für die weitere Entwicklung des globalen Webgeschehens dienen. Um die hohe Dynamik auf den globalen Internetmärkten frühzeitig zu erfassen, analysiert goetzpartners kontinuierlich das Investitionsverhalten amerikanischer Venture Capitalists.

Folgende Erkenntnisse, die auch den deutschen Venture Capital-Markt prägen werden, haben wir anhand einer detaillierten Analyse der im ersten Quartal 2013 finanzierten US-Start-ups abgeleitet:

  • Die Internetsegmente E-Commerce, Advertising (Technologies) und Content erhielten wie in den Vorjahren die mit Abstand meisten Finanzierungen (zahlen- wie volumenseitig) – letztlich ein Spiegelbild der dauerhaft hohen Geschäftsmodellrelevanz dieser Segmente.
  • Im Bereich E-Commerce gehören Reise und Mode weiter zu den am stärksten finanzierten Sektoren. Start-ups setzen hier verstärkt auf kuratierte Inhalte, die die eigentlichen Produktangebote der jeweiligen Sites arrondieren und die eigentliche Transaktion zum „Entdeckungserlebnis“ machen.
  • E-Commerce wird immer persönlicher. Konfiguratoren fangen individuelle Nutzerpräferenzen auf und leiten den Nutzer zu passenden Angeboten.
  • Empfehlungen aus der Peer Group haben den größten Einfluss auf den Kaufimpuls. Entsprechend sind die meisten aktuell finanzierten E-Commerce-Plattformen eng mit sozialen Netzwerken verzahnt.
  • Weitere Trends im Bereich E-Commerce sind Food Home Delivery, Task Sharing, Personal Finance Services und Marktplätze, die Nutzer mit Experten unterschiedlicher Fachgebiete zusammenbringen.
  • Im Content-Segment dominierten videobasierteE-Learning-Plattformen, die komplexe Sachverhalte in verdaubare Lern-Häppchen aufteilen, das Investitionsgeschehen. Auch Plattformen zum interaktiven und intuitiven Erlernen von Sprachen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
  • Content-Plattformen, die Videoinhalte unterschiedlicher Quellen zu Kanälen aggregieren, steigen erkennbar in der Gunst der Investoren; häufig werden diese Channels mit sozialen Netzwerken (respektive Schnittstellen hierzu) kombiniert.
  • Digitale Werbebörsen (Demand Side-Plattformen), die Angebot und Nachfrage nach performanceorientiertem Werbeinventar in Echtzeit matchen, gewinnen global an Bedeutung.
  • B2B-Start-ups, die mit ihren Lösungen und Tools das Geschäft von Consumer Web-Unternehmen befeuern (z.B. Big Data Analytics), zählen insbesondere in späteren Finanzierungsphasen zu den Start-ups mit den durchschnittlich höchsten Finanzierungssummen.
  • Productivity Apps, vor ein bis zwei Jahren noch eine der am stärksten aufstrebenden Segmente, haben mangels skalierbarer Monetarisierungschancen (nur wenige Ausnahmen) an Attraktion verloren.

Fazit:
Für Investoren ist die detaillierte Analyse des amerikanischen VC-Dealflows ein probates Mittel, eigene Marktbeobachtungen, insbesondere im Hinblick auf Web-Modelle ohne Proof of Concept hierzulande, zu challengen.

Über den Autor:

Marc Ziegler ist Head of Digital Business von goetzpartners, einem inhabergeführten Beratungshaus mit integrierter Corporate Finance- und Management Consulting-Kompetenz.