Merkel will deutsche Start-ups vor Amerikanern „schützen“

Was Angela Merkel da heute auf der CeBit offenbar im Vorbeigehen geäußert hat, könnte die deutsche Start-up-Szene gewaltig erschüttern. Bei vielen IT-Entwicklungen sei Deutschland mit jungen, innovativen Firmen vorne mit dabei, aber es gelte auch, die Innovationen zu schützen, wird die Kanzlerin zitiert. Scheinbar sieht sie eine besondere Gefahr, dass deutsche Start-ups „von Amerikanern weggekauft“ werden. Meint sie damit Übernahmen durch amerikanische Konzerne? Oder zielt sie auf Beteiligungen amerikanischer Venture Capital-Investoren an deutschen Jungunternehmen ab? Details nannte die Kanzlerin nicht. In der Regierung gibt es aber offenbar Überlegungen, die Einspruchsmöglichkeiten im Außenwirtschaftsgesetz bei Firmenbeteiligungen auch auf den IT-Sektor zu erweitern. Dies könnte dann etwa die Anbieter von Sicherheitstechnologien betreffen, schreibt n-tv.de. Mit Spannung wird daher die IT-Strategie der großen Koalition erwartet.

Amerikanische Frühphaseninvestoren wie Kleiner Perkins oder Sequoia haben in den vergangenen Monaten die Berliner Tech-Szene entdeckt und mit einigen Beteiligungen dringend benötigtes Venture Capital in die deutsche Hauptstadt gebracht. Diese Kapitalader zu durchtrennen, wäre für die deutsche Szene, der es ohnehin an Wagniskapital mangelt, ein lebensbedrohlicher Eingriff. Auch als Exit-Kanal stehen amerikanische Käufer wie Google oder Facebook hoch im Kurs und bieten deutschen Start-ups interessante langfristige Perspektiven. Merkel traf ihre Äußerungen offenbar bei einem Rundgang mit dem britischen Premier David Cameron – wollen wir hoffen, dass ihr Schutzreflex von einem Sicherheitsbedürfnis nach dem britisch-amerikanischen Überwachungsskandal herrührt und auf deutsche Start-ups keine böse Überraschung zukommt.