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Social Impact Investing in Deutschland

Thinkstock/iStock/cienpies

Sozialunternehmen sind selten in den Schlagzeilen. Ein Social Enterprise, das allerdings in jüngster Zeit für Furore sorgte, ist auticon. Im Sommer gab das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit dem Softwareriesen SAP bei der IT-Qualitätssicherung bekannt. Erstmalig in Deutschland beschäftigt auticon ausschließlich Autisten für diesen Bereich. Autisten haben Schwierigkeiten soziale und emotionale Signale zu erkennen. Dafür weist ein Teil von ihnen eine außergewöhnliche Veranlagung auf für die detaillierte Analyse und Optimierung großer Mengen von Daten – ideale Voraussetzungen für eine Arbeit als IT-Consultant in der Qualitätssicherung. Somit bekommen diese Menschen, die sonstC5 Johannes Weber kaum einen regulären Job finden können, eine echte Chance auf dem Arbeitsmarkt. Bei der Finanzierung steht der Social Venture Fund der auticon GmbH zur Seite. „Wir haben in das Unternehmen investiert, da war es noch ganz klein. Mittlerweile sind es 60 Mitarbeiter an sechs Standorten in Deutschland“, erklärt Johannes Weber, Managing Partner bei Ananda Ventures, dem Fondsmanager hinter dem Social Venture Fund.

Spezielle Kriterien

Der 2009 gegründete Social Venture Fund ist einer von zwei Fonds in Deutschland, die sich ausschließlich um das Thema Social Impact Investing kümmern. Beim Social Impact Investing geht es darum, in Unternehmen oder Organisationen zu investieren mit dem Ziel, sowohl einen sozialen Nutzen als auch eine finanzielle Rendite zu generieren. Die gesellschaftliche Wirkung – der Social Impact – ist das, was diese Investments heraushebt, und auch das primäre Motiv für den Sozialunternehmer, den Social Entrepreneur. Für Weber stellt sich bei der Bewertung eines Kandidaten immer die Frage, ob eine gesellschaftliche Wirkung bei einer sozial benachteiligten Gruppe gegeben ist. „Sozial benachteiligt ist jemand, der in zwei Wohlfahrtsdomänen schlechter gestellt ist, z.B. arm und mit vergleichsweise schlechterem Zugang zu Bildung“, erläutert Weber. Gleichzeitig greifen auch wirtschaftliche Kriterien. Der Social Venture Fund prüft stets, ob die Geschäftsidee finanziell tragfähig ist. Zudem sollte das Projekt nach Möglichkeit skalierbar sein.

Aufholbedarf

C5 Ulrich GrabenwarterIn Deutschland bewegt sich der Markt für Social Impact Investing akkumuliert noch im zweistelligen Millionenbereich. „Im europäischen Kontext ist England der Vorreiter der ganzen Bewegung des Social Impact Investing“, konstatiert Ulrich Grabenwarter, Leiter für Strategic Development-Equity beim European Investment Fund (EIF). Laut Big Society Capital, einer britischen Social Venture Capital-Gesellschaft, liegt das Marktvolumen im Vereinigten Königreich bei jährlich rund 200 Mio. EUR im Jahr. „Allerdings ist in England der soziale Sektor anders strukturiert. Dort gibt es die sozialen Wohlfahrtsverbände nicht in dieser Form wie bei uns. Das muss man fairerweise zugeben“, meint Dr. Erwin Stahl, Geschäftsführer der BonVenture Management GmbH, der den zweiten Fonds in Deutschland speziell für Social Venture Capital leitet. Auch die Anzahl der Player im Bereich Social Impact Investing ist hierzulande überschaubar. „Es gibt einige Business Angels und innovative Stiftungen, die in diesem Bereich aktiv sind – beispielsweise die BMW Stiftung Herbert Quandt – und die auch Impact Investing in Form von Darlehen durchführen“, sagt Stahl. Weitere C5 Dr. Erwin StahlStiftungen, die direkt Sozialunternehmen finanziell fördern, sind u.a. die Eberhard von Kuehnheim Stiftung, die ebenfalls von BMW gegründet wurde und die Benckiser Stiftung Zukunft. Eine wichtige Rolle spielen wohlhabende Privatpersonen, oft mit einem traditionellen unternehmerischen Hintergrund, und deren Family Offices. Sie sind die Business Angels oder beteiligen sich auch als Co-Investoren bei BonVenture und dem Social Venture Fund.

Öffentliche Investoren

Die öffentliche Hand ist bisher mit dem KfW-Programm zur Finanzierung von Sozialunternehmen auf dem Markt aktiv. Dabei stellt die KfW bis zu 200.000 EUR Eigenkapital als Co-Investor zur Verfügung. Noch mehr Mittel kann europaweit EIF locker machen. Dort hat man 2013 mit dem Social Impact Accelerator (SIA) einen ersten Dachfonds für Impact Investments aufgelegt. „Wir haben gerade die Pilotphase abgeschlossen und mit einer Kapitalerhöhung des SIA auf 240 Mio. EUR diesem Marktsegment eine strategische Position im Investitionsportfolio des EIF gegeben“, führt Ulrich Grabenwarter vom EIF aus. Das erste SIA-Investment in Deutschland floss auch gleich in den Social Venture Fund. Mit einem Beitrag von 10 Mio. EUR erhöhte SIA das Fondsvolumen beim Final Closing im Sommer dieses Jahres substanziell auf 22,3 Mio. EUR. „Unser Ziel ist es zu demonstrieren, dass Social Impact Investing als eine Assetklasse ein für institutionelle Investoren attraktives Marktsegment ist“, so Grabenwarter.

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