Venture Capital in Nordrhein-Westfalen

Regionalität zahlt sich aus

Venture Capital in NRW: Regionalität zahlt sich aus
Venture Capital in NRW: Regionalität zahlt sich aus
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295 Start-ups, 733 Gründer(innen) und 1.975 Mitarbeiter(innen) – die Start-up-Szene in Nordrhein-Westfalen zeichnet sich durch ihre besonders hohe Dichte und Aktivität aus. Der Nordrhein-Westfalen Startup Monitor bescheinigte dem Bundesland 2019 ein aktives Ökosystem: Mit rund 19% hat NRW den höchsten relativen Anteil an teilnehmenden Start-ups innerhalb der Studie. Die wichtigste Voraussetzung für das Wachstum der jungen Unternehmen: Zugang zu externen Finanzierungsmitteln. Auch bei diesem Kriterium steht NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern weit oben: Zu den über die Jahre etablierten Playern kommen immer neue Venture Capital-Geber, Corporate Venture Capitalists und Business Angels hinzu. Trotzdem gibt es auch hierzulande eine Schere zwischen Finanzierungsangebot und -nachfrage.

Um diese Lücke zu schließen, kommen insbesondere öffentliche Investoren ins Spiel. Zum Beispiel investiert die NRW.Bank mit jährlich 48 Mio. EUR so viel Geld wie keine andere Förderbank in Deutschland; das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen verfolgt mit Blick auf Wagniskapital ebenfalls weitreichende Ziele: Bis 2022 sollen die Wagniskapitalinvestitionen in Start-ups auf 500 Mio. EUR wachsen und sich damit gegenüber 2017 verfünffachen.

Ein langer Atem ist gefragt

Die gute Ausstattung und eine hohe Zahl an Gründerfonds sorgen also dafür, dass Ideen in NRW gute Chancen haben, mit Startkapital verwirklicht zu werden. Von da an gilt es, gesetzte Meilensteine zu erreichen und über neue Finanzierungsrunden an frisches Kapital zur Weiterentwicklung zu kommen. Geraten die Firmen in ein etwas reiferes Stadium, fehlt Investoren jedoch häufig der lange Atem: In dem Moment, in dem größere Summen nicht mehr allein aufgebracht werden können, steigen häufig ausländische Investoren aus den USA oder Asien ein. Wichtig ist es hier, weiter mit zu investieren und als regionaler Investor auch weiterhin nah am Unternehmen zu bleiben. Die Silexica GmbH aus Aachen ist hierfür ein gutes Beispiel: Als Spin-off aus dem Institut für Kommunikationstechnologie und eingebettete Systeme (ICE) der RWTH Aachen startete das Softwareunternehmen 2015 mit einer Finanzierung aus dem Seed Fonds II Aachen und Mönchengladbach. Die automatisierte Lösung für paralleles Programmieren wurde zur Marktreife gebracht und erste Produkte in den Markt eingeführt. Im Dezember 2016 hat das Deeptech-Start-up mit einer Series A-Finanzierung in Höhe von 8 Mio. USD eine zweite Runde abgeschlossen, die vom Seed Fonds II Aachen und Mönchengladbach und weiteren Investoren mitgetragen wurde, bei der zusätzlich internationale Investoren einstiegen. Silexica entwickelte sich hervorragend, war im Juni 2017 unter den Top Three beim Deutschen Gründerpreis, erhielt eine zusätzliche Finanzierungsrunde und ist heute mit weiteren Standorten in den USA und Japan international aufgestellt.

Regionale Beteiligungsfonds sind tragende Säule

So stellen regionale Beteiligungsunternehmen mit ihren häufig spezialisierten Fonds eine wichtige Säule in der nordrhein-westfälischen Venture Capital-Szene dar. Frühphasenfonds wie der Gründerfonds Ruhr, der Gründerfonds Rheinland oder der TechVision Fonds ermöglichen sowohl Seed-Investments in technologieorientierte Start-ups als auch nachfolgende Finanzierungsrunden. Wenn für die Internationalisierung höhere Summen gefragt sind, kommen Kooperationen mit weiteren – gegebenenfalls ausländischen – Investoren durchaus infrage. Gerade in Zeiten der Corona-Krise ist es für junge Unternehmen hilfreich, mit regionalen Beteiligungsgesellschaften zusammenzuarbeiten – denn diese unterstützen nicht nur mit Kapital, sondern auch mit strategischem Wissen und einem weitreichenden Netzwerk. Vielzählige Start-ups stehen derzeit vor der Herausforderung, trotz eingeschränkten Zugangs zu Hilfsmitteln und Kapital die festgelegten Meilensteine erreichen zu müssen. Insbesondere bei einigen großen, internationalen Investoren besteht die Gefahr, dass die zugesagten Mittel kurzfristig versiegen. Der Bundesverband Deutsche Startups hat indes einen Vierstufenplan zum Schutz der jungen Firmen in der Corona-Krise vorgelegt, denn diese sind im Vergleich zu bereits etablierten Unternehmen besonders betroffen, da durch Umsatzausfälle, Meilensteinverfehlungen und Rückzug von Neuinvestoren kurzfristig gravierende Liquiditätsengpässe zu erwarten sind. Es bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen rechtzeitig ihre Wirkung entfalten.

Start-ups aus NRW auch für ausländische Investoren interessant

Die Nähe zu renommierten Hochschulen und Forschungsinstituten sowie der enge Austausch mit der ansässigen Industrie machen aus NRW eine sehr lebendige und heterogene Start-up-Szene. Mit der Zusammenarbeit nationaler und internationaler Investoren schafften es auch ein paar NRW-Einhörner zu einer Milliardenbewertung, etwa die Düsseldorfer Hotelbuchungsplattform Trivago: Die 2005 gegründete Firma verzeichnete zu Anfangszeiten rund 49 Mio. EUR aufgenommenes Wagniskapital und sicherte nach der Übernahme von der Reiseplattform Expedia bis zum Börsengang 2016 weitere 257 Mio. EUR durch ausländische Investoren. Der Schlüssel zum Erfolg für Firmen und Investoren liegt also in einem langfristigen Engagement.

 

Bernhard Kugel, S-UBG GruppeBernhard Kugel ist Vorstandsmitglied der S-UBG Gruppe und Geschäftsführer der Managementgesellschaft der Technologiefonds Aachen, Krefeld & Mönchengladbach. Bereits 1998 begann Kugel seine Tätigkeit in der S-UBG Gruppe, zunächst als Investment Manager und kurze Zeit später als Prokurist. Zuvor hatte er als Investment Manager in einer Kölner Beteiligungsgesellschaft fungiert; damit verfügt er insgesamt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Private Equity-Branche.