„Der Markt passt sich schnell an“

Interview mit Patricia Volhard und Jin-Hyuk Jang, Debevoise & Plimpton

"Der Markt passt sich schnell an": Interview mit Patricia Volhard und Jin-Hyuk Jang, Debevoise & Plimpton
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Bildnachweis: © Debevoise & Plimtpon.

Das Fundraising-Klima für Venture Capital und Private Equity hat sich stabilisiert. Vor allem das Growth-Segment gewinnt durch neue Förderung an Fahrt. Für noch offene Fragen sorgen allerdings die Offenlegungspflichten für ESG, die im März in Kraft treten. Patricia Volhard und Jin-Hyuk Jang von Debevoise & Plimpton werfen im Interview einen Blick auf die aktuelle Marktsituation.

VC Magazin: Sie begleiten Fonds bei Strukturierung und Fundraising. Klopfen derzeit viele neue Fondsmanager aus dem Venture Capital- und Private Equity-Umfeld an Ihre Tür? Wie beurteilen Sie die Marktaktivität?
Jang:
Nach dem Schock im ersten Halbjahr 2020 hat sich das ­Klima für Fundraising für Venture Capital und Private Equity in Deutschland wieder erholt, wobei es nicht das Niveau vor der COVID-19-Pandemie erreicht hat. Wir sehen, dass Investoren zum einen größere Sponsoren mit einem etablierten Track Record suchen. Zum anderen bevorzugen institutionelle Investoren bereits bestehende Beziehungen mit Fondsmanagern. Wir hoffen, dass sich das Umfeld für Venture Capital und Private Equity weiter stabilisieren wird, aber die derzeitigen Wirtschaftsaussichten geben weiterhin Grund zur Sorge.

VC Magazin: Nehmen auch Sie ein besonderes Interesse am Growth-Segment wahr?
Volhard: Das Growth-Segment befand sich bis zur Corona-Krise auf starkem Wachstumskurs, Digitalisierung und neue Technologien sind ein enormer Treiber. Allerdings besteht in Deutschland noch Nachholbedarf – im internationalen Vergleich liegt der deutsche Venture Capital-Markt im Rückstand. Durch die Corona-Krise ist der Growth-Markt wirtschaftspolitisch stärker gefördert worden, dies muss jetzt durch Politik und Wirtschaft weiter ausgebaut werden.

VC Magazin: Inwieweit hat sich das Interesse der sogenannten Limi­ted Partner an der Assetklasse in den letzten Jahren ver­ändert?
Jang: Aufgrund des Niedrigzinsumfelds suchen institutionelle Investoren verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten in dem ­alternativen Bereich, zu dem Venture Capital und Private Equity gehören. Hier kann bei entsprechendem Risiko eine höhere Rendite erzielt werden. Gerade im Versicherungsbereich werden zur Bedienung der Verbindlichkeiten verstärkt alternative Investments beigemischt.

Vor allem in Zeiten eines volatilen Kapitalmarkts bieten langfristige Anlagen in Venture Capital und Private Equity, bei denen es sich um illiquide Anlageklassen handelt, Stabilität im Port­folio. Und der mittlerweile etablierte Sekundärmarkt ermög­licht den Weiterverkauf des Investments noch während seiner Laufzeit.

VC Magazin: Wie haben die Einschränkungen der Corona-Pan­demie den Fundraising-Prozess und Ihre Partizipation als stark involvierte Fachanwälte beeinflusst?
Volhard: Anhaltende Reisebeschränkungen stellen natürlich eine Herausforderung für das Fundraising dar, da persönliche Kontakte im Vertrieb wichtig sind. Dennoch passt sich der Markt schnell an: Besprechungen mit potenziellen Investoren finden nun zu einem großen Teil über Videokonferenzen statt. Auf unse­re Tätigkeit hatte dies nun weniger Einfluss, mit Ausnahme des Umstands, dass auch wir nun fast ausschließlich Besprechungen als Videokonferenzen abhalten.

VC Magazin: Welchen Einfluss hat ESG auf das Investitionsver­halten der LPs?
Jang: Die ESG-Kriterien, also grob gesagt Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte, sind bereits heute wichtige Bestandteile im Fundraising. Sie werden regelmäßig von Investoren in ihrer Due Diligence in unterschiedlicher Intensität abgefragt. Nach Recherchen des Finanzinformationsdienstleisters Preqin wurden seit 2011 mit steigender Tendenz mehr als 4.400 Private Funds mit ESG-Verpflichtung mit einem Gesamtkapital von 3,06 Bio. USD gezeichnet. 61% der institutionellen Investoren gaben im November 2020 bei einer Umfrage gegenüber Preqin an, dass ESG in den nächsten 36 Monaten einen größeren Teil der Industrie einnehmen werde.

Bisher gab es keine gesetzlich vorgegebenen Standards im Hinblick auf die Berichterstattung an Investoren zur Einhaltung etwaiger angepriesener ESG-Kriterien. Dies soll sich durch die nun in wenigen Wochen in Kraft tretende Verordnung 2019/ 2088 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im ­Finanzdienstleistungssektor aber ändern. Sie ist ein erster Schritt in dem ehrgeizigen Vorhaben der EU, einheitliche Standards und Pflichten der Finanzmarktteilnehmer im Sinne einer erhöhten Transparenz zur Einhaltung von ESG-Anforderungen einzuführen.

VC Magazin: Wie bewerten Sie die neuen Offenlegungspflichten für ESG? Wie schnell werden Beteiligungsgesellschaften die neuen Regelungen umsetzen können?
Volhard: Nachhaltige Investments werden nicht nur von politischer Seite gefordert, sondern auch von Investoren erwartet. Viele Fondsmanager berücksichtigen bereits heute ESG, beispielsweise durch die Unterzeichnung der UNPRI, aber auch durch die Implementierung eigener ESG-Kriterien. Die neuen Regelungen zu ESG-Offenlegungspflichten zielen darauf ab, nunmehr einheitliche Transparenzstandards zu schaffen. Allerdings gibt es derzeit noch viele ungeklärte Fragen zur Anwendung der Offenlegungsverordnung, insbesondere im Hinblick auf die Einstufung der Produkte, was Auswirkungen auf den Umfang der Offenlegungspflichten hat. Im Markt besteht daher eine gewisse Nervosität, da diese Frage zum Teil noch ungeklärt ist und die neuen Vorschriften bereits im März in Kraft treten. Die ersten Entwürfe der europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) zur Konkretisierung der Maßnahmen, die sogenannten Technischen Regulierungsstandards, wurden weitgehend als zu komplex, umfangreich und unflexibel kritisiert. Nun wurde ein finaler Entwurf durch die ESAs veröffentlicht, der jedenfalls zum Teil diese Kritikpunkte aufgegriffen hat.

VC Magazin: Bestehen aus Ihren Einblicken bezüglich Umsetzung der ESG-Standards Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Fondsmanagern?
Jang: Nichtdeutsche europäische Fondsmanager sind häufig Manager mit Vollerlaubnis und insoweit eindeutig im Anwendungsbereich der Verordnung. Deutsche Fondsmanager sind häufig als kleine Fondsmanager registriert. Hier ist aber leider unklar, ob sie in den Anwendungsbereich fallen. Nach unserer Einschätzung spricht einiges dafür, dass dies im Ermessen der nationalen Gesetzgeber liegen soll, aber eine Klarstellung durch die Kommission wäre daher hilfreich. Die Frage nach der Anwendbarkeit stellen sich offenbar nicht nur Fondsmanager und ihre Berater, sondern wurde auch von den ESAs im Schreiben vom Januar 2021 an die Kommission adressiert.

VC Magazin: Frau Volhard, Herr Jang, vielen Dank für das Gespräch.

 

Patricia Volhard ist Partnerin im Frankfurter und Londoner Büro von Debevoise & Plimpton. Ihre Praxis konzentriert sich auf die Beratung von Private Funds, einschließlich der Beratung zum europäischen Aufsichtsrecht sowie der Strukturierung von Fonds für EU-Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds. Sie ist Vorsitzende der Arbeitsgruppe Financial Services/Regulatory von Invest Europe, Mitglied im Rechtsbeirat des BVK sowie Mitglied der Investment Management Consultativ Working Group der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA.

Jin-Hyuk Jang ist International Counsel im Frankfurter Büro von Debevoise & Plimpton. Er berät internationale Fondssponsoren bei der Auflegung von Investmentfonds mit alternativen Anlagestrategien und bei EU-aufsichtsrechtlichen Fragestellungen. Er wird von Legal 500 UH (2021) für Financial Services: Non-Contentious/Regulatory empfohlen.