„Viele Unternehmen verschenken bei Werbeartikeln Potenzial“

Peter Schwerin (Gift Campaign)
Peter Schwerin (Gift Campaign)

Bildnachweis: Gift Campaign, NRW.Bank.

Messehallen voller Kugelschreiber und Stoffbänder längst nicht „Out“. Doch auch hier verschieben sich die Gewichte. „Weniger streuen, mehr wirken“, sagt Peter Schwerin, Marketing-Manager für den deutschen Markt bei Europas Werbeartikel-Multi Gift Campaign aus Spanien – und bringt im Interview den Strategiewechsel vieler Unternehmen auf den Punkt.

VC Magazin: Herr Schwerin, warum sprechen Sie von einem Strategiewechsel bei Werbeartikeln?

Schwerin: Seit der Corona-Pandemie beobachten wir eine steigende Nachfrage nach hochwertigen Werbegeschenken. Klassische Streuartikel wie Kugelschreiber oder Lanyards – also ein Stoffband, das um den Hals oder das Handgelenk getragen wird – sind auf Messen zwar weiterhin beliebt. Gleichzeitig entscheiden sich jedoch viele Start-ups, Mittelständler und öffentliche Einrichtungen zunehmend für hochwertigere Werbeartikel mit einem stärkeren Wow-Effekt. Der Fokus liegt dabei weniger auf möglichst niedrigen Preisen oder großen Stückzahlen, sondern stärker auf Qualität und Wirkung.

VC Magazin: Überrascht Sie diese Entwicklung?

Schwerin: Keineswegs. Ein nützlicher Werbeartikel begleitet Menschen über Wochen, Monate und Jahre. Unternehmen greifen gern zu hochwertigen Tassen, langlebigen Trinkflaschen oder gut verarbeiteten Notizbüchern. Auch textile Produkte wie Mützen oder Baumwolltaschen funktionieren sehr gut, wenn die Qualität stimmt.

VC Magazin: Viele Unternehmen setzen trotzdem noch auf günstige Giveaways. Ist das ein Fehler?

Schwerin: Nicht zwingend. Kleine Giveaways können eine enorme Wirkung entfalten, wenn sie sinnvoll gewählt sind. Entscheidend ist: Wie sehr erfüllt ein bestimmter Werbeartikel seinen Zweck? Hilft er den Verbraucherinnen und Verbrauchern oder ist er nur eine weitere kleine Last und ein Staubfänger im Haushalt?

Laut einer Studie des Gesamtverbands der Werbeartikel-Wirtschaft e.V. machen die Werbeartikel-Hersteller und ihre Kunden hierzulande vieles richtig: Besonders der Streuverlust ist gering. 91 Prozent der Befragten benutzen einmal erhaltene Werbeartikel selbst weiter. Und: Werbeartikel sind häufig über mehrere Jahre im Besitz. Die Werbebotschaft wird somit über einen längeren Zeitraum kontinuierlich bei jeder Nutzung transportiert.

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Zum Vergleich: Werbeträger wie Radio, TV oder Print müssen ein Vielfaches an Werbebotschaften senden, um eine vergleichbar lange Impressionsdauer zu erreichen.

Fast zwei von drei Befragten nutzen qualitativ hochwertige Werbeartikel sogar länger als ein Jahr. Auf Größe und Budget allein kommt es nicht an. Auch ein kleines, gut gemachtes Produkt kann überraschen. Ein Mini-Notizblock, ein stabiler Einkaufswagenchip oder ein cleveres Kabel-Tool – das sind Dinge, die man gern behält. Entscheidend ist, dass der Artikel einen echten Nutzen hat. Reine Deko funktioniert selten.

VC Magazin: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl ihrer Werbeartikel besonders achten?

Schwerin: Drei Punkte sind entscheidend: die tatsächliche Nutzbarkeit, die Qualität und der Marken-Fit. Ein Werbeartikel muss zum Auftraggeber passen. Wer sich vorab durch eine Auswahl an hochwertigen Werbegeschenken arbeitet, erkennt schnell, welche Produkte zur eigenen Marke passen.

VC Magazin: Nun schwimmt derzeit nicht jede Marketing-Abteilung im Geld …

Schwerin: Sie haben Recht. Viele Firmen schauen zuerst auf den Stückpreis. Das ist verständlich, aber oft zu kurz gedacht. Ein Artikel, der ein Jahr lang genutzt wird, erzeugt unzählige Markenkontakte. Ein günstiger Artikel, der nach zwei Tagen kaputtgeht, erzeugt dagegen keinen einzigen.

VC Magazin: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit bei Werbeartikeln?

Schwerin: Sehr wichtig. Nachhaltigkeit ist längst kein Zusatzargument mehr, sondern ein Kaufkriterium. Viele Unternehmen wählen bewusst langlebige oder recycelte Materialien. Das erhöht nicht nur die Akzeptanz beim Empfänger, sondern stärkt auch die Glaubwürdigkeit der Marke. Produkte wie wiederverwendbare Trinkflaschen, Taschen aus recyceltem PET oder langlebige Metallstifte sind gute Beispiele. Sie zeigen Haltung, ohne belehrend zu wirken.

VC Magazin: Gibt es Produkte, die Sie aktuell besonders empfehlen?

Schwerin: Ich sehe klare Kategorien, die funktionieren. Dazu gehören hochwertige Büroartikel, die jeden Tag zum Einsatz kommen. Aber auch Trinkflaschen und Thermobecher sind in Zeiten des To-go-Konsums unverzichtbar geworden. Hinzu kommen Taschen und hochwertige Textilien, etwa ein Hoodie, der auch nach 20-maligem Waschen noch wie neu aussieht. Wichtig ist, dass das Produkt nicht austauschbar wirkt. Ein Artikel, der sich gut anfühlt, wird automatisch häufiger genutzt.

VC Magazin: Was ist Ihr wichtigster Rat an Unternehmen, die an den Einsatz von Werbeartikeln denken?

Schwerin: Weniger streuen, mehr wirken. Werbeartikel sind kein Nebenprodukt, sondern ein Kontaktmedium. Sie schaffen Nähe, weil sie im Alltag präsent sind. Ein guter Werbeartikel ist kein großer Kostenfaktor, sondern ein langjähriger Botschafter.

Über den Interviewpartner:

Peter Schwerin ist Marketing-Manager für den deutschen Markt bei Gift Campaign, einem E-Commerce-Anbieter für Werbeartikel.