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Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat seine neue Niederlassung in München offiziell eröffnet. Im Bürogebäude „The Stack“ in der Goethestraße 11 in fußläufiger Entfernung vom Münchener Hauptbahnhof bezieht das Unternehmen rund 2.600 Quadratmeter Fläche. Der neue Standort bietet Arbeitsplätze für etwa 250 Mitarbeitende. Der Umzug markiert den Abschluss einer Übergangsphase: Zuvor war Novartis seit 2022 in einem Münchner Co-Working-Space eingemietet. München fungiert nun als gleichwertiger Hub neben dem Deutschland-Hauptsitz in Nürnberg und dem Standort Berlin. Verbunden werden die Repräsentanzen über ein sogenanntes Bahnhof-zu-Bahnhof-Konzept, das auf eine zentrale Lage und die direkte Anbindung an den öffentlichen Fernverkehr setzt. Das Gebäude „The Stack“ zeichnet sich zudem durch ein nachhaltiges Konzept und transparente Arbeitsflächen aus.

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung trafen unter dem Titel „Wie aus Forschung Zukunft wird“ Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Klinikwesen und Patientenorganisationen zusammen. Dabei entwickelte sich ein direkter inhaltlicher Dialog zwischen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und dem Vorsitzenden der Novartis-Geschäftsführung in Deutschland, Manfred Heinzer. Söder positionierte sich deutlich als Fürsprecher der Pharmabranche, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft kritisch diskutiert werde. „Ohne Pharma geht in Deutschland nix“, betonte der Ministerpräsident und forderte mehr Respekt für die forschenden Unternehmen. Medikamentenentwicklung habe lange Vorlaufzeiten, daher müsse das investierte Kapital von der Industrie auch zurückverdient werden können. Leistung müsse sich lohnen. Söder verwies auf die bayerische „High-Tech Agenda“, über die der Freistaat rund sechs Milliarden Euro in Zukunftstechnologien investiert – davon allein etwa 500 Millionen Euro in den Biotechnologie-Sektor. Das Bundesland setze auf eine Mischung aus Tradition und Innovation und dem Motto „Radi und Rakete“. Als zentrales Infrastrukturprojekt nannte er den Ausbau des Max-Planck-Campus in Martinsried zu einem internationalen Leuchtturmprojekt. Die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Pharmazie biete maximale Chancen für die Medizin der Zukunft.
Novartis Deutschland-Chef Heinzer griff Söders Votum auf und lobte die pragmatische, innovationsfreundliche Haltung der bayerischen Landesregierung: „Diese Rede hat gut getan“. Er betonte das Bekenntnis des Konzerns zum Standort und verwies auf zahlreiche medizinische Studien, darunter acht aktuelle Studien in Bayern zu einer neuen Tumortherapie.

Gleichzeitig nutzte Heinzer die Plattform für scharfe Kritik an den bundespolitischen Rahmenbedingungen. Insbesondere die Sparmaßnahmen des GKV- Beitragssatzstabilisierungsgesetzes trübten die Perspektiven für innovative Therapien zum Nachteil der Versorgung in Deutschland. Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen, damit wissenschaftliche Erkenntnisse auch in der Patientenversorgung ankommen. Es brauche eine innovationsfreundlichere Atmosphäre, so Heinzer, der sich einen konstruktiven Dialog wünschte, damit Deutschland wieder zur „Apotheke der Welt“ werden könne. Auch die Bundespolitik war vertreten: In einer Videobotschaft betonte Matthias Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, die Bedeutung von Austausch und Technologie-Zusammenspiel und verwies auf das Förderprogramm „GO-Bio next“.
Regulatorik bremst klinische Studien

Die Notwendigkeit verbesserter Rahmenbedingungen war auch das zentrale Thema der anschließenden Panel-Diskussion. Prof. Dr. Thomas Gudermann wies auf den kontinuierlichen Rückgang kommerzieller klinischer Studien in Europa hin. Als Hauptgründe nannte er eine überbordende Regulatorik, zu lange Verhandlungsprozesse und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Patienten. Um diesem Trend regional entgegenzuwirken, stellte Gudermann die „M1 Munich Medicine Alliance“ vor, die ein neues Gebäude in direkter Nachbarschaft zu den BioLabs München am Ostbahnhof bezogen hat. Ziel der Allianz sei es, die Grundlagenforschung schneller zu den Patienten zu bringen. Die Diskussionsteilnehmer betonten, dass der Faktor Zeit bei durchschnittlich 13 Jahren Entwicklungszeit und rund zwei Milliarden Euro Entwicklungskosten pro neuem Medikament ein entscheidender Standortnachteil im internationalen Wettbewerb sei. Lösungsansätze sieht die Branche in der Digitalisierung: Digitale Zwillinge könnten als Kontrollgruppen in klinischen Studien dienen und so Verfahren deutlich beschleunigen. Zudem wurde die Etablierung einer „Bavarian Health Cloud“ angeregt, um einen gemeinsamen Datenraum für die Gesundheitsforschung zu schaffen. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Resilienz des Standorts: Experten forderten, Know-how, Fertigung und Vorräte in Deutschland und der EU zu halten, um Lieferketten zu stabilisieren, und warnten vor politischen Strömungen, die die freie Forschung einschränken wollen.
Bedeutung für den Life-Science-Sektor
Für Novartis ist der Ausbau in München Teil einer langfristigen Strategie in Bayern, die vor 100 Jahren in Nürnberg begann. Mit dem neuen Büro sucht der Konzern gezielt die räumliche und strategische Nähe zum Münchner Ökosystem aus Start- ups, Forschungseinrichtungen und Risikokapitalgebern. Für die Venture-Capital-Branche und spezialisierte Life-Science-Investoren ist die physische Präsenz eines globalen Pharmakonzerns im Münchner Zentrum ein relevantes Signal. Sie erleichtert die direkte Vernetzung bei Finanzierungsrunden, beschleunigt potenzielle Kooperationen oder M&A-Gespräche und bietet Start-ups einen direkten Anknüpfungspunkt zu einem strategischen Partner für die klinische Entwicklung.



