General Atlantic: Wachstumskapital für international expandierende Mittelständler

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Sektoren statt Regionen

Die Kärrnerarbeit, das deutsche Office für General Atlantic aufzubauen, übernahm Dr. Klaus Esser, der erst kurz zuvor bei Mannesmann ausgeschieden war. Seit 2001 steht ihm Dr. Oliver Thum zur Seite; das Team ist bis heute stabil. „Es war eine strategische Entscheidung, mit einem eigenen Büro auch auf dem Kontinent präsent zu sein“, fasst Thum die Gründe für den Schritt nach Deutschland zusammen. Die ersten europäischen Investments Mitte der 1990er – der damalige SAP-Konkurrent Baan aus den Niederlanden und der deutsche Software-Dienstleister LHS – wurden noch von New York aus getätigt. Da General Atlantic den Fokus schon lange auf Deutschland, Europas größten Markt, gerichtet habe, sei es nur logisch gewesen, so Thum, dort das erste Büro auf dem europäischen Festland zu eröffnen. Anders als dieser Schritt vermuten lässt, ist die Arbeitsteilung mit dem Londoner Büro aber nicht geografischer, sondern sektoraler Natur. So betreut Thum europaweit Healthcare und Esser die Telekommunikation. Bei der Vorauswahl potenzieller Portfoliounternehmen sind die einzelnen Büros völlig frei, die endgültige Investitionsentscheidung trifft aber ein vierköpfiges Investment Committee. Da hier allein das Ergebnis der Due Diligence entscheidet, kann Geschichte sich so wiederholen.

 

Minderheiten bevorzugt

„Oh ja, wir hatten erst vor kurzem so einen spannenden Fall“, beichtet Thum. Nach dem erstmaligen Einstieg von General Atlantic wurde LHS – der Neue Markt war noch nicht geboren – in den USA an der Nasdaq notiert. Später folgte das Zweitlisting in Frankfurt, 2000 der Ausstieg im Rahmen einer Fusion mit einem Wettbewerber. Dann ging das Ex-Portfoliounternehmen auf eine Irrfahrt durch mehrere Hände. Erst 2004 fand sie ein Ende, als General Atlantic die Mehrheit an LHS vom letzten Eigentümer Atoss Origin übernahm. Einerseits weil General Atlantic das Unternehmen gut kannte, andererseits weil es eine strategische Wachstumsperspektive sah. Thum: „LHS war spezialisiert auf Abrechnungssysteme für sogenannte Post-paid-Verträge, aus unserer Sicht lag die Zukunft aber in konvergenten Abrechnungssystemen für Post-paid- und Pre-paid-Verträge.“ Mit den Investitionen von General Atlantic wuchs LHS in drei Jahren von knapp 40 Mio. Euro Umsatz auf zuletzt rund 100 Mio. Euro. Im Jahr 2006 folgte der erneute Börsengang zu einem Kurs von 8 Euro, schon im Mai 2007 übernahm ein Stratege drei Viertel der Anteile für 22,5 Euro pro Aktie: „Ericsson hatte bereits die Jahre zuvor immer mal wieder angefragt, aber wir wollten LHS selbst weiter entwickeln. Von der Wertsteigerung war das wohl der bessere Schritt“, stapelt Thum tief. Der Börsengang gilt für General Atlantic dabei übrigens nicht als Königsweg zum Exit, sondern „nur“ als weitere Kapitalquelle für die Unternehmen. Im Regelfall werden die Aktien erst Jahre nach dem IPO veräußert. Auch wenn weitere erfolgreiche Transaktionen wie etwa Compugroup (Marktkapitalisierung beim Einstieg 150 Mio. Euro und 850 Mio. Euro beim IPO) für General Atlantic keine Besonderheit sind, nimmt LHS eine Sonderstellung ein. Die Amerikaner haben hier die Mehrheit übernommen, sonst bevorzugen sie Minderheitsbeteiligungen – im Gegensatz zu den meisten Private Equity-Häusern.

 

Evergreenfonds mit Familieninvestoren

Auch in anderer Hinsicht unterscheidet sich General Atlantic, dessen Hauptstandort in Greenwich im beschaulichen „Constitution State“ Connecticut liegt, von vielen Wettbewerbern. So werden keine zeitlich befristeten Fonds aufgelegt, General Atlantic arbeitet mit einem Evergreenfonds. „Wir sind aus dem Family Office von Chuck Feeney, dem Erfinder des Duty Free-Shoppings, hervorgegangen. Das prägt uns bis heute“, erklärt Thum die Wurzeln des Unternehmens. So stammen aktuell rund zwei Drittel des Kapitals von Unternehmerfamilien, was sich auch auf den Anlagestil auswirkt – die Investmentteams denken unternehmerisch und halten Beteiligungen auch länger als sechs Jahre. „Mit unseren Investoren haben wir die Absprache, dass wir Beteiligungen erst verkaufen, wenn wir den größten Wert erzielen können. Wir leiden nicht unter der üblichen Fristigkeit von Fonds“, fasst Thum ein wesentliches Merkmal von General Atlantic zusammen. Diese Struktur ermöglicht Investoren auch den unkomplizierten Einstieg zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Die Mindestzeichnungssumme liegt bei 100 Mio. USD über vier Jahre. Pro Jahr ruft General Atlantic vier bis fünf Mal Mittel bei den Investoren ab, um insgesamt zehn bis zwölf Investments zu tätigen. Für jedes Investment gründet General Atlantic eine eigene Gesellschaft, die beim Exit wieder aufgelöst wird. So fließt das Geld sofort an die Kaptalgeber zurück.

 

Regionale Stärken nutzen

Dieser unternehmerische Anspruch ist es, weswegen General Atlantic seit Jahren schon ein besonderes Augenmerk auf Indien und Asien richtet. „Gerade für europäische Mittelständler sind Indien und China immer wichtiger geworden, sei es als Fertigungsstandorte oder als Absatzmärkte. Europa ist heute oft die Pflicht, die globale Expansion dann die Kür. Und dabei wollen wir die Unternehmen begleiten“, erläutert Thum. Zu dieser Strategie gehört denn auch, ein eigenes globales Netzwerk aufzubauen und die jeweiligen Stärken von Regionen zu nutzen. Daher hat General Atlantic in Indien vorrangig im Bereich Offshoring- und Outsourcing-Dienstleistungen in der Softwareentwicklung investiert und in China in Produktionsbetriebe. Das liege daran, so Thum, dass in Indien „extrem gut ausgebildete, Englisch sprechende Ingenieure agieren, die den amerikanischen IT-Markt schon lange kennen“, und China eine immer bessere Infrastruktur vorweisen könne. Thum: „China entwickelt sich immer mehr zum Hightech-Produzenten. Dem trägt etwa unser Investment in Lenovo Rechnung, die globale Nummer Drei der PC-Hersteller.“

 

Fazit:

Für ein milliardenschweres Private Equity-Haus ist General Atlantic ein ungewohnt attraktiver Partner für mittelständische Unternehmer. Die Amerikaner streben bevorzugt Minderheitsbeteiligungen an und können das internationale Wachstum der Mittelständler mit einem breiten Netzwerk nahezu ideal unterstützen. Auch Investoren, sofern es bestens situierte Family Offices sind, haben ihre Freude an General Atlantic. Die Struktur mit dem Evergreenfonds ermöglicht unkomplizierte Einstiege und schnelle Rückflüsse. Darüber hinaus wird der Finanzinvestor von den derzeit rauen Winden auf dem Kapitalmarkt – die Zeit extrem hoher Leverages ist erst einmal vorbei – kaum betroffen sein, da Wachstumsunternehmen und Eigenkapitalinvestitionen im Fokus stehen.

Torsten Paßmann

 

Steckbrief General Atlantic LLC

Hauptstandort: Greenwich (Connecticut)

Gründungsjahr: 1980

Gesellschafter: 25 Managing Directors

Anzahl Beteiligungen: 45

Derzeit verwaltetes Kapital: ca. 16 Mrd. USD

Website: www.generalatlantic.com

 

Investitionsschwerpunkte

Phasen: Wachstum, Expansion, Buyouts, Konsolidierung
Kriterien: mind. 50 Mio. Euro Umsatz, profitabel
Branchen: Kommunikation & Elektronik, Unternehmenslösungen, Finanzdienstleistungen, Gesundheit, Medien & Verbraucher
Region: weltweit

 

Portfoliounternehmen (Auswahl)

Nord-/Südamerika: Brazilian Mercantile and Futures Exchange, New York Mercantile Exchange, NYSE Euronext

Europa: CompuGroup, GlobalCollect, Navigon

Asien: Computershare, Lenovo Group, WuXi PharmaTech

Indien: Genpact, Hexaware, National Stock Exchange