Seventure Partners: „Firmen vor Ort aktiv betreuen“

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Im vierten Stock eine andere Welt
Mit hochgeschlagenem Kragen bahnen sich Passanten ihren Weg durch den Münchner Stadtteil Lehel. Die Gegend selbst ist zwar über jeden Zweifel erhaben – viele prächtige Altbauten, die Isar gleich um die Ecke. Aber es ist kalt und windig, graue Wolken hängen am Himmel, die blattlosen Bäume erinnern an die Vergänglichkeit des Seins. Für einen guten ersten Eindruck stehen die Vorzeichen denkbar ungünstig: Wer im November die erste ausländische Niederlassung des französischen Venture Capital-Hauses Seventure Partners kennen lernen will, muss sich mit Wind und Wetter plagen. Nachdem aber das große Portal in der Maximilianstraße 52 durchschritten ist und der Aufzug den vierten Stock erreicht hat, scheint man in einer anderen Welt zu sein. Unten auf der Straße ist es grau und trübe, hier oben hell und freundlich. An drei Seiten sorgen breite Fensterfronten für viel Licht, die wenigen Möbel drücken schlichte Eleganz aus, an jeder freien Wand hängen großformatige Malereien. „Die Bilder stammen von einer jungen amerikanischen Künstlerin, die hier ihre Werke ausstellt“, erläutert Dr. Wolfgang Krause. Er leitet die im Januar 2008 eröffnete Repräsentanz.

Kein Frischling
Die Position als Statthalter für das Deutschlandgeschäft fasst seine bisherige Laufbahn zusammen. Nach dem Studium arbeitete Krause in der Telekommunikationssparte der verblichenen Mannesmann AG sowie bei SFR/Cegetel in Frankreich. „Diese Zeit war ein entscheidender Punkt für meine jetzige Stelle, denn die Arbeitssprache bei Seventure ist Französisch“, sagt er. Daher habe es keine Rolle gespielt, dass es auch VC-Recken mit mehr Erfahrung auf dem Buckel gebe. Ein Frischling ist er nach zehn Jahren in der Branche trotzdem nicht. „Ich war von 1998 bis 2001 bei TeleSoft Partners im Silicon Valley. Dort habe ich das Geschäft schneller gelernt, als es in Europa möglich gewesen wäre“, blickt Krause zurück. Anschließend folgten Engagements bei der Münchner VC-Gesellschaft DVC Deutsche Venture Capital und Altos Advisors, einer auf die Beratung von US-Start-ups spezialisierten Partnerschaft. Bei Seventure ist Krause direkt als Partner eingestiegen. Er soll das Deutschlandgeschäft aufbauen und die Chancen für attraktive Investments in Unternehmen der Informations-, Kommunikations- und Telekommunikationsbranchen (IKT) ausloten.

„Eine Menge Technologie und gute Teams“
Auf dem Heimatmarkt hat sich Seventure, eine Tochter von Natixis Private Equity, einen guten Namen erarbeiten können. Die Gesellschaft wurde 1997 gegründet und hat seitdem über 300 Mio. Euro in über 120 Unternehmen investiert. Insgesamt verwalten die Franzosen etwas über 500 Mio. Euro an Kapital, das ausschließlich von privaten Anlegern stammt (siehe Kasten auf S. 32 rechts unten). Zwei Branchen stehen im Fokus: Von Frankreich aus investiert das Life Science-Team europaweit, in Deutschland beispielsweise in die Berliner Biotechgesellschaft Noxxon Pharma. Das IKT-Team ist aber nur im Heimatmarkt aktiv. „Seventure ist davon überzeugt, dass man vor Ort sein und die Firmen aktiv betreuen muss“, berichtet Krause. Mit dem stetig steigenden Fondsvolumen sei ihnen allerdings der eigene Markt zu klein geworden. Den lokalen Ansatz will Seventure daher auch auf andere Länder übertragen – und hat sich Deutschland als ersten internationalen Standort ausgesucht. „Die Einstiegspreise sind niedriger als in Frankreich oder England. Es gibt eine Menge Technologie und gute Teams zu interessanten Preisen“, begründet Krause die Wahl. Außerdem sieht er Bedarf für einen neuen Marktteilnehmer, denn Deutschland sei „hinsichtlich des Potenzials mit Venture Capital unterversorgt“. Bei dieser Aussage dürften die meisten deutschen VC-Investoren zustimmen – und sich über einen finanzkräftigen Co-Investor freuen. „Wir investieren immer in Partnerschaft mit einem heimischen Akteur“, gibt Krause die Stoßrichtung vor.

Seventure in Deutschland
Zwischen drei und fünf Mio. Euro sollen in der ersten Runde fließen, mit Folgeinvestitionen kann der Betrag auf bis zu 20 Mio. Euro steigen. Möglich sind solche Summen, weil sich Krause frei aus dem großen Topf bedienen kann – Länderquoten gibt es ebenso wenig wie Sektorquoten. Vorgaben gelten allein für die Zielunternehmen: Sie sollten schon einen siebenstelligen Umsatz erzielen, über eine solide Kundenbasis verfügen und vorrangig Geschäftskunden adressieren. Als erstes Unternehmen erfüllte die Conject AG diese Vorgaben. Diesen Herbst erhielt das Münchner Softwareunternehmen von Seventure und Earlybird aus Hamburg eine Finanzspritze in Höhe von fünf Mio. Euro. Das Investment sieht Krause als Blaupause für die Zukunft: „Expansionsfinanzierung, solide Position im Markt, gutes Team und mit Software-as-a-Service ein Trendthema.“ Internet-Geschäftsmodellen, die „nur auf Werbung oder registrierten Mitgliedern basieren“, erteilt er grundsätzlich eine Absage. Die Vorauswahl, welche Unternehmen näher betrachtet werden, trifft Krause allein – bis Ende August rund 330 Mal. So viele Businesspläne gingen bis dato über seinen Schreibtisch. „Ich lese die Pläne an. Klingt eine Idee spannend, spreche ich mit den Geschäftsführern“, erläutert er. Kristallisiert sich Potenzial heraus, stellt er das Unternehmen den sechs IKT-Partnern in Frankreich vor. Auf grundsätzliche Zustimmung folgt eine vertiefte Due Diligence. Die endgültige Investmententscheidung treffen dann alle Partner von Seventure gemeinsam. Fällt die Antwort positiv aus, könnten sich die Unternehmer auf einen langfristigen Wegbegleiter einstellen, so Krause. Idealtypisch sei eine Investitionsdauer zwischen sieben und acht Jahren. Zwar sieht er die operative Verantwortung immer beim Management, aber um die Unternehmen aktiv zu begleiten, sei ein Platz im Aufsichtsrat Pflicht.

Ausblick
Seventure will sich mit der lokal ausgerichteten IKT-Niederlassung langfristig – und ohne Hektik – im deutschen Markt festsetzen. In den nächsten zwölf Monaten werden zwei bis drei Investments angestrebt, die Wolfgang Krause noch alleine bewältigen kann. „Ein Partner kann vier bis sechs Investments betreuen“, meint er. Eine personelle Aufstockung ist daher erst ab 2010 angedacht. Trotz der aktuellen Marktbedingungen schaut Krause positiv in die Zukunft: „Wir steigen in den Markt erst ein. Niedrige Bewertungen wie jetzt sind da ein Vorteil.“                  

Torsten Paßmann

 

Steckbrief Seventure Partners
Standorte: Paris, München

Gründungsjahr: 1997

Gesellschafter: Natixis Private Equity

Anzahl der aktuellen Beteiligungen: 50 (Stand 31.10.08)

Derzeit verwaltetes Kapital: > 500 Mio. Euro

Kapitalquelle Privatanleger
Der Schritt nach Deutschland ist Teil der geografischen Diversifikation und Risikostreuungsstrategie der von Seventure aufgelegten Fondsprodukte für Privatanleger. Die Anleger sind zehn Jahre investiert und können einen gewissen Prozentsatz steuerlich geltend machen. Diesen Steuervorteil räumte die französische Regierung bewusst ein, um frisches Kapital in den VC-Markt zu spülen. In dem Segment der „Fonds Commun de Placement dans l’Innovation“ (FCPI) gehört Seventure zu den ältesten und größten Anbietern. Diese Position beruht auf der Vertriebsstärke, die die beiden als Partner operierenden Banken Banque Agricole und Banque Populaire garantieren. Um eine ähnliche Schlagkraft zu erreichen, müsste ein deutscher Investor mit den Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken kooperieren.