Ein genauer Vergleich lohnt

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Wenig öffentliche Förderung

Bei einem Vergleich Deutschlands mit den Nachbarländern ist oft das deutsche föderalistische System in Betracht zu ziehen, das zu größerer Komplexität und Uneinheitlichkeit führt, als dies in unitaristischen Staaten der Fall ist. Deswegen ist das Bild der deutschen Business Angels-Netzwerke so bunt und vielfältig, sind diese so unterschiedlich strukturiert. Es gibt nur ganz wenige Bundesländer, die Business Angels-Netzwerke durch die öffentliche Hand unmittelbar oder mittelbar fördern – ganz anders als in Frankreich, das bei nur 62 Millionen Einwohnern über 80 solcher Netzwerke verfügt, sie aber auch massiv finanziell unterstützt. Da die 40 deutschen Netzwerke aber flächendeckend agieren (mit Ausnahme einiger Länder in Ostdeutschland), kommt die Frage auf, ob die schiere größere Zahl von Vorteil ist. An der Darstellung von EBAN (www.eban.org) ist aber richtig, dass es hierzulande keine steuerliche Unterstützung der Finanzierung von Start-ups durch Business Angels gibt, dass das britische Enterprise Investment Scheme (EIS) in vorbildlicher Weise steuerliche Incentives ausgestaltet hat und Frankreich nachgezogen hat.

Zahlreiche deutsche Meilensteine

Unerwähnt lassen die Autoren aus dem EBAN-Vorstand, dass das 1998 gegründete Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) das erste nationale Netzwerk war, das sich als Verband der Business Angels und ihrer Netzwerke verstand (www.business-angels.de). Unterstützt durch die Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums und seiner Sponsoren hat BAND Vorbildfunktionen für später entstandene nationale Verbände in anderen Staaten ausgeübt, z.B. in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und sogar in den USA, mit der Struktur als Netz der Netzwerke, mit dem Deutschen Business Angels Tag, mit dem nationalen Netzwerkserfahrungsaustausch, mit der Ehrung des Business Angels des Jahres. Das vierteljährliche Business Angels Panel, das vom BAND gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen, der RWTH Aachen und den VDI nachrichten erhoben wird, ist weltweit einmalig. Das Jahr 2010 hatte BAND gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium zum „Business Angels Jahr 2010“ ausgerufen. Mit über 100 Partnern fanden 185 Veranstaltungen und insgesamt 512 Aktionen statt, um auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Business Angels hinzuweisen. Nur in Großbritannien gab es bisher eine ähnliche Kampagne, dort allerdings mit zusätzlichen staatlichen Mitteln von 110.000 GBP.

Belastbare Zahlen liegen vor

Da wir uns in einem informellen Markt bewegen und viele Business Angels sich nicht gerne in die Karten sehen lassen, sind alle umfassenden Erhebungen direkt an der Quelle problematisch. Solche Angaben zu ermitteln, ist in der Tat in Deutschland besonders schwierig. Dort, wo der Staat hingegen steuerlich nachhilft, kann er auch eine Statistik verlangen. Dennoch gibt es auch hier brauchbare Zahlen: Das ZEW Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (www.zew.de) hat 2007 im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die bisher einzige groß angelegte Erhebung zur Finanzierung durch Business Angels durchgeführt, und zwar unmittelbar bei Technologieunternehmen. Danach haben in den Jahren 2001 bis 2005 Business Angels 3.730 Deals allein bei Erstinvestitionen in Hightech-Unternehmen getätigt, im Durchschnitt pro Jahr also 746. Das ist – gemessen an den Zahlen von Baumann und Hostrup – mehr als in Großbritannien (330) und in Frankreich (380) zusammen. Nach den Schätzungen des ZEW waren 2007 in Deutschland 5.200 Business Angels aktiv, nach Erhebungen von BAND sind davon 1.400 in Netzwerken engagiert (Großbritannien: 5.700, Frankreich: 3.650). Umgerechnet bedeutet das: In Großbritannien hat nur jeder 17. und in Frankreich nur jeder zehnte Business Angel investiert – in Deutschland war es jeder siebte. Die Gesamtsumme des von Business Angels investierten Kapitals ohne Weiterfinanzierung und ohne Deals in Nicht-Hightech-Unternehmen hat das ZEW für 2005 mit 190 Mio. EUR als untere Grenze ermittelt – in Großbritannien waren es 53 Mio. EUR und in Frankreich 64 Mio. EUR.

Fazit:

Natürlich muss darauf hingewiesen werden, dass die Datenquellen sehr unterschiedlich sind, hier die Zahlen aus den (trotz allem auch in anderen Ländern) mehr als problematischen Ergebnissen von Netzwerkbefragungen, dort eine mit wissenschaftlichen Methoden ermittelte Gesamterhebung. Auch in Großbritannien und Frankreich dürfte die Zahl der Business Angels, die außerhalb von Netzwerken aktiv sind, die in den Netzwerken deutlich übersteigen, sodass eine Gesamterhebung andere Ergebnisse hätte. Dennoch: Allein aus der EBAN-Statistik einen Nachholbedarf für Deutschland zu konstruieren, muss hinterfragt werden. Das Problem liegt vielmehr darin, dass es weder in Europa noch in Deutschland regelmäßige, wissenschaftlichen Standards genügende Untersuchungen gibt. Die ZEW-Studie von 2007 hat leider keinen Nachfolger gefunden und für Europa gibt es nichts Vergleichbares.

Zu den Autoren

Braun Peter E.jpgBaumann BrigitteDr. Ute Günther und Dr. Roland Kirchhof sind seit 2001 Vorstände von Business Angels Netzwerk Deutschland e.V. (BAND). Das Netzwerk wurde 1998 gegründet, um die Business Angels-Kultur in Deutschland zu fördern.