Sechs Fragen an Thomas Baur und Freya Looft, dtp young entertainment GmbH

<
Werbung

VC Magazin: Was hat Sie dazu veranlasst, aus einem etablierten Medienkonzern ein eigenes Unternehmen auszugründen?

Baur: In den Jahren 2004 und 2005 waren unsere Kinder- und Familienspiele, die damals noch über die dtp entertainment AG veröffentlicht wurden, so erfolgreich, dass wir uns dazu entschieden haben, für das Spielesegment Kinder- und Familien-Software eine eigene Firma zu gründen. Damit sollte sowohl intern als auch extern dargestellt werden, dass wir in der Zukunft diesen Bereich als einen sehr wichtigen Bereich weiter ausbauen wollten, neben den klassischen Computer- und Videospielen. Im Jahre 2007 habe ich mich dann dazu entschlossen, mich in einem absehbaren Zeitraum nur noch diesen Spielen zu widmen. Es ist ein Bereich, der mir auch heute immer noch sehr viel Spaß und Freude bereit.

VC Magazin: Ihr Angebotsschwerpunkt liegt auf Spielen und Programmen für Mädchen. Damit konnten Sie zuletzt auch einen Beteiligungsinvestor von sich überzeugen. Was macht dieses Segment so attraktiv?

Looft: Zum einen handelt es sich bei dieser Art von Spielen um einen Nischenmarkt, was per se für uns ein Vorteil ist, da wir nicht im Wettbewerb mit den milliardenschweren Großunternehmen der Games-Branche stehen. Zum anderen haben wir stets eine nachwachsende Zielgruppe: Mädchen, allerdings auch Jungs, werden immer geboren! Ganz im Ernst: Ich weiß, dass unsere Nischenprodukte mit viel Liebe programmiert werden, dass dabei einfach eine sehr hohe und sehr gute Produktqualität herauskommt. Und das spricht sich halt herum.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidung würden Sie erneut treffen?

Baur: Da gibt es eine Reihe von Entscheidungen, die ich erneut treffen würde. Zum einen bin ich glücklich darüber, dass ich im Herbst 1987 in die Hard- und Softwarebranche grundsätzlich eingestiegen bin. Ich habe hier sehr viele Erfahrungen positiver, aber auch negativer Natur gesammelt, die ich allerdings überwiegend alle wiederholen würde. Ich würde nahezu alles noch einmal so machen, wie ich es in der Vergangenheit tatsächlich auch gemacht habe. Vielleicht hätte ich mir in den letzten Jahren ein wenig mehr Urlaub gönnen sollen.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Aus welchen schmerzhaften Erfahrungen haben Sie besonders viel gelernt?

Baur: Ich bin jetzt seit rund 25 Jahren in der Software-Branche tätig. Was ich grundsätzlich gelernt habe, ist, dass nach einem Tal auch wieder ein Berg kommt. Sprich: Selbst wenn es einmal entgegen der ursprünglichen Prognose nicht so wie geplant läuft und man anfängt zu zweifeln, geht es hinterher weiter: Vorausgesetzt man ist in der Lage zu analysieren und den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

VC Magazin: War die Aufnahme von Eigenkapital der einzige Grund zur Beteiligung eines Finanzinvestors?

Baur: Es war sicherlich ein wichtiger Grund, denn heutzutage scheint es noch wichtiger zu sein, ausreichend Eigenkapital und liquide Mittel zu haben. Wir haben uns im letzten Jahr deshalb nach einem soliden Beteiligungspartner umgesehen, und den haben wir mit WGZ Initiativkapital jetzt ja auch gefunden. Ein weiterer Aspekt war aber auch, dass wir uns durch die Aufnahme eines Finanzinvestors erhoffen, Wandlungen in unserem Bereich – derzeit wechseln viele Games-Entwickler in den reinen digitalen offline Bereich hinüber – nicht nur mit unserer eigenen „Games-Brillen“ zu sehen, sondern durch die Brille eines dritten, quasi Unbeteiligten, und somit die Gefahr der Betriebsblindheit ausschließen wollen.

VC Magazin: Wie sehen die Planungen für Ihre weitere unternehmerische Zukunft aus?

Looft: Unser Unternehmen hat in der Vergangenheit überwiegend Produkte auf dem physischen Weg vertrieben. Die unternehmerische Herausforderung für die dtp young für die Zukunft ist, sich auch nonphysische Vertriebswege zu erobern. Das setzt neben nahezu anderen Spiele-Aufbauten auch andere Vermarktungs- und Marketingwege voraus. Diese Wege weiter zu entwickeln und zu optimieren wird ein wichtiger Aspekt unserer unternehmerischen Zukunft sein.           

Baur: Ich selbst habe bekanntermaßen meine Wurzeln im Musikbereich und habe dort sehr erfolgreich Werbe-Tonträger für die Industrie konzipiert. Da auch Computer-Spiele und Spiele-Apps Werbebotschaften hervorragend und gezielt an die Kunden transportieren, möchten wir den Bereich Werbe-Games à la Moorhuhn für die Industrie in diesem Jahr ausbauen.

VC Magazin: Danke für das Interview.

 

Zu den Gesprächspartnern:

Thomas Baur und Freya Looft sind Geschäftsführer des Spieleanbieters dtp young entertainment GmbH (www.dtp-young.com). Das Unternehmen ist spezialisiert auf Spiel- und Lernsoftware für Kinder und Familien.