Zehn Fragen an Stephan Bayer von Sofatutor

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VC Magazin: Was verbirgt sich hinter Ihrem Start-up, das Sie 2008 ins Leben gerufen haben?

Bayer: Sofatutor.com ist heute eine Online-Nachhilfe-Plattform, die klassischen Nachhilfeschulen Konkurrenz macht. Unser Ziel ist es, Potenziale im bisher wenig digitalisierten Bildungsmarkt zu heben. Schüler finden bei uns über 7.000 Lernvideos, die ihnen verständlich die schwierigen Themen aus 18 Schulfächern erklären. Außerdem stellen wir Übungsaufgaben bereit, die Schülern die Möglichkeit geben, den Schulstoff vor Klassenarbeiten zu üben und in Echtzeit Feedback zu erhalten. Zu guter Letzt kann jeder Schüler sich im täglichen Chat mit echten Lehrern austauschen und Antworten auf Fragen erhalten, wenn er bei den Hausaufgaben stecken geblieben ist.

VC Magazin: Wie weit haben Sie sich seit der Gründung von der ursprünglichen Idee Ihres Businessplans entfernt?

Bayer: Zu Beginn war unsere Idee, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich an den Inhalten von sofatutor.com zu beteiligen. Der Content, den wir über diesen Crowdsourcing-Ansatz akquirierten, hat unserem Qualitätsanspruch aber nicht genügt. Wir haben dann eine effiziente Inhouse-Produktion von Lernfilmen entwickelt und entsprechend skaliert. Auch die „menschliche Komponente“ – die tägliche, individuelle Betreuung im Nachhilfe-Chat, wurde erst später in das Angebot integriert, um den Lernerfolg auch mit einem Geld-zurück-Versprechen garantieren zu können. Nie verändert hat sich das Geschäftsmodell und das Versprechen an unsere Kunden: ein Abonnement für bessere Zeugnisnoten.

VC Magazin: Sie wurden u.a. mit dem deutschen Bildungsmedienpreis „digita2011“ sowie als Preisträger im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Welche positiven Effekte konnten Sie dadurch verzeichnen?

Bayer: Bisher haben wir viel gute Presse bekommen. Mit dem Digita erhalten wir nun auch die Anerkennung durch eine didaktisch qualifizierte Jury. Das hat uns gezeigt, dass wir nicht nur den Ansprüchen von Schülern gerecht werden, die uns täglich direkt positives Feedback geben, sondern, dass wir auch von Lehrern und Professoren für unsere Arbeit geschätzt werden. So ein Zeichen freut unser 55-köpfiges Team und stiftet vertrauen bei den Eltern unserer Nutzer, die häufig an der Kaufentscheidung für sofatutor.com beteiligt sind.

VC Magazin: Wie hat sich das Gründerteam zusammengefunden und was sprach gegen die Karriere als Angestellter?

Bayer: Über den erweiterten Bekanntenkreis hat sich das Team der ersten Stunde gefunden. Wir hatten alle zuvor schon Gründungserfahrung gesammelt, wollten etwas online starten und waren speziell am Thema Bildung interessiert. Uns schweißt das Selbstverständnis zusammen, unseren eigenen Weg als Team zu gehen und ein innovatives Angebot, das die bestehenden Strukturen herausfordert, zu entwickeln. Dass aus meiner ursprünglichen Idee ein Unternehmen wird, haben wir gemerkt, als wir in meinem Studenten-WG-Zimmer begonnen haben, einen konkreten Plan für die Umsetzung aufzustellen. Erst, als wir die Excel-Tabelle vor uns sahen, wussten wir: Das wird kein kurzes Projekt.

VC Magazin: Gibt es (Internet-)Unternehmer, die Sie als Vorbilder oder Idole sehen?

Bayer: Wir haben in verschiedenen Entwicklungsphasen zu verschiedenen Leuten hoch geschaut. Meist die, die einen Schritt weiter waren, als wir. Zuerst die Gründer mit dem großen Funding, dann die Unternehmer mit den großen Umsätzen. Heute begeistern uns Menschen, die mit ihrer Firma in wenigen Jahren zum Marktführer oder zum Industriestandard geworden sind und dabei sehr bodenständig wirken. Tony Hsieh (Gründer von Zappos (www.zappos.com) – Anm. d. Red.) ist für uns z.B. so ein Vorbild.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen?

Bayer: Wir haben immer darauf geachtet, dass sich das Team weiterentwickelt und jeder, der will und kann, mit der Firma wächst. Somit haben wir alle kritischen Bereiche inhouse abgedeckt, schrittweise professionalisiert und sind nicht abhängig von externen Dienstleistern. Beispielsweise funktioniert Marketing und Produktentwicklung für ein so spezielles Produkt wie unseres nur, wenn man die Experten dafür selbst aufgebaut hat.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Konnten Sie schon schmerzhafte Erfahrungen sammeln, aus denen Sie besonders viel gelernt haben?

Bayer: Eigentlich ein häufiger Fehler von jungen Gründern: Wir haben zu viel Zeit vor dem Launch des eigentlichen Produkts verschwendet, statt schnell mit einer Minimalversion der Video-Lernplattform live zu gehen und erste Kunden zu gewinnen. Wir haben damals mehrere Monate verloren, weil wir zunächst ein Projektmanagement-Tool für Lernende entwickelt haben, welches sich dann erst schrittweise zur Video-Lernplattform verwandelt hat.

VC Magazin: Wie leicht (oder schwer) ist es Ihnen gefallen, Investoren zu finden?

Bayer: Auch hier haben wir uns aufgrund mangelnder Erfahrung zu Beginn unserer Gründerkarriere nicht optimal verhalten: unser Suchprozess nach dem ersten VC-Investment war zu wenig strukturiert. Wir haben neben dem täglichen Entwickeln der Plattform hin und wieder einen Pitch gemacht, statt uns zum richtigen Moment voll auf das Thema Kapitalakquise zu konzentrieren und im zuvor gesetzten Zeitrahmen auch abzuschließen. Heute gehen wir solche Themen anders an. Die Suche damals war dennoch erfolgreich.

VC Magazin: Welche drei bis fünf Apps für Smartphones sind die wichtigsten Helferlein in Ihrem Alltag?

Bayer: Ich bin recht fokussiert auf meinen Rechner. Das iPhone nutze ich, um E-Mails und Blogs zu lesen und vor allem unsere Umsätze live zu verfolgen. Eine App ist für mich unentbehrlich: Ich benutze die Genius Scan App, um schnell PDF-Scans zu erstellen.

VC Magazin: Wie sehen die mittelfristigen Planungen für sofatutor und Ihre unternehmerischen Zukunft aus?

Bayer: Wir sind an einem guten Punkt, um die Erfolgsgeschichte von sofatutor.com fortzuschreiben. Das Produkt wird vom Markt mehr als gut angenommen, unser Team ist gut aufgestellt und wir verstehen die entscheidenden Kennzahlen unseres Geschäftsmodells. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir für die Wachstumsphase einen weiteren Investor mit an Bord nehmen. Das bestehende Produkt soll sich am Markt so etablieren, dass es zum Standard bei deutschen Schülern wird. Dafür ist vor allem exzellente Arbeit unseres Marketing-Teams und das passende Budget nötig. Weiterhin ist die Weiterentwicklung der Plattform für jüngere und ältere Zielgruppen, sowie die Erschließung des internationalen Markts ein Thema, das uns momentan umtreibt.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Torsten Paßmann.

Zum Gesprächspartner
Stephan Bayer ist Gründer und Geschäftsführer der sofatutor GmbH aus Berlin (www.sofatutor.com). Eigenen Angaben zufolge ist das Unternehmen die  größte Online-Nachhilfe-Plattform im deutschsprachigen Raum und online seit April 2009.