Corimmun-Exit: Vom Labortisch weggekauft

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Noch vor Abschluss der Phase II

Mit einem so schnellen Verkauf war nicht unbedingt zu rechnen: Die Nachricht, dass Janssen-Cilag die Corimmun GmbH in Martinsried bei München übernimmt, sorgte im Juli für Aufsehen. 52 Münch klein „Wir hatten unser Projekt schon seit einiger Zeit auf hochrangigen Kongressen präsentiert und kannten das Interesse der Industrie“, sagt Prof. Götz Münch, einer der Gründer und Geschäftsführer von Corimmun. „Trotzdem ist dieser Exit für viele eine Überraschung.“  Überraschend deshalb, weil Corimmun sich mit seinem Wirkstoff COR-1 noch in der klinischen Phase II befindet. Das heißt, aus der Proof of Concept-Studie liegen noch keine Ergebnisse zur Wirksamkeit des Wirkstoffs beim Menschen vor.

Mehrfache BMBF-Förderung

Corimmun entwickelt neue Wirkstoffe zur Behandlung von Herzerkrankungen. Das Unternehmen wurde 2006 von mehreren Universitätsprofessoren gegründet und konnte dabei schon zwei „GO-Bio“-Projekte der Universitäten Würzburg und Tübingen im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen bündeln. GO-Bio ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Unterstützung von Firmengründungen im Bereich Life Sciences. Einige Jahre später erhielt Corimmun eine Förderung im Rahmen des ebenfalls vom BMBF finanzierten Spitzencluster-Programms m4 zur Finanzierung der klinischen Studie zu COR-1. Diese Hauptentwicklung des Unternehmens ist ein sogenanntes Cyclo-Peptid zur Behandlung von Herzinsuffizienz. Der Wirkstoff richtet sich gegen sogenannte Auto-Antikörper im Blut; er soll deren Attacken gegen den Herzmuskel abblocken und so einer Herzinsuffizienz vorbeugen.

Verschiedene Konzerne interessiert

„Wir hatten das Projekt unter anderem auf einem Wissenschaftsmeeting in Paris im August 2011 vorgestellt und dort mit Janssen darüber gesprochen“, erzählt Münch. Im Laufe der Zeit hätten sich aber auch andere große Unternehmen – z.B. aus der Schweiz und aus Japan – dafür interessiert. In der klinischen Phase I hatte sich der Wirkstoff als sehr sicher herausgestellt. Doch in diesen klinischen Tests mit Menschen ist zwar die Verträglichkeit, aber noch nicht das Wirkprinzip bewiesen. Insofern kam die Übernahme zum jetzigen Zeitpunkt früher als erwartet. „Eigentlich öffnet sich ein typisches Exit-Zeitfenster für ein solches Projekt erst nach Beendigung der Phase II“, erklärt Dr. Matthias Kromayer von den MIG-Fonds, die zum Exit-Zeitpunkt mit rund 26% an Corimmun beteiligt waren. „In diesem Fall war es jedoch für den Käufer sinnvoll, früher einzusteigen, weil das Wirkprinzip in einem anderen Zusammenhang schon recht gut bewiesen ist – das reduziert das Risiko“, führt Kromayer aus. Vor allem habe Janssen das Blockbuster-Potenzial von COR-1 erkannt, und daraus habe sich ein gewisser Schwung entwickelt. „Janssen hat hier strategisch alles richtig gemacht“, meint der MIG-Manager.

Strategischer Fit

„Janssen erschien uns als idealer Käufer, denn als Marktführer im Bereich Herzinsuffizienz verfügt das Unternehmen über eine enorme Erfahrung in der klinischen Entwicklung innovativer Medikamente für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so Kromayer weiter. „Janssen kann die Entwicklung in internationalen Studien mit viel mehr Power vorantreiben als ein kleines Biotech-Unternehmen wie Corimmun“, hofft der Investor. Neben dem strategischen Fit sei diese „Execution Power“ für MIG der wichtigste Grund gewesen, in die Verhandlungen mit Janssen einzusteigen.

Hoher Return

Über Struktur des Deals und den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Unbestätigten Berichten zufolge sollen es aber rund 100 Mio. USD sofort plus eine sogar noch darüberliegende Zahlung bei Erreichen eines klinischen Meilensteins sein. Weder MIG noch die anderen Gesellschafter wollten diese Summen bestätigen. In jedem Falle dürften die Investoren einen enormen Return erzielt haben, sie hatten in den sechs Jahren seit Unternehmensgründung in drei Finanzierungsrunden (2006: Seed, 2008: Serie A, 2010: Serie B) insgesamt 13,5 Mio. EUR Eigenkapital eingeworben hat. Die MIG Fonds waren Lead-Investor der Runden A und B. Die Finanzierungsrunden wurden darüber hinaus von vier Koinvestoren mitgetragen: High-Tech Gründerfonds, KfW Bankengruppe, Bayern Kapital und Bio-M AG Munich Biotech Development. Beteiligt waren zudem die fünf Gründer.

 

Fazit:

Im Fall Corimmun können sich die Investoren über einen äußerst erfolgreichen Exit freuen. Er zeigt, dass Biotechnologie in Deutschland attraktiv ist für internationale Investoren – und nicht zuletzt, dass Verkäufe immer wieder möglich sind, trotz der insgesamt schwierigen Exit-Situation.

 

redaktion@vc-magazin.de

 

Kurzprofil Corimmun GmbH

Vision: Blockbuster zur Behandlung von Herzinsuffizienz

Gründungsjahr: 2006

Unternehmenssitz: Martinsried/München

Mitarbeiterzahl: 22

Umsatz 2011: –

Finanzinvestoren: MIG Fonds, Bayern Kapital, Bio-M, KfW, High-Tech Gründerfonds