Neun Fragen an Hendrik Braun von Shoplove

Shoplove
Maximilian Beller, Hendrik Braun und Timo Trumpp haben Shoplove im Mai 2012 in München gegründet.
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Wenn die Aussicht auf das eigene Unternehmen spannender ist als die Karriere in Wissenschaft oder Konzern, bricht der Unternehmergeist durch. Welche Idee sie verfolgen, ob es Vorbilder gibt und aus welchen Erfahrungen sie besonders viel gelernt haben, berichten Entrepreneure im Gründerinterview – dieses Mal Hendrik Braun von The Visual Shopping Company GmbH, dem Start-up hinter Shoplove.

VC Magazin: Wie kam es zu der Idee für Ihr Start-up?

Braun: ShopLove (www.shoplove.com) aggregiert Online-Shops aus dem Bereich Mode und Wohndesign und bringt sie in visuell anregende Art und personalisierter Weise auf das iPad. Die Idee für die Shopping-App ist aus einem Konzept für ein Erlebniskochbuch mit angeschlossenem Shop entstanden, das auf ähnliche Weise funktionieren sollte. Insbesondere durch unsere Freundinnen wurden wir ermutigt die Bilder-Collage mit Modeartikeln anstatt mit Rezeptfotos zu füllen.

VC Magazin: Wie haben Sie erste die Finanzierung Ihrer Gründungsidee gestemmt und wie verlief die weitere Suche nach Kapital(-gebern)?

Braun: Wir drei Gründer haben die Finanzierung der ersten Monate gemeinsam aus unserem Ersparten gestemmt. Mit dem ersten einfachen Prototypen begannen wir Ende April 2012 Business Angels anzusprechen. Nach einigen Gesprächen mit Investoren aus ganz Deutschland konnten wir zwei Monate später beim Notar den Beteiligungsvertrag unterschreiben. Die größte Herausforderung dabei war, dass wir kein unmittelbares Vorbild aus den USA aufweisen konnten.

VC Magazin: Was sprach gegen die Karriere als Angestellter und wie hat sich das Gründerteam zusammengefunden?

Braun: Eine Angestelltenkarriere hätte den Drang nach Selbstverwirklung nicht stillen können. Meine beiden Mitgründer kenne ich seit über drei Jahren und habe mit Ihnen in jeweils unterschiedlichen Projekten vor unserer Gründung zusammengearbeitet. Jeder von uns hatte während seiner Studienzeit schon ein eigenes Gründungsprojekt gestartet. Anfang des Jahres haben wir uns in München zusammengesetzt und aus der oben genannten Grundidee ShopLove entwickelt.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen?

Braun: Sicherlich zu allererst steht die Entscheidung die Gründung zu wagen. Zudem würde ich mich jederzeit wieder dazu entschließen mit meinen heutigen Mitgründern zusammen zu gründen, da wir uns von unseren Fähigkeiten sehr gut ergänzen. Auch die Entscheidung am Standort München zu gründen würde ich heute wieder treffen.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Aus welchen schmerzhafte Erfahrungen konnten Sie besonders viel lernen?

Braun: Eine mündliche Zusage ist leider oft kaum etwas wert. Vereinbarungen solle man sowohl mit Investoren als auch mit Kooperationspartnern so schnell wie möglich schriftlich festhalten. Eine andere Erfahrung ist, dass man schon sehr früh merkt, ob ein Mitarbeiter zu seinem Unternehmen passt oder nicht. Sobald man sich dessen bewusst wird, sollte man Konsequenzen ziehen anstatt mit Hoffnung auf Besserung wegzuschauen.

VC Magazin: Was sind aus Ihrer Sicht bei den Rahmenbedingungen hierzulande der größte Pluspunkt und das größte Manko für junge Unternehmen?

Braun: Die Förderung von Unternehmensgründungen an Hochschulen u.a. durch Gründungszentren und Förderprogramme wie das EXIST-Gründerstipendium gehört für mich zu den größten Pluspunkten in Deutschland. Dem gegenüber steht das im Vergleich zu anderen Ländern geringe Angebot an privatem Wagniskapital in der Seed-Phase als Manko. Anreize für mehr Business Angel-Aktivität durch den Gesetzgeber, wie es sie z.B. in Frankreich gibt, wären wünschenswert.

VC Magazin: Gibt es (Internet-)Unternehmer, die Sie als Vorbilder oder Idole sehen?

Braun: Richard Branson ist für mich das größte Vorbild unter allen den herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten.

VC Magazin: Welche drei bis fünf Apps für Smartphones sind die wichtigsten Helferlein in Ihrem Alltag?

Braun: Asana als einfaches und übergreifendes Projekt-Management-Tool, die Xing-App, um schnell Kontaktdaten herauszufinden und SpringPad zum Sammeln und Teilen von interessanten digitalen Informationen.

VC Magazin: Wie sehen die mittelfristigen Planungen für Ihr Start-up und Ihre unternehmerische Zukunft aus?

Braun: Mittelfristig ist das internationale Wachstum für uns eines der wichtigsten Themen. Unser Geschäftsmodell ist leicht skalierbar und der Wettbewerb in anderen europäischen Ländern noch nicht sehr ausgeprägt. Erste Schritte in diese Richtung sind schon in der Vorbereitung.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Torsten Paßmann.

Zum Gesprächspartner

Hendrik Braun gründete 2007 als Student der WHU sein erstes Internet-Unternehmen. Nach einem Ausflug in die politische Landschaft im Jahr 2009 beschäftigte er sich in München als Doktorand an der LMU weiter mit Entrepreneurship. Während seiner Dissertationszeit gründete eine Initiative zur Förderung von Unternehmensgründung begabter Studenten und setzte sich intensiv mit Gründungsideen im Bereich eCommerce und Mobile auseinander. The Visual Shopping Company GmbH, das Start-up hinter Shoplove (www.shoplove.com), gründete er im Mai 2012 gemeinsam mit Maximilian Beller und Timo Trumpp.