„Positive Reibung ist gut fürs Geschäft‘“

PantherMedia / Santhosh Kumar
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VC Magazin: Herr Ragotzky, in welcher Situation hat sich mechatronik systemtechnik befunden, als sich Fidura am Unternehmen beteiligt hat?

Ragotzky: Mechatronic war damals kurz davor, richtig durchzustarten. Wichtige unternehmerische Meilensteine waren erreicht. Mit seinen Dünnwafer-Handlingssystemen verfügte mechatronic über ein klares Alleinstellungsmerkmal. Die technologische Basis bildet ein Patent, das in Kooperation mit Infineon entwickelt wurde und das von mechatronic exklusiv genutzt wird. Wichtige Schlüsselkunden waren bereits an Bord, weitere Großaufträge von den Großen der Halbleiterbranche zeichneten sich ab. Auch in Asien hatten sich bereits erste Vertriebserfolge eingestellt. Für uns der ideale Zeitpunkt bei mechatronic einzusteigen.

VC Magazin: Herr Schober, wie kam der Kontakt mit Fidura zustande? Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, nach Danube Equity einen weiteren Investor mit an Bord zu holen?

Schober: Der Kontakt zu Fidura kam über Danube Equity zustande. Österreichs größter Corporate Venture-Fonds, der von voestalpine und einer österreichischen Bankengruppe aufgelegt wurde, war damals bereits bei uns investiert. Für die zweite Finanzierungsrunde haben wir gemeinsam einen unabhängigen, operativ starken und vor allem technisch orientierten Private Equity-Co-Investor gesucht. Bei FIDURA hat uns besonders die unternehmerische Erfahrung und der naturwissenschaftliche Background des Managementteams überzeugt.

VC Magazin: Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt, welche Meilensteine wurden erreicht?

Schober: Seit dem Einstieg von Fidura hat sich der Umsatz mehr als verdreifacht – auf mittlerweile rund 10 Mio. EUR. Das ist uns aber nicht in den Schoß gefallen, dazu mussten wir erst unsere Hausaufgaben machen, vor allem im Vertrieb und beim Marketing. Das war keine Hexerei, dafür waren viele kleine Schritte notwendig. Wir haben unsere Messepräsenz rund um den Globus ausgebaut und unsere gesamte Marktkommunikation extrem professionalisiert. Wir haben ein neues CRM-System eingeführt, das den Vertrieb besser mit der Produktion synchronisiert. Nicht zuletzt haben wir vor Kurzem den Eintritt in den US-Markt geschafft und in lukrativen Märkten wie Solar und Healthcare Fuß gefasst.

VC Magazin: Herr Schober, bei vielen Unternehmen herrschen nach wie vor Vorbehalte gegenüber Beteiligungskapitalgebern. Welche Erfahrungen haben Sie in der Zusammenarbeit gemacht?

Schober: Persönlich habe ich in der Zusammenarbeit mit unseren beiden Kapitalgebern durchweg nur gute Erfahrungen gemacht. Das liegt aber vermutlich auch daran, dass wir uns im Vorfeld intensiv mit dem Markt auseinandergesetzt haben und klare Vorstellungen von unseren Wunschpartnern hatten. Die Erwartungen haben sich voll erfüllt. Fidura hat uns bei der Neuge­staltung unseres gesamten Außenauftritts sehr gut beraten und wertvolle Kontakte eingebracht. So konnten wir dank des Fidura-Netzwerks in Mitteleuropa unsere CNC-Maschinen sehr günstig und professionell auf Vordermann bringen und so kostspielige Investitionen vermeiden – das ist nur eines von vielen Beispielen.

VC Magazin: Herr Ragotzky, welche Erwartungen haben Sie an Ihre Portfoliounternehmen? Wie sieht der Dialog zwischen Fidura und Mechatronik im Alltag aus?

Ragotzky: Meine größte Erwartung ist, dass der Unternehmer die vereinbarten Meilensteine ernst nimmt und für sein Unternehmen „brennt“. In den vierteljährlichen Beiratssitzungen prüfen wir, wo das Unternehmen steht und legen gemeinsam neue Ziele fest. Aber auch dazwischen stehen wir praktisch täglich im Austausch, ohne dabei allerdings ins Tagesgeschäft einzugreifen. Wir sehen uns als Coach und Sparringspartner. Wenn der Schuh aber irgendwo drückt, packen wir auch schon einmal selbst mit an, etwa bei der Personalsuche oder bei strategischen Themen.

VC Magazin: Wo gehobelt wird, fallen Späne – wo gab es bislang Reibungspunkte zwischen Investor und dem Unternehmensmanagement?

Schober: Echte Reibungspunkte gab es bislang nicht, einen offenen Austausch auf Augenhöhe zu Sachfragen dagegen schon. Das erwarte ich aber offen gesprochen auch von einem Beteiligungskapitalgeber. Diese Form der positiven Reibung bringt uns voran und ist gut fürs Geschäft.

Ragotzky: Sicher diskutieren wir alle wichtigen Themen intensiv und zuweilen auch kontrovers. Am Ende werden aber alle Entscheidungen in den Beiratssitzungen im Konsens getroffen, und ich habe es auch noch nie erlebt, dass diese Entscheidungen dann später nochmals gekippt wurden. Entscheidungen gegen den Widerstand des Unternehmers durchzupeitschen, bringt ohnehin nichts und passt auch gar nicht zu unserer Philosophie: Uns ist wichtig, dass der Unternehmer Herr im eigenen Haus bleibt. Nur dann setzt er sich mit Leib und Seele für sein Unternehmen ein. Deshalb verwenden wir bei der Auswahl der Unternehmen so viel Sorgfalt auf das Gespräch mit dem Management.

VC Magazin: Herr Ragotzky, wie sehen Sie mechatronik systemtechnik auf dem Markt positioniert? Welche Exit-Routen sind aus Ihrer Sicht denkbar?

Ragotzky: Mechatronik gehört heute zu den führenden Anbietern von Maschinen für das berührungslose Handling von ultradünnen Wafern – dank der erstklassigen Technologie und vielen strategischen Projekten mit Partnern und Kunden, die ihrerseits führend auf ihrem Gebiet sind. Wir sind uns mit dem Management einig, dass der Verkauf an einen strategischen Partner die beste Exit-Route für das Unternehmen darstellt. Und hier gibt es auch durchaus Interesse.

VC Magazin: Was sind die nächsten Ziele und Meilensteine, die Sie gemeinsam ansteuern?

Schober: Operativ steht eine weitere Umsatzsteigerung durch den Ausbau der Geschäftsaktivitäten in den USA und Asien und die Durchdringung der Märkte Solar und Healthcare im Vordergrund.

VC Magazin: Danke für das Interview.

 

Zu den Gesprächspartnern:

Klaus Ragotzky ist Geschäftsführer der Fidura Fonds, die sich auf Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen spezialisiert haben. Walter Schober ist Gründer und Geschäftsführer der mechatronic systemtechnik gmbh, eines Anbieters von Maschinen im Dünnwafer-Bereich.