Interview mit Philipp Jacobi, Quadriga Capital

Philipp Jacobi
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VC Magazin: Fundraising im Private Equity-Umfeld ist aktuell keine einfache Aufgabe. Wie lange dauerte das Fundraising für den Quadriga Capital Fund IV, wie schwierig gestaltete es sich?
Jacobi: Das aktuelle Fundraising-Umfeld setzt einen intensiven und kontinuierlichen Dialog mit bestehenden und potenziellen Investoren voraus. Dies hatte Quadriga Capital dazu veranlasst, bereits vor dem offiziellen Start des Fundraisings eine intensive Pre-Marketing-Phase voranzustellen. Ein solches Vorgehen erschien notwendig, da die Märkte im Anschluss an die Lehman-Krise insgesamt verunsichert waren. Die Pre-Marketing-Phase des Quadriga Capital Fund IV begann in der ersten Hälfte, die eigentliche Marketing-Phase in der zweiten Hälfte des Jahres 2010. Substanzielle Commitments in der Größenordnung von 65% des angestrebten Fondsvolumens durch langjährige, aber auch neue Investoren lagen im Februar 2011 vor. Ab dann richtete sich der weitere Closing-Fahrplan nach den Zeitplänen insbesondere langjähriger Investoren, die ihre Commitments aus technischen Gründen erst im Herbst 2011 geben konnten. Nach Abschluss der regulären Investitionsperiode des Quadriga Capital Fund III konnte somit der Quadriga Capital Fund IV zeitgerecht seine operative Tätigkeit beginnen.

VC Magazin: Welche Einstellung haben die Investoren derzeit gegenüber Fonds aus Europa?
Jacobi: Bemerkenswert insgesamt war die wechselhafte Einschätzung vieler Investoren zu Europa und damit zum deutschsprachigen Raum. So konnte es passieren, dass im September der Investitionsraum als sehr attraktiv eingeschätzt wurde, während schon Anfang Oktober dieses Bild komplett revidiert wurde. Da diverse Investoren ihre Einschätzungen zu Europa und damit zum deutschsprachigen Raum noch nicht abschließend gebildet hatten, wurde ihrem Wunsch nach mehr Zeit entsprochen und der Quadriga Capital Fund IV bis in den Herbst 2012 offen gehalten

VC Magazin: Wie setzt sich der Investorenkreis von Quadriga Capital Fund IV regional und von der Herkunft des Kapitals zusammen?
Jacobi: Seit Auflage von Quadriga Capital Fund I im Jahre 1995 wurde sehr großer Wert auf eine internationale Investorenbasis gelegt, die über die Jahre konsequent ausgebaut wurde. So stellen heute amerikanische LPs 30%, europäische 60% und asiatische Investoren 10% der Investorenbasis dar. Die langjährige Zusammenarbeit mit den führenden Fund of Funds ist eine ebenso wichtige Säule wie die Unterstützung durch institutionelle Primärinvestoren. Ungeachtet dessen ist Quadriga Capital bestrebt, seine Investorenbasis weiter zu verbreitern, da sich abzeichnet, dass der eine oder andere bestehende Investor künftig nicht mehr in der Assetklasse Private Equity engagiert sein wird.

VC Magazin: Quadriga Capital ist aus dem neuen Fonds bereits drei Investments eingegangen. Wie schwierig ist es aktuell, passende und bezahlbare Unternehmen zu finden?
Jacobi: Im Rahmen unserer Deal Sourcing-Bemühungen versuchen wir, attraktive Unternehmen für den Quadriga Capital Fund IV frühzeitig zu identifizieren bzw. Quadriga Capital rechtzeitig bei den Firmen zu positionieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Markt kommen. Dabei konzentrieren wir uns nur auf die Fälle, bei denen wir über das passende Industrie-Know-how verfügen, die entsprechende Kontakte zu den Unternehmen bzw. Industrievertretern haben und im Vorfeld eine unternehmerische Vision bzw. Strategie entwickeln können. Dabei gelingt es immer wieder, proaktiv Deal-Situationen zu generieren, die häufig bilateral oder in einem begrenzten Wettbewerbsumfeld stattfinden. Gleichwohl nimmt Quadriga Capital auch an Auktionsprozessen teil. Allerdings nur dort, wo die oben genannten Ansatzpunkte eingebracht werden können. Heute ist die klare Vorstellung über das operative Verbesserungspotenzial notwendig, um nachhaltige Werte für die Investoren zu schaffen. Eine Differenzierung über Financial Engineering tritt immer mehr in den Hintergrund. Eine gewisse Herausforderung bilden weiterhin die Finanzierungsmärkte in unserer Größenklasse, auch wenn sich die Situation im Zeitablauf verbessert.

VC Magazin: Wie ermittelt man einen fairen Kaufpreis?
Jacobi: Ob man ein Unternehmen zu dem richtigen Preis erworben hat, stellt sich immer erst nach dessen Veräußerung heraus. Entscheidend sind die strategische und operative Weiterentwicklung sowie die risikoadäquate Finanzierungsstruktur. Es ist sinnvoller, ein Unternehmen mit deutlichen Entwicklungspotenzialen und solider strategischer Positionierung zu einem anspruchsvollen Preis zu erwerben, als ein Unternehmen mit begrenztem strategischem Wert zu einem niedrigen Multiplikator zu akquirieren.

VC Magazin: Wie schätzen Sie das aktuelle Preisniveau ein?
Jacobi: Das Preisniveau korrespondiert eindeutig mit der Attraktivität bzw. mit dem Chancen-Risiko-Profil der Zielgesellschaft. Unternehmen mit einem gesunden Cashflow- und Wachstumsprofil, das auch in der Vergangenheit demonstriert wurde, erzielen deutlich höhere Preise als Unternehmen, die einen Transformationsprozess in der Zukunft durchlaufen müssen. Mit Blick auf die begrenzte Anzahl qualitativ hochwertiger Transaktionen hält der Kapitalüberhang das Preisniveau hoch. Allerdings gibt es vermehrt Situationen, in denen die Preisvorstellung der Käufer nicht die Preiserwartung der Verkäufer trifft. In der Konsequenz werden Transaktionen zurückgezogen.

VC Magazin: Wie gut ist die Verfügbarkeit von Fremdkapital?
Jacobi: Auch wenn sich in den letzten Monaten die Verfügbarkeit der Fremdfinanzierung verbessert hat, stellt die Finanzierung – insbesondere im Bereich ab 100 bis 150 Mio. EUR – weiterhin eine Herausforderung dar. Die Banken sind noch nicht wieder bereit, größere Underwritings einzugehen, mit der Konsequenz, dass Club Deals arrangiert werden müssen. Unterstellt man einen Nachlauf von zwölf Monaten der Entwicklung in den USA, wo bereits wieder extrem liquide Märkte zu verzeichnen sind, sollte in den nächsten Monaten eine weitere Entspannung der Bankenmärkte zu erwarten sein.

VC Magazin: 2012 warben deutsche Beteiligungsfonds nur 1,8 Mrd. EUR im Fundraising ein. Wagen Sie eine Prognose für 2013?
Jacobi: Auch wenn ich keine konkrete Prognose für 2013 abgeben kann, so zeichnet sich doch eine positive Tendenz ab. Der Eindruck wird bestätigt, dass Deutschland bzw. der deutschsprachige Raum innerhalb Europas weiterhin neben Skandinavien eine hohe Wertschätzung erfährt. Vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen und der soliden wirtschaftlichen Rahmendaten und Entwicklungspotenziale kann dieses Marktsegment nicht untergewichtet werden. Allerdings werden die Anforderungen der Investoren an die GPs und deren Performance weiter zunehmen, sodass sich alle Marktteilnehmer auf eine weitere Professionalisierung der Branche einzustellen haben.

VC Magazin: Danke für das Interview.