Interview mit Benjamin Esser, Urbanara

Urbanara
Benjamin Esser, CEO von Urbanara
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VC Magazin: Das Urbanara-Team hat schon Erfahrungen mit „klassischen“ Venture Capital-Investoren gemacht und wendet sich nun dem Crowdinvesting zu. Was spricht für das eine und was für das andere Finanzierungsmodell?

Esser: Bis die Crowdinvesting-Welle kam, war Venture Capital – sei es von Business Angels oder Venture Capital-Gesellschaften – der einzige Weg für Jungunternehmen, Eigenkapital aufzunehmen. Über Fremdkapital kann man sich als Start-up, das noch nicht profitabel ist, nach wie vor nicht finanzieren – auch wenn gerade in Deutschland die ersten Venture Debt-Aktivitäten anlaufen. Überzeugt hat uns bei Bergfürst der Marketingmehrwert, da wir schon relativ lange darüber noch gedacht haben, wie wir unsere Stakeholder und Kunden zu Teilhabern des Unternehmens machen können. Wenn man wie wir versucht, eine Marke aufzubauen, dann braucht man dafür Menschen, die die Marke auch in den Markt tragen. Dafür eignet sich unserer Meinung nach dieser Weg sehr gut.

VC Magazin: Im Regelfall laufen Finanzierungen andersherum ab, erst Crowdinvesting, dann Venture Capital. Wie beurteilen die Wagniskapital-Investoren Ihren Schritt?

Esser: Anfangs waren die Altgesellschafter sehr skeptisch – genau wie ich selbst auch. Insbesondere der Aufwand, den ein solches IPO mit sich bringt, machte unseren Kapitalgebern Sorge. Ein junges Unternehmen vor diese Menge Bürokratie zu stellen, ist eigentlich nicht üblich. Normalerweise sollte in dieser Phase der Fokus klar auf dem Aufbau des Geschäfts liegen. Nach längerer Prüfung entschieden wir gemeinsam mit den Investoren, dass der Mehrwert den Aufwand überwiegt und wir den Schritt wagen wollen. Gleichzeitig schlossen wir eine weitere Finanzierungsrunde mit den Altgesellschaftern über 820.000 EUR ab.

VC Magazin: Sind die Altinvestoren der Crowd gleichgestellt in Punkto Konditionen und Mitspracherecht?

Esser: Die Rechte sind sich sehr ähnlich. Der Shareholder-Vertrag zwischen den beiden Parteien ist ausgeglichen: Die Investoren, die über Bergfürst kommen, werden nicht benachteiligt. Signifikantester Unterschied ist der Drag-Along. Demnach dürfen im Falle eines Verkaufs die Altgesellschafter, die aktuell 85% an Urbanara halten, die Bergfürst- Investoren mitnehmen.