Neun Fragen an Martin Schlichte von Lecturio

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VC Magazin: Wie kam es zu der Idee für Ihr Start-up?
Schlichte: Während meines Studiums an der Handelshochschule Leipzig habe ich hin und wieder mit Online-Lernen experimentiert und mit meinem Professor Stephan Stubner über verschiedene Ansätze diskutiert. So kam ich schließlich auf die Idee, eine Plattform für professionelle Onlinekurse zu entwickeln. Mittlerweile ist daraus eine Plattform für Online- und Mobile-Learning geworden, die ein adaptives Lernsystem mit Videokursen, interaktiven Lernkontrollfragen und einem Forum kombiniert. Die Kurse sind speziell auf die Anforderungen von Professionals ausgerichtet und werden von Dozenten aus den jeweiligen Branchen betreut.

VC Magazin: Wie haben Sie die erste Finanzierung Ihrer Gründungsidee gestemmt und wie verlief die weitere Suche nach Kapital(-gebern)?
Schlichte: In der allerersten Phase wurden wir von Business Angels gefördert, drei Monate nach der Gründung haben wir aber schon Venture Capital aufgenommen.

VC Magazin: Was sprach gegen die Karriere als Angestellter und wie hat sich das Gründerteam zusammengefunden?
Schlichte: Die guten Erfahrungen und Kontakte in Start-ups wie Spreadshirt und amiando machten mir früh klar, dass außer Gründung nichts in Frage kommt.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen?
Schlichte: Die Auswahl meines Teams hat sich als Volltreffer erwiesen. Auch die Entscheidung, in der E-Learning-Branche aktiv zu werden, würde ich jederzeit wieder treffen.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Aus welchen schmerzhaften Erfahrungen konnten Sie besonders viel lernen?
Schlichte: Zu früh zu viel Geld einzusammeln ist sicherlich eine Strategie, die ich so nicht noch einmal wählen würde.

VC Magazin: Was sind aus Ihrer Sicht bei den Rahmenbedingungen hierzulande der größte Pluspunkt und das größte Manko für junge Unternehmen?
Schlichte: Ein Pluspunkt ist, dass man einigermaßen einfach Startkapital (Seed-Investment) für ein Start-up bekommt. Allerdings sind Anschlussfinanzierungen für erfolgreiche Start-ups in Deutschland und Europa schwer zu bekommen. Förderungen sind meistens so aufwendig, dass man als erfahrener Gründer lieber die Finger davon lässt und sich gleich auf Venture Capital konzentriert.

VC Magazin: Gibt es (Internet-)Unternehmer, die Sie als Vorbilder oder Idole sehen?
Schlichte: Richard Branson, super Mischung aus Mut und Erfolg.

VC Magazin: Welche drei bis fünf Apps für Smartphones sind die wichtigsten Helferlein in Ihrem Alltag?
Schlichte: Als erstes natürlich die Lecturio-App, denn damit kann man immer wieder etwas Neues lernen. Sehr hilfreich finde ich auch Any.Do. Mit dieser App habe ich alle meine To-Dos im Überblick. Und schließlich noch WhatsApp – das ist für mich das neue Facebook.

VC Magazin: Wie sehen die mittelfristigen Planungen für Ihr Start-Up und Ihre unternehmerische Zukunft aus?
Schlichte: Auf der Agenda stehen bei uns in erster Linie größere Kooperationen mit Kommunikationsunternehmen, die unsere Online-Kurse in ihr Angebot mit aufnehmen und somit ihren Kunden einen enormen Mehrwert bieten könnten. Des Weiteren planen wir eine Expansion ins Ausland sowie den Ausbau unseres B2B-Angebots. So möchten wir demnächst etwa Kurse für Unternehmen und Organisationen anbieten, die damit ihre internen Weiterbildungsmaßnahmen wesentlich flexibler und auch günstiger gestalten können, da sie z.B. Reisekosten sparen und Ausfallzeiten verringern.

Zum Gesprächspartner:
Martin Schlichte gründete 2008 die Lecturio GmbH und leitet in Leipzig als CEO die interaktive Plattform für berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungen www.lecturio.de. Das Unternehmen zählt inzwischen 50 Mitarbeiter.