Angels Talk mit Jens Pause

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Rudolph: Seit wann sind Sie als Business Angel tätig?

Pause: Seit etwa fünf Jahren.

Rudolph: Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Pause: Das Zusammenspiel von Finanzierung und aktiver Unterstützung der finanzierten Unternehmen bis hin zum operativen Management, auch als Geschäftsführer oder Vorstand, hat mich besonders interessiert. Da ich als Wirtschaftsingenieur sowohl in Managementpositionen wie auch als Unternehmer tätig war und bin, kann ich hier auf lange und sehr breite Erfahrungen zurückgreifen.

Rudolph: Haben Sie einen Branchenschwerpunkt bei Ihren Investitionen?

Jens PausePause: Es gibt zwei Schwerpunktbereiche. Zum einen innovative Dienstleistungsunternehmen für Supply Chain-Optimierung in der mittelständischen Fertigungsindustrie. Zum anderen junge Unternehmen oder Start-ups, die kommerzialisierbare Produkte und Anwendungen für Prozesse im eBusiness mit Schwerpunkt Social Media entwickeln und vermarkten.

Rudolph: Welche Branchen sehen Sie als besonders spannend für Business Angels-Investitionen an?

Pause: Dies hängt sehr von den Erfahrungen und Interessen des Business Angels ab. Jedoch kann man allgemein sagen, dass relativ junge Branchen besonders interessant sind, in denen sich Technologie, Produkte und Märkte noch schnell verändern und entwickeln.

Rudolph: Sind Sie auch bereit für Nachfinanzierungen?

Pause: Dies ist je nach Unternehmensentwicklung und Kapitalbedarf schon vorgekommen, wobei ich als Business Angel eher an einer Verbreiterung der Portfoliobasis der Beteiligungen interessiert bin als an Kapitalbündelung.

Rudolph: Welche (Charakter-)Eigenschaften muss ein Business Angel mitbringen?

Pause: Der typische Business Angel sollte grundlegend nicht nur an der Finanzierung interessiert sein, sondern auch ein hohes unternehmerisches Interesse an der Firma und vor allem am Gründer bzw. am Managementteam haben. Dazu muss er sich gut auch auf junge und unerfahrene Teams einstellen und mit diesen umgehen können. Dies erfordert eine hohe Flexibilität und Toleranz gegenüber deren Erwartungen und Zielen.

Rudolph: Wie wichtig ist für Sie ein schneller und lukrativer Exit?

Pause: Dies hängt von der Firma, dem Produkt und der Marktentwicklung ab. In einigen Investments ist die vereinbarte Strategie eine schnelle Unternehmensentwicklung, um einen Exit zu ermöglichen. Dies ist eher in schnellen und volatilen Märkten und bei schlecht zu schützenden Produkten der Fall. Hier gilt time-to-market und schnell ein hohes Volumen zu erreichen. Andere Investments entwickeln wir über Jahre hinweg, um einen nachhaltigen Unternehmenswert zu generieren. Dies ist in technologisch komplexeren Anwendungen und Märkten der Fall.

Rudolph: Allein oder im Team – investieren Sie auch im Konsortium?

Pause: Ich habe auch schon in Club Deals, auch als Leadinvestor, investiert. Dies kann sehr interessant sein, da nicht nur das Kapitalrisiko gestreut wird, sondern auch unterschiedliche Erfahrungen und Netzwerke mit eingebracht werden.

Rudolph: Wer sind Ihre bevorzugten Investitionspartner?

Pause: Weitere Business Angels oder auch Förderbanken, die das Kapital der Investmentpartner leveragen.

Rudolph: Wie wichtig sind für Sie Business Angels-Netzwerke?

Pause: Angel-Netzwerke sind für mich gleich aus mehreren Gründen wichtig. Neben dem Kennenlernen neuer Start-ups ist für mich der Erfahrungsaustausch mit anderen Investoren sehr hilfreich und auch die Möglichkeit, bei einer (Nach-)Finanzierung interessierte Syndizierungspartner zu finden.

 

Zur Person:

Jens Pause kann aus 20 Jahren Führungserfahrung im Marketing und Einkauf schöpfen, davon zehn Jahre in einem internationalen Industrieunternehmen. Seit 1997 arbeitet er als Gründer und Geschäftsführer von innovativen Dienstleistungs- sowie Internet- und Mittelstandsunternehmen. Seit 2003 ist er Aufsichtsratsmitglied, seit 2009 Vorstand der eprolog AG (www.eprolog.de) und wesentlicher Partner der eprolog group, in der er den Aufbau strategischer Einkaufsallianzen vorantreibt. Pause absolvierte nach seinem Studium zum Diplom-Ingenieur mit Auslandsaufenthalten in Irland und Frankreich an der Technischen Universität München den Studiengang zum Diplom-Wirtschaftsingenieur.