„Die Bewertung von sonnen lag deutlich höher als die von Novaled beim Verkauf“

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VC Magazin: Der Exit erinnert etwas an Novaled, die von Samsung gekauft wurde. Inwieweit sind Ihnen derart strategische Interessen von Co-Investoren recht?
Patt: Sie haben Recht, es ist wirklich vergleichbar mit Novaled wo drei Jahre vor dem Verkauf Samsung Ventures mit an Bord kam. Im Mai 2018 haben wir bei sonnen noch eine Finanzierungsrunde durchgeführt, bei der auch Shell Ventures eingestiegen ist und bei der – unter starker Teilnahme der Bestandsinvestoren – rund 60 Mio. EUR zusammenkamen. Heute, knapp ein Jahr später, kauft Shell das Unternehmen. Unter dem Exit-Aspekt ist uns das strategische Interesse natürlich absolut recht.

VC Magazin: Eine weitere Parallele zu Novaled ist, dass auch sonnen als möglicher IPO-Kandidat gehandelt wurde. Fand dort ebenfalls ein Dual Track-Verfahren statt?
Patt: Wir hätten sicherlich ein Dual Track-Verfahren angestrebt, aber zum aktuellen Zeitpunkt war das Unternehmen schlicht noch nicht so weit. Jeder der sich einmal tiefer mit sonnen beschäftigt, wird feststellen, dass es die prädestinierte IPO-Story ist. Das zeigt auch das extrem hohe Interesse von IPO-Investoren und aller Investmentbanker, mit denen wir gesprochen haben, das Projekt zu begleiten. Wir hatten damit gerechnet, dass sonnen in der zweiten Jahreshälfte 2019 bereit gewesen wäre für einen Börsengang, aber manchmal kommt es eben anders als man denkt.

VC Magazin: Wie geht es mit dem Unternehmen nach dem Exit weiter?
Patt: Da kann ich nur spekulieren und da müssten Sie den neuen Eigentümer fragen. Ich habe aber das Gefühl, dass Shell – die ja eine eigene New Energy-Sparte aufgebaut haben und stark in diesen Bereich investieren –, der ideale Partner ist, um sonnen weltweit weiter nach vorne zu bringen, die globale Marktführerschaft zu verteidigen und sogar auszubauen Deswegen scheiden wir jetzt auch mit einem guten Gefühl aus dem Gesellschafterkreis des Unternehmens aus. Ich bin mir sicher, dass sonnen auch unter dem Dach von Shell eine eigene Einheit bleibt und den Strommarkt nachhaltig weiter verändern wird.

VC Magazin: Ende 2017 sprachen Sie von vier bis fünf potenziellen Exit-Kandidaten im Portfolio von eCapital. Erwarten uns also in den kommenden Monaten noch ein paar Verkäufe?
Patt: Davon würde ich ausgehen, ja. An der Einschätzung hat sich nichts geändert und mit sonnen ist jetzt der erste Aufschlag gemacht.

VC Magazin: Ende 2018 haben Sie den Cybersecurity-Fonds bei 30 Mio. EUR geschlossen und haben mit Nyris auch bereits ein erstes Investment getätigt. Wie viele Beteiligungen sind in den nächsten zwölf Monaten geplant?
Patt: Für die kommenden zwölf Monate rechne ich damit, dass wir noch etwa drei Investments eingehen werden. Entsprechende Unternehmen haben wir bereits in der Prüfung. Insgesamt werden wir ein Portfolio von mindestens 15 Firmen aufbauen. Diese kommen dann zu den vier Beteiligungen – inklusive Nyris –, die wir bereits halten, dazu. Neben den 30 Mio. EUR aus dem Cybersecurity-Fonds haben wir weitere 20 Mio. EUR in unserem Fonds IV für Investments in Cybersecurity Start-ups reserviert, sodass wir am Ende 50 Mio. EUR in diesem Segment allokieren werden.

VC Magazin: Herr Dr. Patt, vielen Dank für das Interview.

 

Dr. Paul-Josef Patt ist Managing Partner der eCapital entrepreneurial Partners AG aus Münster.