Plädoyer für Unternehmertum

Jung und mutig

Junge Unternehmer sind die Lebensversicherung Deutschlands. Sie sind der Jungbrunnen, Innovationsmotor und enorm wichtig für unsere wirtschaftliche Entwicklung – sei es als junge/r Familienunternehmer/in oder Gründer/in, um das Unternehmen in die nächste Generation zu führen. Sie schaffen Innovationen, führen neue Produkte zur Marktreife, entdecken neue Kundenbedürfnisse, geben neue Ideen und setzen Impulse. Familienunternehmen sind das Rückgrat der Wirtschaft, sie fördern den Wohlstand, schaffen Wertschöpfung und Arbeitsplätze und bilden junge Leute aus. Gerade jetzt sind sie ein wichtiger Stabilitätsanker. Doch obwohl unsere Gründer und Familienunternehmer für die Vitalität der Marktwirtschaft so wichtig sind, wird ihnen das Leben schwer gemacht. Zahlreiche Hürden verbauen Menschen den Schritt zum eigenen Unternehmen. Hier müssen wir anpacken.

Ich wünsche mir, dass wir der Corona-Krise vor allem eines abgewinnen können: dass wir wieder mehr Mut haben – Mut zum Unternehmertum; Mut, öfter ins kalte Wasser zu springen; mehr Wert auf unsere eigene Verantwortung legen. Dass wir wieder darüber diskutieren, in welchen Bereichen jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, welche Kernaufgaben der Staat hat und wofür wir Steuergelder verwenden. Wenn wir uns auf eine solche Diskussion einlassen, dann offenbart sich erheblicher Nachholbedarf.

Staatliche Unterregulierung als Anti-Rezessions-Programm

Wir brauchen mehr Mut, um unseren Standort attraktiv zu halten. Dazu gehört eine erschlankte, flexible und digitale Verwaltung. Hier hat der Corona-Shutdown auch Positives hervorgebracht: Der Staat hat gezeigt, was in ihm steckt. In Corona-Zeiten wurden plötzlich im Eilverfahren lebensrettende Maßnahmen für die vom Netz genommene Wirtschaft umgesetzt. Nun ist klar: Mit unserem Staat kann man ja „Staat machen“! Das haben wir lernen dürfen. Doch in „normalen“ Zeiten erleben Unternehmer lange Genehmigungsverfahren, umständliche Amtswege und verfehlte Überregulierung. Der Weg, ein Unternehmen in Deutschland zu gründen oder erfolgreich weiterzuführen, gestaltet sich zu einem Hindernislauf. Da spielen viele Dinge eine Rolle – zum Beispiel die Frage, ob man als Arbeitgeber weiterhin gute Fachkräfte findet und diese halten kann. Wer heutzutage etwa Mitarbeiterwohnungen oder eine Betriebskita bauen will, um den heiß begehrten Fachkräften die Wohnungssuche und Kinderbetreuung zu erleichtern, der überlegt es sich leider zweimal. Lange Genehmigungsverfahren und alle möglichen Vorschriften vom Brandschutz bis zur richtigen Größe der Kindertoiletten schrecken selbst gestandene Unternehmer ab. Das wiederum schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit, weil potenzielle Mitarbeiter nicht eingestellt werden können und schlimmstenfalls auch ins Ausland abwandern. Bürokratieabbau ist immer auch eine Politik für mehr Wettbewerbsfähigkeit, denn während man in anderen Ländern ein Unternehmen in weniger als vier Stunden gründen kann (Neuseeland), braucht man laut Weltbank in Deutschland immer noch acht Tage. Hier müssen mindestens neun Amtswege bewältigt werden: Auf dem Programm stehen Besuche bei der Bank, der Arbeitsagentur, beim Gewerbe- sowie beim Finanzamt und Handelsregistereintragung, Berufsgenossenschaft, Sozialversicherung, Künstlersozialkasse etc. Das ist verheerend, aber leider realistisch. Warum gibt es nicht zum Beispiel ein Unternehmer-Helpdesk im Amt als Anlaufstelle für gründungswillige Menschen?

Rollback in den Sozialismus – Unternehmer unter Generalverdacht

Erschwert wird der Schritt ins Unternehmertum auch durch ihr – von einigen Parteien forciertes – Image: Wir jungen Unternehmer werden in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern, mit Argwohn betrachtet, im Jahr 2020 überwacht und dauerkontrolliert. Wie Big Brother erfasst der Staat mehr und mehr Daten von uns: So müssen wir beispielsweise das sogenannte Geldwäschegesetz mit Transparenzregister und „Einsichtnahmerecht“ – für jedermann, jederzeit und ohne Begründung – seit Anfang 2020 hinnehmen. Während Datenschutz für den Normalbürger ganz oben auf die Agenda rückt, wird er für Unternehmer geradezu abgeschafft: Sie stehen unter Generalverdacht. Die SPD schürt zudem weiter Ressentiments gegen Unternehmer. Sie veröffentlichte im Wahlkampf im Osten ein Werbebanner mit einem cocktailschlürfenden, in der Hängematte liegenden Unternehmer, der durch Nichtstun Geld verdient. Diese Vorurteile sind nicht nur falsch, sondern gar eine Beleidigung gegen das Unternehmertum und den Mittelstand. Damit wird bewusst ein falsches Mindset befördert: das Zerrbild eines angeblich gierig und egoistisch handelnden Unternehmers. Uns geht es stattdessen darum, Menschen mit einer unternehmerischen Vision zu ermutigen, ihre Idee im Rahmen gesellschaftlicher Verantwortung voranzubringen und weiterzuentwickeln. Statt um die extrinsische Motivation monetärer Gewinne geht es den allermeisten Unternehmern vorrangig um die intrinsische Motivation unternehmerischen Handelns – das Moment, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, Kunden zu begeistern und ihr Leben auf vielfältige Weise zu verbessern.

Mehr Eigenverantwortung, bitte!

Was mich trotz allem optimistisch stimmt: Viele lernen gerade, unsere Werte aus der Zeit vor Corona neu zu schätzen – unsere Freiheit, unsere Eigenverantwortung. Einige hatten sich an diese Werte schon zu sehr gewöhnt; sie ein wenig vernachlässigt in der letzten Zeit. Der Staat hat uns viele Sorgen abnehmen wollen und vergessen, dass jeder Verantwortung trägt und dies auch frei tun soll. Wichtig ist heute, den Mut für neue und innovative Lösungen zu haben, die die Unternehmen finden werden. Wir Unternehmer brauchen eine vorausschauende Politik, die faire Spielregeln setzt und uns Platz für unser unternehmerisches Potenzial lässt. Ohne staatliche Betreuung, ohne Bevormundung, ohne neue Schulden. Vielleicht hat ja die Corona-Krise auch etwas Erhellendes – nämlich, dass der Wohlstand in unserem Land nicht gottgegeben ist und dass es gute Rahmenbedingungen für eine starke Wirtschaft braucht, damit wir auch diese Krise überstehen.

 

Sarna Röser ist seit 2018 die Bundesvorsitzende des Verbands Die Jungen Unternehmer in Deutschland, designierte Nachfolgerin im Familienunternehmen Zementrohr- und Betonwerke Karl Röser & Sohn GmbH in Baden-Württemberg und Gründerin von zwei Start-ups. In ihrem Ehrenamt bei Die Jungen Unternehmer setzt sie sich für eine starke Stimme der jungen Wirtschaft ein.