Nach dem Rekordjahr: Wohin entwickelt sich der deutsche MBO-Markt?

Starker Einbruch im März / Private Equity signalisiert Investitionsbereitschaft

Nach dem Rekordjahr: Wohin entwickelt sich der deutsche MBO-Markt?
Nach dem Rekordjahr: Wohin entwickelt sich der deutsche MBO-Markt?
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Bildnachweis: ©Elnur – stock.adobe.com.

Der Lockdown im März hat auch den M&A-Markt in Schockstarre versetzt – das Transaktionsgeschehen ist beinahe zum Erliegen gekommen. Das gilt auch für Management Buyouts (MBO) im deutschen Mittelstand, deren Zahl in den vergangenen zehn Jahren nahezu kontinuierlich auf zuletzt 51 Transaktionen (Volumen zwischen 50 Mio. und 250 Mio. EUR) gestiegen war. Schon jetzt ist absehbar, dass es 2020 einen ähnlichen Einschnitt geben wird wie 2009. Im Jahr nach der Finanzkrise waren nur halb so viele MBOs gezählt worden wie im Jahr zuvor. Doch wie tief wird das Marktvolumen fallen?

Es scheint, als könne sich die Lähmung bald lösen. Das Fachmagazin Finance hat im Juni rund 40 in Deutschland tätige Private Equity-Häuser nach ihrem aktuellen Investitionsverhalten gefragt. Der Aussage, man sei mit dem Portfolio beschäftigt und an Neugeschäft sei nicht zu denken, stimmte kein einziger Fondsmanager zu. Drei Viertel der Befragten bekundeten hingegen Interesse an Unternehmen, die sich gegen die Corona-Krise resistent gezeigt haben. Infrage kommen demnach auch im Kern gesunde Unternehmen, die aufgrund der Krise vorübergehende Liquiditätssorgen haben. Investitionsbereitschaft ist also vorhanden. Das kann angesichts der großen Summen verfügbarer Mittel nicht überraschen: Die Geldgeber – Versicherungen, Pensionsfonds, Family Offices und Staatsfonds – erwarten, dass die zugesagten Mittel abgerufen und investiert werden. Niedrige Zinsen haben der Anlageklasse Private Equity zu stärkerem Zuspruch verholfen.

Dealflow aktuell schwach

Offen ist jedoch, ob die Zahl der Beteiligungsmöglichkeiten an Unternehmen mit der ge-wünschten Qualität ausreichen wird. Der Dealflow ist insgesamt schwach; nach Jahren posi-tiver Bewertungen wird er erstmals „schlechter als im langjährigen Durchschnitt“ eingeschätzt. Mit „Halbierung im Vergleich zum Vorjahr“ ist die Situation wohl treffend beschrieben. Womöglich kann es in dieser Situation helfen, den Blick zu weiten. Private Equity-Häuser konzentrieren sich üblicherweise auf Unternehmen mit guter Marktposition, unternehmerischem Management und zukunftsfähigem Geschäftsmodell, da diese in normalen Zeiten selten ein Liquiditätsproblem bekommen oder gar in eine Insolvenz geraten. Unter dem Einfluss der Pandemie können sich allerdings selbst solche „Best of Breed-Unternehmen“ in schwierigem Fahrwasser wiederfinden.

Investitionskriterien werden noch eingehalten

Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass Restrukturierungs- und Sanierungsfälle nicht besonders hoch im Kurs der Investoren stehen. In der eingangs zitierten Umfrage zeigten sich nur 10% offen für solche Beteiligungsmöglichkeiten. Die etablierten Private Equity-Häuser folgen offenbar auch in dieser Ausnahmesituation streng ihren Investitionskriterien. Indessen ist es durchaus möglich, dass in den kommenden sechs bis 18 Monaten auch solche Unternehmen Eigenkapitalbedarf haben, die in den vergangenen Jahren für Private Equity nicht erreichbar waren. Es wird also öfter abzuwägen sein zwischen der gerade in Krisenzeiten oft beschworenen Devise „Sicherheit geht vor“ und der Chance, in attraktive Geschäftsmodelle zu investieren. Je nach Verlauf der Krise wird hier allerdings ein langer Atem gefragt sein.

Entspannung bei den Fremdkapitalgebern

Auf der Bankenseite scheint sich inzwischen Entspannung breitzumachen. Ende März hatten einer Umfrage der Investmentbank GCA Altium zufolge rund 30% der Banken kategorisch ausgeschlossen, sich neuen Finanzierungen zuzuwenden – Ende Mai, gerade einmal zwei Monate später, konnten sich nahezu alle (96%) befragten Banken genau dies vorstellen. Finanzierungen werden allerdings teurer: Um 50 Basispunkte ist der Angebotszinssatz seit dem Ausbruch der Krise gestiegen.

 

Torsten Grede ist seit März 2013 Sprecher des Vorstands der Deutschen Beteiligungs AG und seit Januar 2001 Vorstandsmitglied. Seine berufliche Laufbahn begann er 1990 direkt nach Abschluss seines Studiums bei der Deutschen Beteiligungs AG; er verfügt inzwischen also über drei Jahrzehnte Erfahrung im Private Equity-Geschäft im deutschen Mittelstand.