Adventsgespräche – 4. Dezember

Mit Tanja Rosendahl, F-Log Ventures

Adventsgespräche – 4. Dezember mit Tanja Rosendahl, F-Log Ventures
Adventsgespräche – 4. Dezember mit Tanja Rosendahl, F-Log Ventures
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Der Advent ist eine willkommene Gelegenheit, inne zu halten, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und neue Energie für die bevorstehenden Aufgaben zu sammeln. In der Reihe „Adventsgespräche“ kommen Köpfe der deutschen Venture Capital- und Private Equity-Szene zu Wort, ziehen ein Fazit zu 2020 und werfen einen Blick nach vorne auf die kommenden zwölf Monate.

VC Magazin: Mit welchen Gefühlen blicken Sie persönlich auf 2020 zurück?
Rosendahl: Tatsächlich blicke ich mit sehr gemischten Gefühlen auf das Jahr 2020 zurück. Es sind ungewöhnliche Zeiten mit denen sicherlich niemand im letzten Jahr um diese Zeit gerechnet hat. Für viele Menschen war das Jahr 2020 schwierig oder sogar existenzbedrohend, daher sehe ich das Jahr 2020 als ein sehr anspruchsvolles Jahr für die Gesellschaft und unser Miteinander. Auf der anderen Seite war das Jahr 2020 für mich gleichzeitig geprägt von vielen spannenden und positiven Ereignissen wie den Aufbau der F-Log Ventures. Die Gründung eines neuen Venture Capital-Fonds von Grund auf gemeinsam mit einem tollen Team und einem starken Investor, der gleichzeitig für unser künftiges Portfolio Mehrwert schafft, ist auf jeden Fall ein sehr positives Gefühl. Ich freue mich, dass wir das 2020 geschafft haben und nun bereits mit einem ersten Investment 2021 durchstarten können. Für mich persönlich war das Jahr 2020 sehr anstrengend, aber in einem sehr positiven Sinne.

VC Magazin: Sie haben kürzlich das Management der F-Log Ventures, dem Corporate Venture Fonds von Fiege Logistik, sowie das Management der Next Logistics Accelerator-Beteiligungsgesellschaft (NLA) übernommen. Was sind Ihre Pläne mit den aktuell 16 Portfoliounternehmen?
Rosendahl: Ein wesentlicher Aspekt bei der erfolgten Änderung des Managements war für uns auf jeden Fall, dass dies für die Portfoliounternehmen keinerlei negative Auswirkungen haben darf. Ich denke das haben wir geschafft. Unsere Portfoliounternehmen haben dieses Jahr diverse Finanzierungsrunden abgeschlossen, auch ein Merger war dabei; wir möchten die Start-ups in ihrem weiteren Wachstum unterstützen und den Gründern hier auch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Darüber öffnen wir den einzelnen Unternehmen, die ja auch alle in der Logistik, unserem Schwerpunkt der F-Log Ventures, unterwegs sind, unser Netzwerk; hierbei geht es vor allem um Kontakte zu Logistikpartnern, möglichen PoCs mit unserem Investor Fiege, den Kunden oder auch weiteren Venture Capital-Investoren aus der Branche für künftige Finanzierungsrunden. Letztendlich unterstützen wir das NLA-Portfolio genauso wie unser eigenes F-Log-Portfolio mit dem Ziel, die Start-ups auf die nächste Entwicklungsstufe hin zu entwickeln; hierbei sind wir rein finanzgetrieben und zielen, gemeinsam mit den Gründern, auf einen künftigen Exit.

VC Magazin: Wie beurteilen Sie das aktuelle Marktumfeld für Start-ups in Deutschland?
Rosendahl: Diese Frage kann ich gar nicht pauschal beantworten. Wie auch bei größeren Unternehmen gibt es bei den Start-ups Gewinner und Verlierer der Krise. Start-ups die ein Businessmodel rund um beispielsweise Digitalisierungsthemen oder auch Prozessoptimierungen im E-Commerce haben, hat die aktuelle Marktlage eher Aufschwung gegeben. Das ist auch eine ganz klare Aussage der Start-ups. Von anderen Gründern hört man dagegen, dass sich Vertriebszyklen verlängert haben oder Pilotprojekte verschoben oder abgesagt wurden, da sich viele Zielkunden in der aktuellen Marktlage auf die Sicherung des eigenen Bestandsgeschäftes konzentriert haben. Die Frage ist, ob diese Effekte langfristig anhalten oder sich mit dem Ende der Krise wieder relativieren werden; die Notwendigkeit zunehmender Digitalisierung dürfte jedoch bei allen Unternehmen ein ganz klares Learning sein, sodass der positive Effekt bei solchen Geschäftsmodellen vorerst weiter positiv auswirken dürfte. Unabhängig von der aktuellen Krise sehe ich, dass für viele, vor allem Absolventen, das Gründen ein realistischer Karrierepfad ist und weitere Programme zur Unterstützung der ersten Gründungsschritte den Einstieg in die Gründerszene zunehmend leichter machen. Die Anzahl der Venture Capital-Fonds in Deutschland und die Größe von Folgefonds etablierter Beteiligungsgesellschaften nehmen zu; gleichzeitig haben auch ausländische Investoren Deutschland als interessantes Investmentziel erkannt. Gleichzeitig sind auch immer mehr große Unternehmen an einer Zusammenarbeit mit Start-ups interessiert und akzeptieren die in der Vergangenheit noch ungewohnten Spielregeln dieses Miteinanders. Daher sehe ich die Marktlage in Deutschland für Start-ups grundsätzlich sehr positiv.

VC Magazin: Welches Unternehmen hat Sie 2020 besonders beeindruckt?
Rosendahl: Flaschenpost ist hier natürlich zu erwähnen, der Exit hat glaube ich in der ganzen Branche erhebliches Aufsehen erregt. Mich hat 2020 aber auch die Entwicklung der Trade Republic hinsichtlich des Erfolgs eines jungen aber sehr smarten Gründerteams sehr beeindruckt. Ich habe die Gründer bereits früh 2019 kennengelernt und ich finde das Wachstums der Trade Republic und die Finanzierungsrunden 2019 und 2020 mit großen namhaften Investoren wirklich sehr beachtlich. Respekt.

VC Magazin: Was erwarten Sie vom Jahr 2021?
Rosendahl: Für 2021 hoffe ich auf ein Überwinden der Krise und ein Wiederaufleben der besonders betroffenen Wirtschaftszweige. Persönlich hoffe ich auf ein erfolgreiches Jahr für unsere Start-ups des NLA und der F-Log und viele interessante Deals aus der Logistik, die wir mit der F-Log Ventures supporten und gemeinsam mit den Gründern weiterentwickeln können.

VC Magazin: Frau Rosendahl, vielen Dank für das Interview.

Tanja Rosendahl ist Managing Partner bei F-Log Ventures und der Next Logistics Accelerator Beteiligungsgesellschaft. Darüber hinaus ist sie Head of Venture Investing beim Logistikkonzern Fiege. Zu ihren vorherigen beruflichen Stationen zählen die Beratungsgesellschaft Network Corporate Finance und die NRW.Bank.