Adventsgespräche – 9. Dezember

Mit Dr. Peter Wolff, EnjoyVenture

Der Advent ist eine willkommene Gelegenheit, inne zu halten, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und neue Energie für die bevorstehenden Aufgaben zu sammeln. In der Reihe „Adventsgespräche“ kommen Köpfe der deutschen Venture Capital- und Private Equity-Szene zu Wort, ziehen ein Fazit zu 2020 und werfen einen Blick nach vorne auf die kommenden zwölf Monate.

VC Magazin: Mit welchen Gefühlen blicken Sie persönlich auf 2020 zurück?
Wolff: Irgendwie gemischt: Natürlich bewegen uns und mich die massiven sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Herausforderung, die mit dem Covid-Thema einhergehen. Manche Diskussion lässt die Ausgewogenheit der verschiedenen Herausforderungen missen. Trotz der Covid-Herausforderungen ist das Jahr 2020 für unsere aktiven Seedfonds sehr gut gelaufen, sowohl auf der Exit-Seite als auch bei den Neuinvestments. Die wenigen notwendigen Bewertungskorrekturen im Portfolio basierten allesamt nicht auf dem Covid-Thema. Und zu diesem guten Ergebnis hat das ganze Team beigetragen. An der einen oder anderen Stelle hatten wir aber auch einfach das notwendige Quäntchen Glück – insbesondere beim Timing.
 
VC Magazin: Bei welchen Unternehmen ist Ihnen ein Exit gelungen, an wem haben Sie sich neu beteiligt?
Wolff: Gerade unsere zwei Exits in der ersten Jahreshälfte, bei Connox und Data Assessment, haben Freude bereitet! Darüber hinaus befindet sich gerade noch ein kleiner Exit in Umsetzung. Bei den Neuinvestments können wir offiziell bereits die Beteiligung an ZKsystems, die im Bereich IoT unterwegs sind, und an playsports vermelden. Zwei spannende Projekte, bei denen wir uns auf die Zusammenarbeit mit den Teams freuen! Im Dezember findet noch ein weiteres Investmentkomitee statt, in dem wir ein E-Health-Thema vorstellen. Das Jahr ist also noch nicht um!

VC Magazin: Sie engagieren sich seit vielen Jahren auch im PEF, dem Private Equity-Forum NRW. Ihr EnjoyVenture-Geschäftsführungskollege Wolfgang Lubert sitzt dem Verein seit fast zwei Jahrzehnten vor. Wie blicken Sie durch die PEF-Brille auf das Jahr 2020 zurück?
Wolff: Insgesamt hat sich die Branche nach „kurzem Schütteln“ ganz gut in der Krise entwickelt und sich auf die neuen Bedingungen eingestellt. Das zeigen nicht nur die zahlreichen Closings neuer Fonds in den letzten Monaten, sondern auch die vielen neuen Investments, die eingegangen wurden. Wir als Verein haben mit der Krise eine ganz andere Herausforderung: In den letzten 20 Jahren hat sich das PEF durch die zahlreichen Veranstaltungen zu einer echten Networking-Plattform entwickelt. Das PEF lebt von den Kamingesprächen, unserem Neujahrs-Empfang, dem Investor-Circle oder den Fachveranstaltungen. Und das Alles ist im Jahr 2020 nahezu vollständig abgesagt worden. Doch wir stellen fest: persönliches Networking ist nicht durch die x-te Zoom-Konferenz zu ersetzen. Aktuell diskutieren wir die Positionierung für 2021. Wir werden auf jeden Fall versuchen, einen sinnvollen Mix zwischen Offline/Online-Angeboten zu entwickeln.

VC Magazin: Was hat Sie im gerade ablaufenden Jahr besonders beeindruckt?
Wolff: Mich haben gerade die Stärken des einen oder anderen Teams im Portfolio überrascht und mit welcher proaktiven Professionalität vor allem zu Beginn der Covid-Krise die Herausforderungen angegangen wurden. Oft kamen diese Initiativen von eher „leisen Teams“, die nicht ständig die große Bühne suchen, sondern einfach anpacken. Auch hat mich überrascht, welche Themen plötzlich ganz einfach und unkonventionell erledigt werden können. Zum Beispiel, dass man doch nicht immer physisch vor Ort sein muss oder dass in Investmentkomitees plötzlich kurz und pragmatisch auf den Punkt hin diskutiert wurde. Und es war interessant zu beobachten, wie entspannt in Covid-Zeiten in nahezu leeren und überpünktlichen Zügen gereist werden konnte.

VC Magazin: Und Ihr Blick nach vorne in Richtung 2021?
Wolff: Ich hoffe sehr, dass wir im nächsten Jahr endlich wieder ein ganzes Stück mehr Gelassenheit bei den aktuellen Herausforderungen an den Tag legen, endlich wieder mehr auf Selbstverantwortung setzen, diese einfordern und soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Herausforderungen im Gleichklang diskutieren. Im Beteiligungsgeschäft freue ich mich, unsere neuen Fondsansätze weiter entwickeln zu dürfen. Die Zukunft ist wirklich gerade beim Blick auf neue Investments sehr spannend. Dazu müssen wir uns als Fondsmanager aber auch weiter entwickeln. Stay Tuned, man wird von uns noch hören!

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview!

Dr. Peter Wolff ist Geschäftsführer der EnjoyVenture Management GmbH.