BonVenture: „Unser langes Bestehen hilft uns im Fundraising“

Interview mit Angela Lawaldt und Jochen Herdrich, BonVenture

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BonVenture: "Unser langes Bestehen hilft uns im Fundraising" - Angela Lawaldt und Jochen Herdrich, BonVenture
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Bildnachweis: © BonVenture.

Der Impact Investing Venture Capitalist BonVenture setzt seit mehr als 17 Jahren auf Social Entrepreneurship. Im Interview berichten Angela Lawaldt und Jochen Herdrich, beide Partner bei BonVenture, vom aktuellen Trend Impact Investing und wie sich der Markt mittlerweile entwickelt hat.

VC Magazin: Sie haben Ihren ersten Fonds im Jahr 2003 aufgelegt. Wie hat sich die Aufmerksamkeit für die Themen Social Venture Capital und Impact Investing seither verändert?
Herdrich: Die Themen Impact Investing und Social Entrepreneurship haben enorm an Zulauf gewonnen, liegen voll im Trend der Zeit. Auf der Anlegerseite fragen immer mehr Investoren und Investorinnen nach nachhaltigen Produkten mit einer klar messbaren gesellschaftlichen Rendite. Auf der Gründerseite sehen wir eine verstärkte Aktivität von Gründerinnen und Gründern, die einen gesellschaftlichen Mehrwert mit ihrer Unternehmung verfolgen. Diese beiden Trends befeuern das Impact Investing doppelt. Die Corona-Krise hat weiter verstärkt, dass „Doing Good & doing Business“ kein Widerspruch ist.

VC Magazin: Sie werben gerade Kapital für Ihren vierten Fonds ein. Wie haben sich die Rahmenbedingungen für das Fundraising seither verändert?
Lawaldt: Die Investorenbasis ist breiter geworden, deutlich mehr Menschen interessieren sich für Impact Investing. Gleichzeitig werden die Investoren – zu Recht – auch anspruchsvoller. Sie begnügen sich nicht mehr mit Absichtserklärungen hinsichtlich der Wirkung, sondern wollen eine aussagekräftige Wirkungsmessung und eine verständliche Berichterstattung, was mit ihren Investitionen konkret bewirkt wird. Dass wir diese klare Wirkungsorientierung bereits seit 2003 – lange sogar als einziger Anbieter – verfolgen, hilft uns jetzt natürlich besonders im Fundraising.

VC Magazin: Welche gesellschaftlichen und finanziellen Renditen versprechen Sie potenziellen Investoren?
Herdrich: Als einziger in Deutschland registrierter „Europäischer Fonds für soziales Unternehmertum“ (EuSEF) verfolgen wir eine doppelte Rendite: eine attraktive finanzielle von 5-8% (IRR p.a. im neuen Fonds BonVenture IV) und eine ebenso positive, klar messbare in gesellschaftlicher Hinsicht. Das erreichen wir, indem wir in skalierbare und innovative Geschäftsmodelle investieren, die direkt durch die Produkte oder Dienstleistungen eine klare gesellschaftliche Wirkung entfalten.

VC Magazin: Wer sind die Investoren in BonVenture-Fonds? Welche Ticketgrößen bieten Sie Ihren Investoren an?
Herdrich: Neben Family-Offices, von denen einige BonVenture von Beginn an bis heute begleiten, konnten wir mit der Zeit mehr und mehr private und institutionelle Investoren von unserem High-Impact Investing überzeugen. Allen gemeinsam ist, dass ihnen die Wirkung ihrer Investitionen sehr am Herz liegt, was uns sehr freut. Als registrierter EuSEF-Manager dürfen wir aufgrund der regulatorischen Vorgaben nur professionelle und semi-professionelle Anleger mit sechsstelliger Anlagesumme aufnehmen. Die Mindestanlagesumme liegt daher bei 500.000 EUR (für institutionelle Investoren und Family-Offices). Bei Privatinvestoren können wir auch Investitionen ab 200.000 EUR annehmen.

VC Magazin: Welche Unternehmen waren die bisherigen Success-Storys aus Ihrem Portfolio?
Lawaldt: Seit 2003 konnten wir über 50 Impact-Startups begleiten und hatten entsprechend auch einige sehr erfolgreiche Success-Stories. Das Schöne daran ist, dass die wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen auch eine hohe gesellschaftliche Rendite erzielen: so führt bei discovering hands jede Brustkrebsvorsorge, die eine blinde Frau an einer Patientin durchführt, zu Umsatz, aber vor allem zu sinnvollem Einsatz des starken Tastsinns einer blinden Tastuntersucherin sowie nicht zuletzt potenziell zu einer Lebensrettung für die Patientin. Wir achten also stets darauf, dass zwischen finanzieller und gesellschaftlicher Rendite kein Zielkonflikt besteht. Ein besonders erfolgreiches Beispiel sind die Kinderzentren Kunterbunt, ein innovativer Kinderbetreuungsanbieter, den wir von 2007 bis 2017 bei seiner deutschlandweiten Skalierung begleitet haben. In dieser Zeit konnte die Zahl der betreuten Kinder von 331 auf 4.335 gesteigert werden. 2017 hatten wir dann einen sehr lukrativen Exit, wobei der Käufer die soziale Wirkung weiter fortführt. Ein anderes tolles Beispiel ist Followfood mit seiner bekannten Lebensmittelmarke Followfish. Wir haben uns zwischen 2015-2020 dort engagiert, weil Followfood den Tracking-Code auf den Konserven erfunden hat und damit Vorreiter für Transparenz in der Lebensmittelbranche ist. Vor einigen Wochen hatten wir auch hier einen erfolgreichen Exit an die Gründer.

VC Magazin: Aber es gibt sicherlich nicht nur Erfolge in knapp 20 Jahren Investitionstätigkeit?
Herdrich: Natürlich gehören auch gelegentlich Abschreibungen zu unserem Geschäft. Auch wenn es soziales Risikokapital ist, bleibt ein Ausfallrisiko von ca. 10-20% des Portfolios. Dafür übertreffen andere Investments die Erwartungen. Wir stellen jedoch ein besseres Chancen-Risiken-Verhältnis bei unseren wirkungsorientierten Gründern und Gründerinnen fest. Aus unseren Erfahrungen sind Sozialunternehmen resilienter und haben ein geringeres Ausfallrisiko. Dies hat sich auch in der Corona-Pandemie nochmals bestätigt.
Als Impact-Investor sind wir außerdem nicht ausschließlich auf der Suche nach dem einen „Einhorn“, das den Fonds zurückbezahlt. Wir halten vielmehr Ausschau nach tollen Sozialunternehmerinnen und Sozialunternehmern, die mit innovativen und skalierbaren Geschäftsmodellen gesellschaftliche Probleme lösen. Diese sind selbst altruistisch motiviert. Ihnen geht es nicht allein um die Maximierung der Finanzrendite, sondern besonders darum, eine positive Veränderung in der Welt zu bewegen, in sozialer oder ökologischer Hinsicht.

VC Magazin: Sie waren viele Jahre der einzige Social Venture Fonds in Deutschland, inzwischen gibt es weitere Anbieter. Spüren Sie die Konkurrenz?
Lawaldt: Wir spüren eine tolle Entwicklung bei Impact Investing. Diese Marktentwicklung hätten wir alleine gar nicht stemmen können. Insofern begrüßen wir weitere Marktteilnehmer, die uns dabei helfen und mit uns zusammen in Sozialunternehmen investieren. Wir empfehlen Investoren lediglich, darauf zu achten, dass da, wo Impact drauf steht, auch wirklich Impact drin ist.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview.
Herdrich und Lawaldt: Wir danken Ihnen.

Angela Lawaldt und Jochen Herdrich, BonVenture:

Angela Lawaldt ist Partnerin bei BonVenture. Sie hat Psychologie und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation studiert und sammelte Wirtschaftserfahrung als Unternehmensberaterin und Mitgründerin eines Biotechnologie Start-ups. Über freiberufliche Beratung für soziale Organisationen kam sie zu Ashoka Deutschland, wo sie zwei Jahre lang die Auswahl von Social Entrepreneurs leitete und das Investorennetzwerk betreute. Angela Lawaldt engagiert sich seit ihrer Kindheit in sozialen Projekten und hat u.a. ein Jugendprojekt in Kosovo/Bosnien mitgegründet.

Jochen Herdrich ist Partner bei BonVenture. Er hat technische Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing und General Management mit Schwerpunkt Unternehmenssteuerung studiert. Vor seinem Engagement bei BonVenture war er mehrere Jahre als Investment Manager in einer technologieorientierten Beteiligungsgesellschaft und als Produktmanager in einem Industrieunternehmen tätig.