5 typische Fehler, woran innovative Start-ups scheitern

Gastbeitrag von Frank Collatz, UEBF GmbH

"5 typische Fehler, woran innovative Start-ups scheitern" - Frank Collatz, UEBF
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Bildnachweis: © UEBF.

Wer einer innovativen Idee eigenverantwortlich Leben einhauchen will, gründet ein Unternehmen. Dann dauert es nicht mehr lange, bis die Innovation marktreif ist und die Gründer eine weitere Erfolgsgeschichte schreiben. So ähnlich werden Start-up-Gründungen gerne medial dargestellt. Das führt bei vielen Unternehmensgründern zu der irreführenden Vorstellung, jede Gründung sei leicht und führe mit Sicherheit zu einem Erfolg.

Doch leider sieht die Realität oft anders aus, denn laut aktueller Statistiken scheitern 80 % aller Start-ups in den ersten 3 Jahren. Über nennenswerte Erfolge kann sogar nur eins von 10 Start-ups nach 3 Jahren berichten. Doch warum ist das so und welche typischen Fehler unterlaufen vielen Gründern, die ihre innovative Idee verwirklichen wollen?

Fehler #1 Die Idee für sich behalten

In vielen Gründern schlummert die Angst, andere Personen könnten die eigene Idee stehlen. Aus diesem Grund behalten viele potenzielle Unternehmer ihre Pläne für sich. „Ich halte es eher für unwahrscheinlich, dass andere die Idee aufgreifen und 1:1 umsetzen. Viel wichtiger ist es, Freunden und Familie von dem Vorhaben zu erzählen und sich andere Meinungen oder Denkweisen einzuholen. Ein objektives und konstruktives Feedback kann hier helfen, Risiken oder falsche Einschätzungen rechtzeitig zu erkennen“, empfiehlt Frank Collatz, Geschäftsführer der UEBF GmbH. Ebenso wichtig ist es, keine Scheu zu haben, andere um Rat zu bitten. Gründer stehen noch am Anfang und haben viele unbeantwortete Fragen oder suchen nach einer Lösung für ein Problem. Insbesondere erfahrene Gründer haben hier allerhand Ratschläge parat.

Fehler #2 Das falsche Team

Wer Mitgründer oder neue Mitarbeiter sucht, sollte nicht nach persönlichen Interessen entscheiden. Viele Gründer begehen den Fehler und stellen enge Freunde ein, weil diese gerade Zeit haben oder seit Jahren vertraut sind. Doch leider stellen sich einige Mitarbeiter nach kurzer Zeit als unpassend heraus, was ein Start-up schnell gefährden kann. „Es ist wichtig, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die hinter einer Idee stehen und in der Lage sind, ein Team voranzubringen. So lässt sich das größte Potenzial aus dem Unternehmen herausholen“, rät Collatz. Wichtig ist außerdem, nicht alle Aufgaben allein erledigen zu wollen. Stattdessen sollte die Verantwortung für einzelne Tätigkeiten delegiert und abgegeben werden.

Fehler #3 Kein richtiges Konzept

Eine Geschäftsidee macht noch lange kein Geschäftsmodell. Gründer sollten sich rechtzeitig Gedanken machen, für wen das Produkt interessant ist, was es kosten soll, wo und wie es hergestellt werden oder wo das Unternehmen seinen Standort haben soll. Hier ist ein Businessplan sehr hilfreich. Dieser sollte neben einer detaillierten Marktanalyse auch eine Rentabilitäts- und Liquiditätsrechnung für die kommenden drei Jahre beinhalten. Die Marktanalyse hilft dabei, den Markt, die Konkurrenz und den geplanten Standort genauer zu untersuchen, sodass die Umsatzzahlen nicht geschätzt werden müssen, sondern hergeleitet werden können.

Darüber hinaus ist eine Aufstellung der Investitionskosten unumgänglich, um hier einen Überblick zu behalten. Gründer müssen sich dabei automatisch damit auseinandersetzen, wie Investitionen finanziert werden sollen, z. B. durch zusätzlich benötigtes Kapital. „Vielen Gründern ist nicht bewusst, dass zu Beginn Anlaufverluste entstehen können. Diese müssen natürlich gedeckt werden, um liquide zu bleiben. Deshalb sollte vorab geklärt sein, woher das Kapital zur Deckung kommt“, verdeutlicht Frank Collatz.

Fehler #4 Kein oder zu wenig Marketing

Ein wichtiger Punkt ist eine passende Marketing-Strategie. Insbesondere Videos gewinnen in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung, sei es auf Instagram, Facebook oder auf Business-Plattformen wie LinkedIn. „Natürlich sind Gründer überzeugt von ihrem Produkt. Diese Überzeugung muss aber auch bei potenziellen Käufern ankommen und überzeugend sein. Hier ist eine passende Marketing-Strategie notwendig“ verdeutlicht Collatz. Gründer sollten ihre Zeit also nicht nur in das Produkt stecken, sondern sich auch Gedanken machen, wie sich das Produkt am besten vermarkten lässt. Wer ist die Zielgruppe und über welche Kanäle kann diese erreicht werden? Hier kann eine Marketing-Firma helfen, den passenden Weg zu finden.

Fehler #5 Nur noch für die Arbeit leben

In einer Firma nimmt der Gründer eine elementare Position ein: Er muss einen klaren Kopf behalten, trifft Entscheidungen und ist Ansprechpartner für Mitarbeiter und Kunden. Häufig verlieren Unternehmer dann die Arbeitszeit aus dem Blick, vernachlässigen private Auszeiten und ihre sozialen Kontakte. Frank Collatz weiß: „Der Körper muss sich regenerieren und zur Ruhe kommen. Gründern rate ich dann, sich ausreichend Zeit für sich zu nehmen, z. B. für Sport oder ihr soziales Umfeld“.

Fazit: Die meisten Fehler lassen sich mit ausreichender Planung vermeiden

Eine innovative Idee in einem eigenen Unternehmen zu realisieren, ist spannend, kostet aber viel Zeit, Geld und Energie. Umso wichtiger ist es daher, dass Gründer einen klaren Kopf behalten und mit einer Strategie fahren, die umsetzbar und machbar ist. Es ist kein Versagen, in der Gründungsphase um Hilfe oder um einen Rat zu bitten. Wer sich ein Netzwerk aufbaut, kann bei Bedarf darauf zugreifen, wenn Unterstützung notwendig ist.
Start-ups aufgepasst: Innovative Firmen, die eine zündende Idee oder ein Projekt entwickelt haben, können sich ab dem 12. April beim „Innovationspreis Berlin-Brandenburg“ bewerben. Die Gewinner dürfen sich über ein Preisgeld von 10.000 € freuen. In der unabhängigen Expertenjury wirkt 2021 auch Frank Collatz mit; er ist Geschäftsführer der Unternehmens-Entwicklungs-Beteiligungs- und Finanzierungsgesellschaft (UEBF) aus dem schleswig-holsteinischen Glücksburg. Sein Herz schlägt für Start-ups, von der Idee über die Gründung und die Finanzierung bis hin zum erfolgreichen Exit.

Zum Autor:
Frank Collatz ist seit über zehn Jahren Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Finanzierung und seit 2018 Geschäftsführer der UEBF GmbH: Dort begleitet er Start-ups und Gründer, von der zukunftsweisenden Idee über Beteiligungsfinanzierungen bis hin zum erfolgreichen Exit. Sein Ziel ist es, innovativen Unternehmen den Zugang zu Fremdkapital zu erleichtern.