Einer für alle, alle für einen – Ein Plädoyer für internationale Kooperation

Eine Kolumne von Dr. Sascha Berger, Partner, TVM Capital Life Science

Dr. Sascha Berger, TVM Capital Life Science
Dr. Sascha Berger, TVM Capital Life Science
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Bildnachweis: © TVM Capital Life Science.

Letztes Jahr um diese Zeit hat mein Kollege Dr. Birner an dieser Stelle einen Innovationsschub durch die Coronapandemie prognostiziert. Im Bereich Medikamentenentwicklung, aber auch in der Arbeitswelt ganz allgemein kann man dieses Phänomen jetzt wohl bestätigen. Niemals zuvor sind in so kurzer Zeit so viele Impfstoffe entwickelt und mit überzeugenden Daten zugelassen worden wie im letzten Jahr. Der COVID-19-Tracker des Milken Institute gibt dazu einen guten Überblick: Aktuell sind weltweit über 300 Therapeutika und über 200 weitere Impfstoffe in der Entwicklung. Die meisten von ihnen entstehen in internationaler Kooperation.

Gerade bei der Impfstoffentwicklung haben wir gesehen, dass Vernetzung, Teamarbeit und nicht zuletzt das Ausnutzen von gemeinsamen Kapazitäten zum bestmöglichen Ergebnis führen. Wir ­haben auch gelernt, dass in der Vergangenheit nicht alle Schwerpunkte bei der Globalisierung richtig gesetzt wurden. Wir wissen jetzt, dass wir gut beraten sind, Produktionskapazitäten für medizinische und pharmazeutische Produkte für Krisenfälle auf nationaler Ebene vorzuhalten. Das ist jedoch überhaupt kein Widerspruch zu meiner These, dass wir internationale Zusammenarbeit noch konsequenter umsetzen sollten – um eventuell pharmazeutische Produktionsausfälle, z.B. in Asien, lokal auszugleichen und damit dafür zu sorgen, dass lebenswichtige medizinische Produkte trotzdem zur Verfügung stehen. Diese lokale Lieferkettenabsicherung ist eine sinnvolle Form von globaler Kooperation.

Unsere Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg ist erzwungenermaßen gerade digitaler und damit auch barrierefreier geworden. Sie ist nur noch begrenzt von unterschiedlichen Zeitzonen, die Arbeitstage länger und in der Koordination aufwendiger machen. Abgesehen davon interessiert es heute allerdings kaum noch, von welchem Ort aus ein Kollege oder eine Kollegin zum Projekt beiträgt. Das wird gesamtwirtschaftlich langfristig noch massive Auswirkungen haben, die wir jetzt noch gar nicht vollständig absehen.

In unserer Branche ist das allerdings nichts Neues. TVM Capital Life Science ist seit den 1980er-Jahren explizit transatlantisch unterwegs. Heute haben wir Kollegen in New York, Montreal, Brüssel, Mailand und München – und wir arbeiten schon immer als ein integriertes Team projektbezogen zusammen. 2013 haben wir eine Investmentstrategie etabliert, die auf einem virtuellen Team- und Projektgedanken basiert, weniger auf dem Aufbau physischer Unternehmen. Der Erfolg dieser Projekte in der Medikamentenentwicklung hängt vielmehr von einer klug orchestrierten internationalen Zusammenarbeit von Spezialisten ab. 15 Investments, alle mit Cross-Border-Teams umgesetzt, haben wir in dieser Zeit getätigt. Das aktuellste Beispiel ist unser Investment in Vespina Lifesciences Anfang dieses Jahres: wissenschaftliche Forschung und Lizenz aus Dänemark, Gesellschaft aufgesetzt in den USA mit einem Experten- und Managementteam aus den USA, Kanada und Dänemark sowie aktiver Begleitung aus Deutschland.

Das Bild von der internationalen Zusammenarbeit geht aber natürlich nur dann volkswirtschaftlich auf, wenn die notwendigen Elemente zusammenkommen: hoch qualifizierte Forschung und Entwicklung, bestens ausgebildete und motivierte Menschen und eine moderne (digitale!) Infrastruktur. An diesen Stellen dürfen wir in Deutschland nicht nachlassen und vieles hat noch Luft nach oben. Aber – und das ist das Entscheidende – wenn wir diese Aspekte fest im Blick haben, dann werden wir dazu beitragen, nicht nur diese Pandemie zu beenden, sondern auch für kommende Krisen besser gerüstet zu sein. Dies ist eine soziale Verpflichtung, aber nicht zuletzt auch eine große unternehmerische Chance!

Über den Autor: Dr. Sascha Berger, Partner at TVM Capital Life Science

Dr. Sascha Berger ist Partner bei TVM Capital Life Science, einem der Pioniere für innovative Venture-Capital-Finanzierungen für Biotechnologie, Medtech, Diagnostik und Digital Health, mit Standorten in München und Montreal. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Dealflow, Due Diligence und Transaction Management. Er verfügt über umfangreiche M&A-, Strategie- und Transaktionserfahrung. Dr. Berger studierte Technologiemanagement in München, Singapur und Boston, hält einen Diplomtitel der Technischen Universität München sowie einen Doktortitel in Banking & Finance und ist ein engagierter Triathlet.