Richtige Wahl der Transformationsplattform

Datentransfer im Rahmen von M&A-Transaktionen

Gregor Stöckler, SNP Schneider Neureither & Partner SE
Gregor Stöckler, SNP Schneider Neureither & Partner SE

Unternehmen entscheiden sich wieder häufiger dafür, einzelne Geschäftsbereiche auszugliedern, abzuspalten oder zu verkaufen. Unabhängig von den Gründen erweist sich ein Carve-out als enorme Herausforderung. Weitreichende organisatorische und prozessuale Veränderungen müssen bewältigt werden. Auch aus IT-Sicht ist es anspruchsvoll, einen Unternehmensteil aus einer bestehenden Organisation auszugliedern.

Die Zeiträume für die operativen Tätigkeiten der Unternehmens-IT sind bei M&A-Transaktionen aufgrund der Verschwiegenheitsvereinbarungen während der Deal-Vorbereitung kurz – und sie werden immer kürzer. Nicht selten ist der Börsengang von zwei neuen Firmen bereits beschlossen und verkündet, während die Workshops zur Erstellung des Migrationskonzepts noch nicht einmal terminiert wurden. Wenngleich die Entscheidung für einen Carve-out Chefsache ist, muss die IT-Abteilung frühzeitig in das Reorganisationsprojekt einbezogen werden. In der Praxis wird die IT-Abteilung oft erst nach Vertragsabschluss im Rahmen des Transition Service Agreement (TSA) eingebunden. Sie muss dann kurzfristig die Übernahme der IT-Infrastruktur und insbesondere der Systeme und Daten in die bereits vorhandene Unternehmens-IT gewährleisten. 

M&A-Lernkurve

Nicolas Pütz, Director Operations & IT bei Mutares, einem auf Sanierung und Optimierung von mittelständischen Unternehmen und Konzernausgliederungen spezialisierten Private Equity-Investor, sieht das ähnlich: „Als IT stehen wir in unseren Akquiseprojekten häufig vor der Herausforderung, in sehr kurzen Zeiträumen fundamentale Entscheidungen für die IT-Transition eines Portfoliounternehmens nach einem erfolgreichen Projektabschluss treffen zu müssen. Wir müssen ein Maximum an Informationen zusammentragen und darauf basierend unsere Entscheidung treffen, die für die Verhandlung der Rahmenbedingungen der TSA relevant sind.“ Welche enormen Vorteile der Einsatz spezieller Software bei der Durchführung seiner Projekte haben kann, stellte das Mutares-Team fest, nachdem es Transformationssoftware für eine Separierung von Daten im Rahmen eines SAP-Carve-out genutzt hatte: auf der Käuferseite bei einer Transaktion eines Automobilzulieferers für einen US-amerikanischen Konzern mit Werken auch in Europa sowie auf der Verkäuferseite bei einem Teilverkauf einer Geschäftssparte eines bestehenden Portfoliounternehmens. Das ermöglichte dem Private Equity-Unternehmen, die Verfahren einer automatisierten und selektiven Datenmigration aus zwei verschiedenen Blickrichtungen zu erleben; in beiden Fällen fiel das Ergebnis klar positiv aus. Die Erfahrungen nach einigen „klassischen“ Anläufen mit hohen Risiken und unverhältnismäßig hohem Aufwand führten schnell dazu, einen neuen Weg zu gehen. 

Früh das Richtige entscheiden

Die richtige Wahl der Transformationsplattform, mit der eine Datenmigration ermöglicht werden soll, erweist sich als wesentlicher Erfolgsfaktor für das gesamte Projekt. Idealerweise helfen Software und regelbasierte Analysen in der Vorbereitungs- und Due Diligence-Phase bei der Einschätzung der Komplexität, des Zeitplans und der Kosten für die SAP-Migration und einer eventuellen Post-Merger-Integration. Mithilfe vordefinierter Services und Packages werden Planungssicherheit und Risikominimierung erreicht. Auf Basis der Informationen aus der Analyse kann die IT-Abteilung des Käufers bedeutend schneller und qualifizierter „up-to-speed“ kommen. Die IT-Abteilung wird oft von einem Transaktionsprozess überrascht und muss die zusätzlichen Aufgaben unerwartet schultern. Die Reduktion des manuellen Aufwands, eine daten- und faktenbasierte Planung und Simulation sowie die maschinell unterstützte optimale Roadmap-Erstellung entlasten alle Beteiligten. So hat Mutares zum Beispiel in einer Buy Side-Transaktion die Struktur des übernommenen SAP-Systems analysiert und als Basis für die Datenseparierung mit dem Verkäufer genommen. Diese Erfahrung hat dazu geführt, dass der Investor in Zukunft Analysesoftware bereits im Rahmen der Due Diligence nutzen will, um diesen Informationsvorsprung so früh wie möglich zu erhalten und Projekte entsprechend planen und verhandeln zu können.

Moderne Lösungen für klassische Probleme

Aussagekräftige Analysen ermöglichten dem Unternehmen nun eine gründliche Planung und auch während der Umsetzung jederzeit eine Statusüberprüfung des Transformationsprojekts. Zudem waren die Themen Übernahme von „Altlasten“ aus den Vorgängersystemen sowie der Datenbankwechsel in der Vergangenheit häufig während der Migrationsphase ein Problem – mit dem softwarebasierten Verfahren waren diese aus der Welt geschafft. Um nachgelagerte IT-Projekte deutlich sicherer zu bewerten und somit in die Endverhandlungen einbeziehen zu können, sollten faktenbasierte Analysen schon in der Due Diligence-Phase in die Bewertung der M&A-Transaktion einfließen. So gehen Unternehmen bei M&A den Problemen von früher in Zukunft aus dem Weg. 

Über den Autor:
Gregor Stöckler ist Chief Operating Officer bei SNP Schneider Neureither & Partner SE, einem Anbieter von Softwarelösungen für digitale Transformationsprozesse und automatisierte Datenmigrationen im SAP-Umfeld.