Überzeugungsarbeit weiterhin gefragt

Umfrage im Mittelstand

Christian Futterlieb, VR Equitypartner
Christian Futterlieb, VR Equitypartner

Bildnachweis: © VR Equitypartner.

Die Akzeptanz der Unternehmen gegenüber Finanzinvestoren in Deutschland ist bereits gut – aber immer noch nicht gut genug. Dabei liegt es laut einer aktuellen Umfrage von VR Equitypartner an den Beteiligungsgesellschaften selbst, Unternehmer noch stärker von den Vorteilen eines Einstiegs zu überzeugen. Insbesondere bei kleineren Mittelständlern mit einem Jahresumsatz von unter 20 Mio. EUR und weniger als 50 Beschäftigten scheinen die konkreten Tätigkeitsfelder von Private Equity nicht flächendeckend bekannt zu sein. 

Von den zu Jahresbeginn durch den Marktforscher nhi² befragten deutschen Mittelstandsunternehmen war bei knapp 20% entweder bereits einmal ein Private Equity-Unternehmen an Bord, ist aktuell investiert oder es ist ein Einstieg innerhalb der nächsten zwölf Monate geplant. Überraschend ist, dass die Befragten mit Private Equity nach wie vor die Zerschlagung des Unternehmens und den schnellen Profit für die Finanzinvestoren in Verbindung bringen und weniger die essenziellen Vorteile des Investments: Nachfolgeplanung, Internationalisierung, Wachstumsförderung, Unterstützung bei Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsthemen – und das Ganze langfristig. Besonders die aktuellen Krisensituationen zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur kapitalstarke Partner an Bord zu haben, sondern auch externes Know-how nutzen zu können. 

Mehr Chancen als Vorbehalte

Die repräsentative Befragung hat jedoch auch ergeben: Wer bereits mit Private Equity in Berührung gekommen ist, sieht eher Chancen in dieser Finanzierungsform für sein Unternehmen und lässt sich weniger von Vorbehalten leiten – Beteiligungsunternehmen müssen also mehr Überzeugungsarbeit bei kleineren mittelständischen Unternehmen leisten. Knapp die Hälfte der Befragten sieht, dass Private Equity den Unternehmen neue Möglichkeiten zur Weiterentwicklung eröffnen kann. Allerdings ist nur rund ein Viertel davon überzeugt, dass damit auch eine höhere Profitabilität einhergeht. Knapp 40% sagen, dass Private Equity-Gesellschaften bei der Nachfolgeregelung und somit der Sicherung der Unternehmenszukunft helfen. Betrachtet man hierbei isoliert die Gruppe, die bereits mit Private Equity in Berührung gekommen ist, so zeigt sich ein anderes Bild: In sämtlichen abgefragten Bereichen werden die Kriterien deutlich positiver bewertet. 

Portfoliounternehmen positiv gestimmt

Ein ähnlicher Effekt macht sich bei der Einstellung gegenüber Private Equity bemerkbar: Für 37% aller Befragten steht Private Equity nach wie vor für zu viel Abhängigkeit, Einmischung, Schuldenaufnahme und Exit-Druck. Betrachtet man hingegen nur die Befragten, die bereits mit Private Equity vertraut sind, sieht bereits knapp die Hälfte die mit der Anlageform verbundenen Vorteile, etwa eine verbesserte Eigenkapitalbasis, Zugang zu exklusivem Know-how oder die Verbreiterung der Finanzierungsoptionen. Weiterhin bewerten 64% derjenigen mit Private Equity-Erfahrung den Einfluss des Engagements eines Investors als insgesamt positiv für das Unternehmen – bei Umsatz, Ertrag, Investition und Mitarbeiterzahl.

Fazit

Die meisten Befragten sind sich allerdings einig, dass sich Private Equity am besten minderheitlich beteiligt. Nur 6% können sich für ihr Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung vorstellen. Die wichtigsten Entscheidungskriterien für den Einstieg eines Private Equity-Unternehmens sind Wachstum und Expansion, Gesellschafterwechsel und Nachfolgeregelung sowie ein besserer Kapitalzugang. Doch auch hier haben die meisten Beteiligungsunternehmen noch weitaus mehr zu bieten. Insbesondere in der aktuellen Situation werden die Themen ESG, Carve-outs und Umfinanzierungen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Weitere Chancen bestehen zudem hinsichtlich des Kapitalhintergrunds eines Private Equity-Hauses: 34% der Befragten sehen am liebsten Familien- oder privates Kapital, 26% Fondsmittel, 14% Aktien und Börse und 22% eine Bank im Hintergrund des Investors. 

Über den Autor:
Christian Futterlieb ist Managing Partner und Geschäftsführer bei der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft
VR Equitypartner und verantwortlich für Akquisition und Wertsteigerung von Direktbeteiligungen/Mezzanine-Finanzierungen.